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Regionale Klinken Holding

Simulator macht den Notfall planbar

Nach einer schweren Verletzung, Herzinfarkt oder Schlaganfall zählt jede Sekunde. An der Vaihinger Tagesklinik ist gestern ein Simulationszentrum eingeweiht worden, das den Notfall zumindest ein bisschen planbar macht.

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Blick in das Vaihinger Simulationszentrum. Dort wird an Puppen der Ernstfall geprobt.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Als Jörg Martin die Gäste der Einweihung des neuen Simulationszentrums begrüßt, erinnert der Geschäftsführer der Regionalen Klinken Holding (RKH) an einen Vorfall, der sich 2009 in New York abspielte. Damals landete ein Pilot mit seiner Maschine auf dem Hudson River, nachdem sich ein Vogel kurz nach dem Start in einer Flugzeugturbine verfangen hatte. Alle 155 Passagiere überlebten das Unglück. „Diese erfolgreiche Notlandung war nur möglich, weil Piloten den Ernstfall in Simulatoren proben“, sagte Martin.

Und so ist das nun eröffnete Simulationszentrum, in das die RKH rund zwei Millionen Euro investiert hat, dem Vorbild der Luftfahrt entnommen. Nach Angaben der RKH gehört es zu den zehn größten und modernsten Anlagen seiner Art im gesamten Bundesgebiet.

Das in einem bestehenden Gebäude neben der Tagesklinik untergebrachte Simulationszentrum besteht aus acht mit 28 Videokameras ausgestatteten Räumen, in denen zwei Gruppen mit jeweils bis zu zwölf Teilnehmern Notfälle der verschiedensten Art an Puppen proben können. Die Möglichkeiten reichen von Routineeingriffen bis zur Geburtshilfe.

Ein Trainer kann in einem Steuerraum die Koordination und Kommunikation der am Simulationstraining beteiligten Ärzte, Pflegekräfte oder Rettungssanitäter beobachten. In einem Raum wurde fast ein kompletter Rettungswagen nachgebaut, in einem anderen ein Operationssaal.

Das Simulationszentrum richtet sich nicht nur an Ärzte der RKH, sondern ausdrücklich auch an Kollegen anderer Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte sowie sämtliche in der Gesundheitsversorgung tätige Berufsgruppen. Dabei kooperiert die RKH mit Partnern wie dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Tuttlinger Aesculap Akademie.

Auch Verwaltungsbeamte machten Fehler, räumte Landrat und RKH-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Haas bei der Feierstunde ein. „Aber bei uns lässt sich das rückgängig machen. Wenn ein Arzt etwas falsch macht, leidet der Patient.“ In dem Simulationszentrum könnten sich Ärzte in einem geschützten Rahmen darauf vorbereiten, „die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen“.

Nicht zuletzt sei das Simulationszentrum ein weiterer Baustein in der voranschreitenden Spezialisierung der RKH-Kliniken. „Es trägt zur Erhöhung der Patientensicherheit bei und ist ein wichtiger Faktor für die Personalentwicklung und -gewinnung“, sagte Haas.

Die Einrichtung ermögliche eine modellhafte und realitätsnahe Aus- und Weiterbildung, lobte Dietrich Hammann, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Sozialministerium. „Das ist die Zukunft in der Medizin, in der Wissenschaft überhaupt.“

Ziel sei von Anfang an ein Simulationszentrum gewesen, „in dem wir fachgruppen- und berufsübergreifend schwierige Situationen trainieren können“, erläuterte Projektleiter Stefan Weiß, als er auf die insgesamt zweijährige Planungs- und Bauphase zurückblickte. „Wir wollten kein Spielzeug für zwei Anästhesisten, sondern ein richtig großes Simulationszentrum“, meinte Weiß. Vaihingen sei der richtige Standort. Für die Stadt spreche die zentrale Lage im RKH-Verbund, die gute Verkehrsanbindung und die perfekt geeigneten Räume.

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