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Fahrverbot

Sind die Messwerte repräsentativ?

Diesel-Demonstranten setzen auf neue Überprüfung – OB Spec hält Messungen für korrekt – Heute vorerst letzte Kundgebung

Die Messstation in der Friedrichstraße. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Messstation in der Friedrichstraße. Foto: Holm Wolschendorf
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Foto: Holm Wolschendorf/Ramona Theiss

Ludwigsburg. Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel gerät immer mehr ins Wanken. Die Bundesregierung findet mittlerweile Fahrverbote für Diesel bei Werten bis zu 50 Mikrogramm unverhältnismäßig. Die Messstelle an der Ludwigsburger Friedrichstraße kommt derzeit auf 51 Mikrogramm Stickstoffdioxid im Jahresmittel (2017 und 2018) und liegt damit denkbar knapp über der Schwelle für Fahrverbote. Der Streit, ob die dort gemessenen Werte repräsentativ sind – die Teilnehmer der Ludwigsburger Dieseldemo bezweifeln das –, dürfte also mit aller Härte weitergeführt werden.

Schon seit Monaten misst die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) an vier weiteren Messpunkten im direkten Umfeld der Messstelle in der Friedrichstraße. Oberbürgermeister Werner Spec hat vor kurzem ein Gespräch mit der LUBW geführt. Dabei ging es um die Zusatzmesspunkte. Deren Ergebnisse seien zwar geringer, lägen im Jahresmittel aber trotzdem zwischen 40 und 50 Mikrogramm, sagt der OB im Gespräch mit unserer Zeitung. Nur eine der Messstellen unterschreite den Grenzwert von 40 Mikrogramm. „Ich gehe dadurch davon aus, dass der Wert von 51 Mikrogramm an der Messstelle Friedrichstraße eher repräsentativ ist.“

Eine Rückfrage bei der LUBW ergibt folgende Auskunft: Die Werte an den vier Kontrollstellen hätten zwischen Ende September und Ende Dezember im Mittel bei 41 bis 47 Mikrogramm gelegen. In der ersten Jahreshälfte 2018 lagen sie allerdings knapp unter 40 Mikrogram.

Oberbürgermeister Werner Spec

rechnet nicht mit Fahrverboten

Kritiker der Messstation bemängeln, dass diese in einer Hausecke stehe, an der sich die Abgase sammeln. Außerdem liegt die Stelle an einer Kreuzung mit Ampeln und einer Steigung. Dort wird also laufend angefahren und beschleunigt. Werner Spec hätte es gut gefunden, wenn die LUBW mit ihren Ergebnissen auf die Ludwigsburger Pro-Diesel-Demonstranten zugegangen wäre, um die Diskussion in eine sachliche Richtung zu lenken. Dazu war die Landesanstalt aber nicht bereit, was der OB bedauert.

Trotz der Überschreitung ist Spec weiterhin zuversichtlich, dass es in Ludwigsburg nicht zu Fahrverboten kommt. Im aktuellen Luftreinhalteplan seien etliche Verbesserungen für die Stadtluft eingeplant worden.

Große Hoffungen setzt Spec in die Digitalisierung sämtlicher Ampeln in der Stadt bis Ende des Jahres. Dies hat bald auch Auswirkungen für die Kreuzung Hohenzollern-/Friedrichstraße. Wenn die Messstation dort künftig steigende Werte misst, wird der Ausweichverkehr durch die Hohenzollernstraße per digitaler Ampelsteuerung ausgebremst.

„Unser wichtigstes Ziel haben wir erreicht. Bisher gibt es in Ludwigsburg keine Fahrverbote“, sagt Dieter Seipler. Der Organisator von Ludwigsburgs Pro-Diesel-Demonstrationen wird seine Mitstreiter heute ab 16 Uhr zum vorerst letzten Mal vom Rathaushof Richtung Friedrichstraße zur umstrittenen Messstation führen.

Ab dem 3. Mai soll in Ludwigsburg wieder protestiert werden

Seipler ist außerdem zuversichtlich, dass es weder 2019 noch 2020 zu Fahrverboten kommt. Bisher gebe es ja nicht einmal einen Termin, an dem die Klage der Umwelthilfe gegen Ludwigsburg verhandelt werde. In den neuen Luftreinhalteplan der Stadt und die angekündigte Überprüfung aller Messstationen in Deutschland setzt Seipler ebenfalls große Hoffnung.

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass sie beim Tüv Rheinland ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben habe, mit dem die Genauigkeit aller Messstationen überprüft werden soll. „Ich hoffe, dass es kein Gefälligkeitsgutachten wird und am Ende auch die Öffentlichkeit informiert wird“, sagt Seipler.

Die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer ist laut dem Organisator im Laufe der Wochen abgeebbt. Waren im Februar jeweils noch 200 bis 300 Dieselfahrer dabei, schrumpfte ihre Zahl zuletzt auf etwa 60. Nach einer Pause im April sollen ab dem 3...Mai wieder Demos stattfinden. Dann jeweils freitags ab 17 Uhr. Dieter Seipler möchte die Teilnehmer dabei auch auf die Europawahl am 26. Mai vorbereiten. „Wir werden bei den Kundgebungen darauf hinweisen, wie die Parteien zu unseren Themen stehen. Schon bei der letzten Demo habe ich über Ölheizungen gesprochen“, erzählt er.

Seine Bewegung entwickelt sich damit immer mehr zu einem erbitterten Gegner der Grünen. Die Partei wolle laut Seipler den Menschen nicht nur den Diesel, sondern mittlerweile auch Ölheizungen und das Fliegen madig machen. „Der Zugriff auf unsere Freiheitsrechte wird immer fundamentaler.“

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