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Sinfonieorchester der Barockstadt probt digital

Wegen der Corona-Pandemie versorgt Dirigent Hermann Dukek seine 75 Musiker von daheim über einen Podcast mit Instruktionen

Bitte Abstand halten: Zwei Hornisten haben – mit Augenzwinkern – extra die Instrumente getauscht, um auf Abstand proben zu können, auch die Trompeter widmen sich neuen digitalen Möglichkeiten.Fotos: privat
Bitte Abstand halten: Zwei Hornisten haben – mit Augenzwinkern – extra die Instrumente getauscht, um auf Abstand proben zu können, auch die Trompeter widmen sich neuen digitalen Möglichkeiten. Foto: privat
Bitte Abstand halten: Zwei Hornisten haben – mit Augenzwinkern – extra die Instrumente getauscht, um auf Abstand proben zu können, auch die Trompeter widmen sich neuen digitalen Möglichkeiten.Fotos: privat
Bitte Abstand halten: Zwei Hornisten haben – mit Augenzwinkern – extra die Instrumente getauscht, um auf Abstand proben zu können, auch die Trompeter widmen sich neuen digitalen Möglichkeiten. Foto: privat

Ludwigsburg. Groß war die Enttäuschung unter den Musikern des Ludwigsburger Sinfonieorchesters, dass das Familienkonzert „Plü fliegt davon“ kurz vor den geplanten Aufführungen Mitte März im Scala und im Bietigheimer Kronenzentrum wegen der Corona-Pandemie noch abgesagt werden musste. Doch jetzt blicken die Musiker und ihr Dirigent Hermann Dukek nach vorne – und greifen bei den Probenarbeiten für die nächsten Programme zu ganz neuen Methoden.

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Die Situation war anfangs schon ungewohnt für mich.

Hermann Dukek
Dirigent

So hat Hermann Dukek, der in Sachen digitale Präsentation des Orchesters ohnehin in den vergangenen Jahren neue Impulse gesetzt hat, einen wöchentlichen Podcast aufgesetzt, über den er als Ersatz für die Mittwochsprobe seine 75 Musiker beim Üben daheim instruiert. Mittlerweile hat er bereits vier der Audiodateien verschickt. „Die Situation war anfangs schon ungewohnt für mich“, sagt Dukek. „Ich habe mich gefragt: Wie kann ich das auf diesem Weg vermitteln?“ Aber dann sei er ganz gut reingekommen.

Auf dem Probenprogramm stehen aktuell Felix Mendelssohns „Schottische Sinfonie“ und die „Petite Suite“ von Claude Debussy in der Fassung für Orchester. In seinem etwa 20-minütigen Podcast weist Dukek auf wichtige Stellen hin und erläutert seine Gedanken zur Interpretation. Anders als bei der Probe kann er sich nicht auf Korrekturen im Zusammenspiel oder in den einzelnen Stimmen fokussieren. Vielmehr geht es darum, einen Eindruck zu vermitteln, was das gemeinsame Ziel sein soll. Eine Einbahnstraße ist es dennoch nicht: So hat ein Klarinettist etwa mal ein kurzes Video geschickt, damit Dukek sich einen Eindruck verschaffen kann. Und natürlich treibt die Situation auch manch humoristische Blüte. So haben sich zwei Hornisten kürzlich für eine kurze Probe im Freien getroffen – mit Blick auf den verordneten Mindestabstand aber auf die längeren (und lauteren) Alphörner umgesattelt. „Natürlich vermissen wir schon sehr das Zusammenspiel“, betont Dukek. Möglich also, dass man es künftig mal mit einer Videokonferenz versuchen werde. Aber mit 75 Leuten? Auch schwierig.

Vielleicht, sagt Dukek, bleibe von der Krise ja auch etwas Positives. So sei es durchaus denkbar, dass sich das individuelle Üben der Musiker durch die Situation verändere. Auch kann sich der musikalische Leiter gut vorstellen, den Podcast als Mittel zur Kommunikation beizubehalten, wenn die Proben eines Tages wieder anrollen. Aber wie geht es weiter? Nachdem auch das Benefizkonzert für die Vesperkirche im Juli in der Stadtkirche nun ausfällt, wäre der nächste Termin das Sinfoniekonzert am 17. Oktober im Forum anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Montbéliard. Und der Vogel Plü, der in einer Pauke wohnt? Der soll im Sommer 2021 endlich landen. „Wir wollen das auf jeden Fall nachholen“, erklärt Hermann Dukek. „Dafür waren die Vorbereitungen zu aufwendig – wäre ja schade um die Arbeit.“

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