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Innenstadt
Situation bleibt trotz Lockerungen prekär

Die Einzelhändler leiden in Zeiten der Coronakrise besonders. Luis will der Innenstadt wieder mehr Leben einhauchen.Foto: Andreas Becker
Die Einzelhändler leiden in Zeiten der Coronakrise besonders. Luis will der Innenstadt wieder mehr Leben einhauchen.Foto: Andreas Becker
Der Einzelhandel ist von der Coronakrise schwer gezeichnet. Wie eine Umfrage des Ludwigsburger Innenstadtvereins Luis zeigt, sehen sich viele Einzelhändler auch nach den ersten Lockerungen weiter in ihrer Existenz bedroht. Ob verkaufsoffene Sonntage Abhilfe schaffen können, ist nicht nur rechtlich fraglich.

Ludwigsburg. „Jeder Tag, an dem geöffnet ist, hilft, Umsatz zu generieren“, sagt Markus Fischer vom Ludwigsburger Innenstadtverein Luis. Deshalb habe sich Luis kürzlich im Gemeinderatsausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung dafür ausgesprochen, in der Zeit von September bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes bis zu drei verkaufsoffene Sonntag in Ludwigsburg ins Leben zu rufen. Vorausgesetzt, diese Idee stößt auch bei den Luis-Mitgliedern auf Gegenliebe. Wie allerdings jetzt aus einer Luis-Umfrage unter den Innenstadtakteuren hervorgeht, sieht ein Großteil der Einzelhändler diese Idee eher nicht als zielführend an. Zudem dürfte die Durchführung ohne die Einbettung in ein Fest auch rechtlich problematisch werden.

Für das Jahr 2020 waren in Ludwigsburg bisher zwei verkaufsoffene Sonntage genehmigt. Der verkaufsoffene Sonntag zum Märzklopfen ist der Coronakrise bereits zum Opfer gefallen. Der Termin für den verkaufsoffenen Sonntag zum Kastanienbeutelfest am 11. Oktober steht zwar noch. Ob das Fest – und somit auch der verkaufsoffene Sonntag – an diesem Termin stattfindet, steht aufgrund der Dynamik der Krise aber noch in den Sternen.

Der Einzelhandel hat mit den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus hart zu kämpfen. Fischer fordert deshalb, die aktuelle Situation gesondert zu betrachten und die starren Vorgaben für die verkaufsoffenen Sonntage etwas zu lockern. „Im Fokus steht doch, die Arbeitsplätze möglichst zu erhalten“, so der Citymanager. Eine Luis-Umfrage unter seinen 250 Mitgliedern, an denen sich insgesamt 126 Akteure beteiligten, bestätigt die schwierige Situation, in der sich viele Einzelhändler momentan befinden. Bereits im April hatte der Innenstadtverein seine Mitglieder gefragt, ob sie sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Diese Frage haben damals 52 Prozent der befragten Akteure mit „Ja“ beantwortet. Im Mai, nachdem die ersten Lockerungen durchgeführt wurden, zeigt sich laut Luis eine leichte Besserung, wenngleich noch immer 38 Prozent ihre Existenz als bedroht ansehen.

Deutlich wird das Ausmaß der Coronakrise bei einem Blick auf die Umsatzeinbußen. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Innenstadtakteure zum jetzigen Zeitpunkt lediglich 52 Prozent Umsatz generiert. „Somit fehlt der Innenstadt in den ersten vier Monaten des Jahres fast die Hälfte des Umsatzes, verglichen mit 2019“, weist Luis in einer Pressemitteilung auf die prekäre Situation hin. „Im April haben die Innenstadtakteure noch zu 78 Prozent die Möglichkeit der Kurzarbeit in Anspruch genommen. In der aktuellen Umfrage gaben 15 Prozent der Akteure an, dass sie inzwischen Mitarbeiter entlassen mussten.“

Bei der Frage nach weiteren, unterstützenden Maßnahmen für die Innenstadtakteure habe die Umfrage ergeben, dass zusätzliche verkaufsoffene Sonntage nach den Sommerferien unter den geltenden Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Zutrittsbeschränkungen und das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes von den Luis-Mitgliedern nicht als zielführend bewertet werden. „Die Mitglieder des Vereins befürchten, dass unter diesen Rahmenbedingungen weitere verkaufsoffene Sonntage von den Besucherinnen und Besuchern nicht angenommen werden“, heißt es. „79 Prozent der Einzelhändler befürworten jedoch die Durchführung des renommierten verkaufsoffenen Sonntages zum Kastanienbeutelfest.“ Hier will Luis nun das Gespräch mit der Stadt und der Gewerkschaft suchen, um eine Öffnung der Geschäfte – auch ohne Markt und Fest – am 11..Oktober zu ermöglichen.

Doch zumindest bei verdi beißt Luis hier vermutlich auf Granit. Die Gewerkschaft spricht sich prinzipiell gegen verkaufsoffene Sonntage aus. Laut des baden-württembergischen Ladenöffnungsgesetzes dürfen Geschäfte aus Anlass von örtlichen Festen, Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen an jährlich höchstens drei Sonn- und Feiertagen geöffnet sein. Gegen die von der Stadt beantragten verkaufsoffenen Sonntage zum Märzklopfen und eben zum Kastanienbeutelfest habe verdi zwar keine Rechtsmittel eingelegt, da sie die rechtlichen Grundlagen erfüllen. Doch generell lehne die Gewerkschaft die Öffnung des Einzelhandels an Sonntagen ab.

Der arbeitsfreie Sonntag solle eine Ruheinsel sein. „Wir sehen keine Notwendigkeit, an dieser Tatsache zu rütteln. Ob mit oder ohne Corona“, sagt der verdi-Geschäftsführer für den Bezirk Stuttgart, Cuno Brune-Hägele. Die Beschäftigten im Einzelhandel seien aufgrund der Coronakrise sowieso schon mehr gefordert als sonst. Auch deshalb lehne verdi es ab, den verloren gegangenen Umsatz mit verkaufsoffenen Sonntagen wieder einzuholen. „Für uns lassen sich jetzt auch nicht einfach Feste herzaubern, die nur ins Leben gerufen werden, um den verkaufsoffenen Sonntag zu ermöglichen“, so Brune-Hägele. „Der Anlass oder das Fest muss tragen. Hier hat es gerade in Ludwigsburg immer wieder Probleme gegeben.“