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Energieversorgung

Solarwärme wie am Fließband

Für dänische Verhältnisse ist das, was in Ludwigsburg gerade als Deutschlands größte Anlage für Solarwärme entsteht, ein Klacks. Anlagen dort sind bis zu zehn mal größer. Der dänische Hersteller braucht gerade einmal zwei Wochen, um die 15.000 Quadratmeter Solarmodule im Westen der Stadt aufzustellen.

Es ist so etwas wie eine Schlammschlacht mit Hightech-Gerät. Handwerker stapfen durch eine zerfurchte Landschaft, Erdklumpen an den Gummistiefeln. Alle paar Schritte rammen sie mit einer Maschine auf Kettenrädern die Metallpfosten in den Boden, auf denen wenig später die schweren Solarpaneele per Kran aufgelegt werden – alles auf den Zentimeter genau, denn die Maschine wird per GPS-Daten und Satellit gesteuert.

So wächst in diesen Tagen Reihe für Reihe die neue Solaranlage auf einem 25.000 Quadratmeter großen Grundstück am Römerhügel in der Ludwigsburger Weststadt und einem angrenzenden Teil Kornwestheimer Markung. Die Größe entspricht in etwa vier Fußballfeldern. Am Rand des Areals steht bereits ein Betriebsgebäude mit einer Aussichtsterrasse auf dem Flachdach. Von einem langgezogenen Grünzug, den die Stadt auf dieser Seite des Areals anlegen wird, soll später eine begehbare Rampe diese Plattform für jeden zugänglich machen.

Die Solarreihen auf der Kornwestheimer Seite des Grundstücks sind schon fertig aufgestellt. Auf der Ludwigsburger Seite soll das Werk Ende nächster Woche fertig sein. Dann fangen exakt 1088 schräg aufgestellte Wärmekollektoren mit einer Gesamtfläche von fast 15.000 Quadratmetern die Sonnenenergie ein.

Nach Testläufen soll die Anlage im Mai voll in den Betrieb gehen. Bauherr und Betreiber sind die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. Der dänische Hersteller Arcon Sunmark verspricht eine Leistung bis zu 5800 Megawattstunden pro Jahr, die in das Fernwärmenetz der Stadt einfließen. „Weil das zu 100 Prozent regenerativ aus Sonnenenergie kommt, sparen wir 3700 Tonnen CO 2 im Jahr ein. Das entspricht einer Waldfläche von 471 Fußballfeldern“, rechnen die Stadtwerke vor.

Deutschlands größte Anlage für Solarthermie steht nicht weit vom Holzheizkraftwerk, das beim Bau vor zehn Jahren den Titel als größte derartige Anlage in Baden-Württemberg errang. Es liefert vor allem im Winter einen Großteil des Warmwassers, das auf rund 90 Grad erhitzt durch Fernwärmeleitungen der Stadtwerke in die angeschlossenen Haushalte, Firmen und öffentliche Einrichtungen fließt.

Im Sommer fahren die Stadtwerke das Heizwerk herunter, den geringeren Bedarf an Fernwärme produzieren dann kleinere, auch mit fossilem Erdgas befeuerte Anlagen. Hier kann die neue Anlage mit Solarthermie zusätzlich zum Beitrag im Winter künftig einen erheblichen Anteil der Sommer-Wärme übernehmen. Fast 70 Prozent der Ludwigsburger Fernwärme kommen inzwischen aus erneuerbaren Energien, bisher aus Holz und Biogas, künftig auch aus Sonnenenergie.

Diese Woche präsentierten die Stadtwerke ihre Baustelle auch anderen kommunalen Energieversorgern. Das Interesse an solchen Anlagen wächst bundesweit. Aktuell sind in Deutschland rund 64.400 Quadratmeter Kollektorenfläche in Betrieb, über 30.000 Quadratmeter in konkreter Planung oder Realisieung und weitere über 120.000 Quadratmeter in Vorbereitung, so die Zahlen aus dem Stuttgarter Steinbeis Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme. In Deutschland werden 14 Prozent des Wärmebedarfs über Fernwärme gedekct, in Dänemark sind es 64 Prozent.

Auch die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sieht noch großes Potenzial in der Kombination aus Solarenergie und Fernwärme. Denn mit Wärmenetzen seien die Energiewende und das Ziel klimaneutraler Städte deutlich schneller zu erreichen als mit dem Einbau neuer Heizanlagen in einzelnen Gebäuden. Zudem könne man bei Wärmenetzen auch künftig leichter und günstiger auf neue Wärmeträger und Technologien umstellen als bei einer Vielzahl einzelner Heizsysteme.

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