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100 Jahre Awo

Soziale Teilhabe als größte Aufgabe

Das 100-jährige Bestehen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist am Samstag mit vielen Gästen im Reithaus gefeiert worden. Eines ist dabei auf jeden Fall deutlich geworden: Das Engagement des Wohlfahrtsverbandes ist nötiger denn je.

„Ohne motiviertes Personal geht gar nichts.“: Feierstunde mit Mitarbeitern und Gästen im Reithaus.Foto: Ramona Theiss
„Ohne motiviertes Personal geht gar nichts.“: Feierstunde mit Mitarbeitern und Gästen im Reithaus. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. „Als die Arbeiterwohlfahrt im Jahr 1919 gegründet wurde, lag Deutschland am Boden“, erinnerte die stellvertretende Vorsitzende des Awo-Ortsverbandes, Margit Liepins. Die Anfänge der Arbeiterwohlfahrt in Ludwigsburg sind eng mit dem Namen Julie Keil verbunden: Die Ehefrau des damaligen SPD-Politikers Wilhelm Keil gründete 1922 eine Ortsgruppe. Seitdem sind viele Dienste und Einrichtungen entstanden. Margit Liepins wies auf die fünf Kindertageseinrichtungen – darunter in Pattonville und in Sachsenheim – hin, in denen 320 Kinder betreut werden. An der Schulkindbetreuung in Hoheneck nehmen 150 Kinder teil.

Das Hans-Klenk-Haus sei das erste Pflegeheim in Ludwigsburg gewesen, das nur über Einzelzimmer verfügte, so Liepins. Mit Rudi Schrödel verfüge die Awo über einen umtriebigen Geschäftsführer, der immer wieder neue Ideen einbringe.

„Ohne zuverlässiges, motiviertes Personal geht gar nichts“, dankte sie den knapp 300 Mitarbeitern, die von 70 Ehrenamtlichen unterstützt werden. Die Arbeit sei von Teamgeist, sozialer Gerechtigkeit und Menschlichkeit geprägt. Seit mehr als 25 Jahren gehört Margit Liepins dem Vorstand an, genauso lange ist Helmut Wallmersperger erster Vorsitzender. Den beiden wurde am Ende der Veranstaltung eine besondere Ehre zuteil: Nils Opitz-Leifheit, Bezirksvorsitzender der AWO Württemberg, zeichnete sie mit der Paul-Hoffstetter-Medaille aus.

Sandra Herlein, mit Jörg Pollinger das Improvisationstheater Q-rage, schlüpfte in der Runde in die Rolle von Marie Juchacz (1879-1956), von der die Initiative zur Gründung der Awo ausging. Herlein zitierte aus der Rede, die die Sozialdemokratin im Jahr 1919 als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung hielt. „Zivilrechtlich gibt es die Gleichberechtigung, aber keine komplette Gleichstellung“, antwortete der Erster Bürgermeister, Konrad Seigfried, auf die entsprechende Frage. Die soziale Gerechtigkeit gelangt seiner Meinung nach aktuell an ihre Grenzen, wenn es an bezahlbarem Wohnraum fehlt. Niemand solle sich scheuen, Wohngeld zu beantragen. Darüber hinaus sieht er die Stadt in der Pflicht, Wohnungen zu bauen. Heiner Pfrommer, Dezernent des Landkreises, lenkte den Blick auf fehlende Pflegeplätze und Pflegekräfte zu finden. Auch die Teilhabe von Familien mit geringem Einkommen sei ebenso wie die Integration von Migranten eine große Herausforderungen.

Nils Opitz-Leifheit betonte, dass die Awo demokratisch organisiert sei. In der Gesprächsrunde ging es auch darum, welche Bedeutung Gerechtigkeit, Solidarität, Vielfalt und Frauenrechte, Freiheit und Toleranz in der Gesellschaft haben. Honey Pie sorgte für musikalische Unterhaltung und Jörg Pollinger übersetzte Auszüge aus der Rede von Evelyne Gebhardt unterhaltsam in Körpersprache, bevor es zum geselligen Zusammensein ging.

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