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Bundestagswahl

SPD-Kandidat Macit Karaahmetoglu: „Ich schließe Rot-grün-rot nicht aus“

SPD-Kandidat Macit Karaahmetoglu ist ein Astronomie-Fan und setzt nicht nur auf soziale Themen – Klimaschutz ist sein Steckenpferd

Macit Karaahmetoglu beim Planetenweg in Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf
Macit Karaahmetoglu beim Planetenweg in Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf

Tatsächlich – der Rechtsanwalt kennt sich im All aus. Er nennt Zahlen, erzählt von Asteroiden und interstellaren Objekten, die unser Sonnensystem durchkreuzten. Macit Karaahmetoglu hat als Hobby die Astronomie ausgesucht, gerne hätte er, wie er bei einem Spaziergang auf dem Ludwigsburger Planetenweg erzählt, auch Physik studiert. Um beispielsweise anhand seiner Bewegung und Messinstrumenten berechnen zu können, wie weit ein Stern von der Erde entfernt ist.

Je weiter er nach oben schaut, um so einfacher scheint ihm der Blick zurück auf die Erde zu fallen. Die der 53-jährige SPD-Mann bedroht sieht: durch die Ausbeutung der Ressourcen, durch die Klimaerwärmung. Auf seiner gedanklichen Sternenreise durch Entfernungen, die nur in Lichtjahren zu messen sind, sei es nicht undenkbar, dass sich die Menschheit selbst zerstört, wenn sie wie bisher weitermacht. Ein Aspekt, der für ihn Grund genug ist, sich zu engagieren. Karaahmetoglu würde sich denn auch gern in Berlin im Umwelt- und Klimaausschuss engagieren.

Für den Bundestag kandidiert der Rechtsanwalt, der in Ditzingen ein Anwaltsbüro betreibt, bereits zum dritten Mal. Stets im Wahlkreis Ludwigsburg. Die frühere SPD-Parteichefin Andrea Nahles hätte ihn gerne in Berlin gesehen, es hat nicht geklappt. Diesmal hat er jedoch reelle Chancen, mit dem Listenplatz 14 ist er weniger als Lichtsekunden davon entfernt. 23 Jahre hat er als Anwalt gearbeitet, er hofft, sich jetzt politisch für seine Themen einsetzen zu können. Ihm geht es um Klimaschutz, aber auch um bezahlbares Wohnen und einen höheren Mindestlohn von zwölf Euro.

Klassische SPD-Themen, die für ihn keine Randthemen sind. Dass sich die SPD nur um einen Teil der Gesellschaft bemüht, weist er zurück. „Wir wollen schon eine große Mehrheit für unsere Politik gewinnen“, sagt er, wohlwissend, dass die politischen Gegner den Sozialdemokraten vorwerfen, die große Masse des Mittelstands zu vergessen. Familien, sagt Karaahmetoglu, sollen entlastet werden, etwa durch die Erhöhung des Kindergelds auf 478 Euro. „Überzeugen wollen wir aber mit dem Konzept“, so der SPD-Mann. Und das setze darauf, die „Gesellschaft gerechter zu machen“.

Wir stehen am Planetenweg bei der Sonne, die Erde ist von ihr knapp 150 Millionen Kilometer von ihr entfernt. In der Realität – hier beim Favoritepark sind es nur wenige Schritte, nachdem wir Merkur und Venus hinter uns gelassen haben. Wie ist das bei der SPD? Sind da nicht Kanzler-Kandidat und Parteivorsitzende Esken weit voneinander entfernt, vielleicht wie zwei Planeten, die sich abstoßen?

Karaahmetoglu bezeichnet sich als Anhänger von Kanzler-Kandidat Olaf Scholz, dessen Sachverstand er sehr schätze. Erst jüngst hat er ihn in Karlsruhe gesehen. Er glaubt, dass Scholz als Kanzler die Richtlinien vorgibt, die Trennlinie zur SPD-Vorsitzenden Saskia Esken nicht ins Gewicht fällt. „Das ist eine Erfindung der politischen Gegner“, behauptet er schlicht.

Für Gutverdienende sollen Steuern erhöht werden

Doch das Verhältnis zu den Linken bleibt auf der großen Bühne vage. Er selbst bezeichnet es als „schwierig“, ausschließen würde er aber ein Bündnis aus Rot-grün-rot nicht. Auch so könnte eine Regierung gebildet werden. Lieber wäre ihm allerdings eine Rot-grüne Mehrheit, auch eine Ampel mit der FDP sei „realistischer“ als ein Linksbündnis. Die FDP werde ihre Positionen, etwa zu Steuerentlastungen, bei Koalitionsverhandlungen räumen, ist er überzeugt.

Dass er auf soziale Themen setzt, liegt mit an seinem Werdegang. Als Elfjähriger kam er von der Türkei nach Deutschland, hier fand er eine neue Heimat, absolvierte die Hauptschule und arbeitete sich weiter hoch bis zum Rechtsanwalt. Studieren konnte er nur mit Hilfe des Bafögs, einer Ausbildungsförderung des Bundes für Einkommensschwache.

Die Mietpreisbremse und der Mindestlohn würden weitere Ungerechtigkeiten mildern. Wenn Mieten drastisch steigen, müsse „man dazwischen grätschen“. Er ist überzeugt, dass man damit nicht die normalen Vermieter trifft, sondern nur diejenigen, die unverhältnismäßig die Preise anheben und Mietwucher betreiben.

Umgekehrt werde es mit der SPD keine Steuerentlastungen geben, wie sie CDU und FDP versprechen. „Da sollen die Spitzenverdiener entlastet werden“, so seine Kritik. Mehrbelastungen seien ab Einkommen von 150 000 Euro möglich, das sei gerecht. Dass die SPD das Ehegattensplitting abschaffen will, wird allerdings laut Steuerexperten vor allem Familien treffen mit unteren und mittleren Einkommen, bei denen die Einkommen stark unterschiedlich sind.

Karaahmetoglu ist beim Planetenweg inzwischen bei der Station Erde angekommen, im Vergleich zur Sonne nur ein knopfgroßer Punkt auf der Tafel. Verschwindend klein gegenüber der mächtigen Sonne. Nimmt man den Abstand von unserem Sonnensystem zum nächsten, das Proxima Centauri genannt wird, dann klingt alles noch viel bescheidener. Der Proxima Centauri ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Etwa 40 Billionen Kilometer. Die Erde, sagt Karaahmetoglu, wird irgendwie weiter bestehen. „Doch was ist mit der Menschheit in 10 000 Jahren?“.

Zur Person: Alter: 53Jahre.

Wohnort: Gerlingen.

Beruf: Rechtsanwalt.

Ämter: Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Ludwigsburg, Vorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes in Stuttgart.

Interessen: Tennis und Zeit mit der Familie verbringen.

Autor: