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Oßweil

Stabwechsel beim Musikverein

Susanne Bader wird die erste Frau in der Geschichte des Musikvereins Oßweil sein, die das große Orchester künftig leiten wird. Beim Frühschoppenkonzert des traditionellen Musikfest Oßweil wurde sie am Sonntag vorgestellt und bekam den Taktstock überreicht.

Susanne Bader übernimmt den Taktstock aus der Hand von Alexander Schell, der stellvertretend für Stadtmusikdirektor Horst Bartmann auf die Bühne gekommen war. Vereinsvorsitzender Uwe Appel (links) moderiert den Stabwechsel. Foto: Andreas Becker
Susanne Bader übernimmt den Taktstock aus der Hand von Alexander Schell, der stellvertretend für Stadtmusikdirektor Horst Bartmann auf die Bühne gekommen war. Vereinsvorsitzender Uwe Appel (links) moderiert den Stabwechsel. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. „Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Uwe Appel. 29 Bewerbungen aus ganz Deutschland sind eingegangen. Ein siebenköpfiges Gremium traf eine Vorauswahl, vier wurden zu einem Probedirigat eingeladen. Im Anschluss wurde Susanne Bader von der Vollversammlung der Musiker gewählt. Sie selbst meint: „Die Chemie stimmte auf beiden Seiten.“

Hineingewachsen ist die 41-Jährige in eine große Musikerfamilie. Der Vater ist selbst Dirigent, die Mutter spielt Klarinette und neben dem Bruder beherrschen auch viele weitere Verwandte ein Instrument. Oft wird zusammen musiziert. „In unserem Haus gab es so gut wie jedes Instrument und ich durfte sie alle ausprobieren“, meint Bader. Den Anfang startet die Profimusikerin wie hunderttausende anderer Kinder auch mit der Blockflöte. Bald schon wird ihr Talent für das tiefe Blech entdeckt: Tuba, Euphonium, Posaune.

Nach dem Abitur studiert sie an der Hochschule für Musik und bildende Kunst in Mannheim. Bader diplomiert bei Paul Schreckenberger, sie schließt ebenfalls in Mannheim ein Aufbaustudium bei Erhard Wetz an. Berufsbegleitend bildet sie sich in vier Jahren bei Alex Schillings zur Leiterin von Blasorchestern weiter. Aktuell arbeitet sie seit 2001 an der Jugendmusikschule Bretten, lehrt und spielt Posaune in verschiedenen Ensembles in der Region, zum Beispiel beim Heilbronner Symphonieorchester oder in der Kammerphilharmonie. Außerdem leitet sie das Karlsruher Kammerjugendorchester.

Bader folgt auf Stadtmusikdirektor Horst Bartmann, der das große Orchester des Musikvereins Oßweil/Stadtkapelle Ludwigsburg 19 Jahre lang leitete und formte. Mit 66 geht der Ehrendirigent nun in Ruhestand. Persönlich konnte er den Taktstock aus gesundheitlichen Gründen nicht übergeben. Das übernahm sein Vize Alexander Schell.

„Wir freuen uns, dass wir Susanne Bader für uns gewinnen konnten“, so Appel. Die Erwartungen sind hoch. Auf der einen Seite will man das sehr hohe Niveau des Orchesters mindestens halten, auf der anderen Seite sollen die Musiker Spaß haben und gute Laune versprühen. „Das soll sich auf das Publikum übertragen.“ Egal ob symphonisches Werk oder böhmisch-mährische Musik, Swing oder Rock, „wir streben in allen Sparten höchste Qualität an“, betont Appel.

Bader fühlt sich und das Orchester breit aufgestellt. Sie will die erfolgreichen Wege weiter beschreiten, aber auch neue Weichen stellen. „Ich will modern unterhalten.“ Premiere hatte sie mit dem Schlussstück zum Frühschoppenkonzert mit „Textilaku“, dem Marsch der Textilarbeiter von Karol Pádivý.

Und neben Bartmann noch ein Abschied: Dem scheidenden Oberbürgermeister Werner Spec wurde die goldene Nadel mit Brillant sowie die Ehrenmitgliedschaft angetragen. „Für 16 Jahre beste Zusammenarbeit.“

Seit 71 Jahren wird das viertägige Fest des MV Oßweil gefeiert. „Das gehört zum Dorf“, meinen die Bewohner. Sie nagen am Schlegel des Göckele, beißen herzhaft ins Fleischbrot und freuen sich an abwechslungsreicher Live-Musik und dem Wiedersehen mit alten Bekannten. Die Stadtkapelle aus Metzingen war da, Friendly Elf sowie die Tiroler Topband Vierablech.

Am heutigen Montag ab 18 Uhr klingt das Fest mit der großen Show des MVO aus. Appel verspricht: „Tanz, Gesang und mehr.“

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