Logo

Bau verzögert sich
Stadt Ludwigsburg kann den Termin nicht halten: Der Start zum neuen Schuljahr ist geplatzt

Die Stadt kann den Termin nicht einhalten, die Schule wird nicht fertig. Inzwischen werden im Umfeld die Schulwege hergerichtet. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Stadt kann den Termin nicht einhalten, die Schule wird nicht fertig. Inzwischen werden im Umfeld die Schulwege hergerichtet. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Mit Hochdruck werden derzeit die Gehwege hergestellt, es wird asphaltiert, Bordsteine werden angelegt. Doch es hilft alles nichts: Auch bei der Schule selbst fehlen Bauteile. Jetzt teilt die Stadtverwaltung mit: Der Neubau wird nicht wie geplant zum neuen Schuljahr fertig.

Bauverzögerung wegen Materialmangels. „Wir bedauern dies sehr“, so Oberbürgermeister Matthias Knecht zu der Bauverzögerung. Ursprünglich war die Eröffnung zum Schuljahresbeginn am 12. September vorgesehen, das kann nicht eingehalten werden. Nun wird der Umzug voraussichtlich nach den Herbstferien stattfinden, teilt die Stadt mit. Knecht: „Grund für die Verzögerung sind massive Lieferengpässe, da verschiedene Baumaterialien und -teile nicht verfügbar sind.“ Aufgrund fehlender Bauteile können zum Beispiel die Tafel-Beamer-Systeme nicht montiert werden. Außerdem fehlen brandschutzrelevante Teile. Eine baurechtliche Abnahme des neuen Schulgebäudes sei deshalb ausgeschlossen. Auch bei Bauarbeiten im Außenbereich war der Terminplan eng gestrickt, die Stadt stand unter Druck.

„Die Beauftragung und Bestellung der notwendigen Bauteile erfolgte fristgerecht, zum Großteil bereits im Jahr 2020“, erklärt Mathias Weißer, Leiter des Fachbereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft. „Die momentane Marktlage führt allerdings dazu, dass Liefertermine nicht eingehalten werden können.“

Für die Schulen ein starker Einschnitt. Daniel Wittmann, Leiter des Fachbereichs Bildung und Familie, sagt: „Über die mögliche Terminverschiebung und ihre Auswirkungen hat die Stadtverwaltung die betroffenen Schulleitungen bereits informiert. Wir waren im engen Austausch, haben verschiedene Lösungsansätze geprüft und unterschiedliche Szenarien durchgespielt.“ Dennoch sei die Situation sehr unbefriedigend, weil derzeit Ferien seien und die Eltern daher schlecht zu erreichen.

Fuchshofschüler bleiben vorerst am Berliner Platz

Die Fuchshofschule bleibt nun vorerst in ihren aktuell genutzten Räumen am Berliner Platz. Dies hat auch Auswirkungen für die Justinus-Kerner-Schule: Sie wird die jetzigen Räume der Fuchshofschule am Berliner Platz erst nach deren Auszug beziehen, ein Teil der Schülerinnen und Schüler wird bis dahin in der Außenstelle in der Innenstadt bleiben.

Andrea Schwarz, Bürgermeisterin für Planen, Bauen, Liegenschaften: „Es tut mir leid für die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Lehrerschaft. Wir sind bislang gut durch die schwierige Baukonjunktur gekommen. Nun haben uns die Lieferengpässe auf der Zielgeraden erwischt. Uns bleibt deshalb nichts anderes übrig, als die Reißleine beim bislang geplanten Umzug zu ziehen.“

Statt im September in ihrer schönen, neuen Schule anzukommen, müssen die neuen Erstklässler nun erst wieder in der Justinus-Kerner-Gemeinschaftsschule untergebracht werden, bevor sie dann – hoffentlich dann nach den Herbstferien Anfang November – in der Fuchshofschule ihre Heimat finden. Auch die bisherigen Grundschüler ziehen damit erst später um, die Container können nicht abgebaut werden. Bisher sind es elf Klassen mit 243 Schülern in der Fuchshofschule, die noch an der Oststraße ihre Heimat haben. Zu rechnen ist im neuen Schuljahr mit einem neuen Jahrgang mit drei ersten Klassen, also insgesamt 14.

Probleme für die Justinus-Kerner-Gemeinschaftsschule

Größere Probleme bekommt die Justinus-Kerner-Gemeinschaftsschule neben der Tatsache, dass ihre Schülerinnen und Schüler weiter nicht an einem Platz vereint sind: Statt jetzt den dringend benötigten Platz an ihre Bedürfnisse anpassen zu können, muss sie noch mehr Grundschulklassen unterbringen.

Damit platzt der Gordische Knoten erst im November: Die dreizügige Gemeinschaftsschule hat nur einen Fachraum für Physik, Chemie und Biologie, benötigt aber getrennte Fachräume samt Vorbereitungs- und Sammlungsräumen. Die jetzige Ausstattung entspricht nicht einmal dem Bildungsplan, die Schule muss in andere Räume ausweichen. Eigentlich hätte es mit dem Auszug der Grundschüler und genügend Ausweichräumen vorangehen sollen, die Fertigstellung war für Ende 2023 geplant. Jetzt wird dies nicht mehr reichen. Ob das Mörike-Gymnasium, dessen Fachräume 2024 dran sein sollten, damit ebenfalls Opfer der Verschiebung wird, ist unklar.

Grundschulbezirke verändern sich

Die dreigeschossige Fuchshofschule steht im Zentrum der größten Veränderung der Grundschulbezirke seit Jahren, die angesichts voller Grundschulen nötig war: Sie ist auf 5,5 Züge, also insgesamt 22 Klassen, ausgerichtet, das sind bei einem Klassenteiler von 28 rechnerisch etwas über 600 Schülerinnen und Schüler. Neben modernen Räumen für Schüler und Lehrer wird die Schule über eine multifunktionale Mensa verfügen. Außerdem erhalten die Kinder einen teilweise überdachten Pausenhof. Die Schule ist in Holzbauweise nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip errichtet worden. Die Rohstoffe werden also so verarbeitet und eingesetzt, dass sie im natürlichen Kreislauf wiederverwertbar sind.

Einen einzigen, möglichen Vorteil hätte die Verzögerung: Die Mensa in der Fuchshofschule wäre zum Schulanfang nicht fertig gewesen, geplant war ein Lieferservice. Die könnte jetzt gleichzeitig mit der ganzen Schule Anfang November an den Start gehen.