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Weihnachtsbäume

Stadt nimmt Bürger in die Pflicht

O Tannenbaum: Corona machte es dieses Jahr dem CVJM unmöglich, Weihnachtsbäume einzusammeln. Das kam offensichtlich nicht bei allen an: An den Sammelplätzen wurden gleichwohl Tannenbäume abgelegt. Wer entsorgt diese nun? Der CVJM fühlt sich nicht zuständig, die Stadt bleibt hart: Sie fordert die Ludwigsburger auf, ihre Bäume wieder abzuholen und selbst auf den Häckselplatz zu bringen.

Sammelaktion abgesagt: Vom CVJM war am vergangenen Samstag auch auf dem Berliner Platz nichts zu sehen, was die Besitzer dieser Weihnachtsbäume jedoch nicht daran hinderte, ihre ausgedienten Nadelbäume dort abzulagern. Da liegen sie nun.Foto: Andreas
Sammelaktion abgesagt: Vom CVJM war am vergangenen Samstag auch auf dem Berliner Platz nichts zu sehen, was die Besitzer dieser Weihnachtsbäume jedoch nicht daran hinderte, ihre ausgedienten Nadelbäume dort abzulagern. Da liegen sie nun. Foto: Andreas Becker

„Daher möchten wir Sie freundlich bitten, Ihre Weihnachtsbäume an einem der Häckselplätze zu entsorgen.“ Diese Ansage des CVJM in unserer Zeitung und auf ihrer Homepage traf bei manchem Ludwigsburger auf taube Ohren. Auch der Aufruf der Stadt, die Bäume auf dem Häckselplatz oder in der eigenen Biotonne zu entsorgen, fruchtete bei manchen nicht: An den üblichen Sammelplätzen in der Innenstadt, den Bezirken und Stadtteilen wurden dennoch viele ausgediente Weihnachtsbäume abgelegt. Rund 20 Sammelplätze gibt es, hinzu kamen ohne Corona Extra-Fahrten des CVJM in einigen Bezirken. Auch in Straßen wie der Jägerhofallee, wo es eigentlich keine Sammelstelle gibt, wurden Bäume abgelegt.

Stadt will Bäume nicht entfernen

Die Stadt erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie sich nicht zuständig fühle. „An dieser Vorgehensweise hat sich vonseiten der Stadt Ludwigsburg nichts geändert.“ Garniert mit einem Dank an die „Bürgerinnen und Bürger, die ihren Weihnachtsbaum ordnungsgemäß in der Biotonne oder auf dem Häckselplatz entsorgen“ und damit der städtischen Bitte folgten, bleibt sie in der Sache hart: „Diejenigen Ausnahmen, die ihren Baum am Straßenrand oder auf dem Grünstreifen entsorgen, wollen wir nicht dadurch belohnen, dass die Bäume umgehend von der Stadtverwaltung abgeholt werden.“ Sie fordert „die Menschen, die ihren alten Baum dort abgelegt haben, auf, ihn entweder auf dem Häckselplatz oder in der Biotonne zu entsorgen“.

Der CVJM hatte seine Christbaum-Sammelaktion wie berichtet abgesagt, nachdem die Stadt Coronas wegen strenge Auflagen gemacht hatte. „Wir hätten dann nur einen Fahrer und einen zum Aufladen gehabt, das ist nicht machbar“, sagt Stefan Richter, Jugendreferent beim CVJM. In normalen Jahren sind es über 4000 Bäume samt Spenden, die der CVJM bei seiner Sammelaktion schultert, gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen. So gesehen sind die jetzt deponierten Bäume nur ein geringer Anteil. Absehbar sei dieses illegale Ablagern wohl schon gewesen, sagt Richter, „aber im Vorfeld hat es keine Absprachen gegeben“. Eins sei aber klar: „Wir sind dafür nicht zuständig.“

Die Stadt offensichtlich auch nicht, die nicht nur bittet, sondern angesichts der illegalen Ablagerungen den mahnenden Zeigefinger hebt: „Wir weisen darauf hin, dass es sich hierbei um eine Ordnungswidrigkeit handelt.“ Ob die Ludwigsburger nun reumütig zu ihren Bäumen zurückkehren und diese fachgerecht entsorgen, sei dahingestellt, ist aber wenig wahrscheinlich. Adressen kleben keine dran, und irgendwie sieht so ein vom Lametta befreiter Nadelbaum ja doch aus wie der andere.

Andere Kommunen wie Marbach, Bietigheim-Bissingen oder Korntal-Münchingen hatten die Entsorgung der Bäume in Coronazeiten anders gelöst und über ihre Bauhöfe extra Sammelplätze einrichten lassen. Ludwigsburg hatte darauf verzichtet. Auf erneute Nachfrage, was nun mit den Baumbergen geschehen soll, hüllt sich die Pressesprecherin in beredtes Schweigen. Es könnte also durchaus sein, dass Ludwigsburgs Bauhof irgendwann im wörtlichen Sinne zum Tragen kommt. Nur so viel gibt es derzeit: „Wir hoffen auf Verständnis für die coronabedingte Vorgehensweise und darauf, dass im nächsten Jahr die Christbaumsammelaktion wieder wie gewohnt stattfinden kann.“

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