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Stadt will Alleingänge unmöglich machen

Eineinhalb Jahre ist es her, da musste ein Mitarbeiter den städtischen Eigenbetrieb Tourismus & Events verlassen, weil er bei der Vergabe von Weihnachtsmarktständen eigenmächtig gehandelt haben soll. Jetzt gelten neue Regeln, um Objektivität und Transparenz zu sichern.

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Absoluter Publikumsmagnet und gleichzeitig hart umkämpftes Terrain: der Barock-Weihnachtsmarkt.Archivfoto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg. Formal begründet die Stadt die Einführung neuer Regeln mit juristischen Gründen. Die bisherige Formulierung der Vergabekriterien, dass Stände auf dem Weihnachtsmarkt „attraktiv, bekannt und bewährt“ sein müssten, hätte keinen Bestand in juristischen Gremien – auch mit Blick auf die neueste Rechtssprechung, die jedoch nicht näher erläutert wird.

Im Blick indes hatten Stadt und Stadträte – die für die neuen Kriterien nichtöffentlich im Betriebsausschuss Tourismus & Events und nun einstimmig im Gemeinderat votierten – aber vor allem eins: mit dieser Kontrolle zu vermeiden, dass es vom Urteil eines Einzelnen abhängt, wie und an wen die begehrten Stände vergeben werden.

Denn vor eineinhalb Jahren, schon während des Weihnachtsmarkts 2015, war, wie berichtet, ein Mitarbeiter von Tourismus & Events freigestellt worden, der für die Märkte wie Wochenmarkt und eben den Weihnachtsmarkt zuständig war. Zu eigenmächtig habe er gehandelt, hieß es, auch von der Bevorteilung einzelner Standbesitzer war die Rede.

Die Reaktion der Stadt: Die Unregelmäßigkeiten bei der Organisation wurden untersucht und der Mitarbeiter abgezogen. Laut Pressesprecher der Stadt hat man „bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine gütliche Einigung erzielt“. Die Abteilungsleiterstelle Veranstaltungen und Märkte wurde im Juni 2016 neu besetzt. Bereits im März 2016 wurde Robert Nitzsche, Personalchef im Rathaus, dem damaligen Geschäftsführer von Tourismus & Events Holger Schumacher zur Seite gestellt – ein Vorgriff auf dessen Weggang im Herbst 2016.

Am 1. Juli tritt der neue Geschäftsführer Mario Kreh seinen Job an und Nitzsche wieder ab – das gilt gleichzeitig als Neuanfang für den Eigenbetrieb Tourismus & Events. Die Erleichterung über den Schlussstrich nach jahrelangem Hin und Her spiegelte sich in der Einstimmigkeit der Stadträte in Sachen neue Regeln wider: Mit Transparenz und Objektivität sollen Alleingänge vermieden werden und die laut Stadt zahlreichen Einsprüche von Bewerbern, die keine Zulassung erhalten hatten, endgültig der Vergangenheit angehören.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Verkaufsstände auf dem Barock-Weihnachtsmarkt hart umkämpft sind – kein Wunder, gehören diese vier Wochen für viele Händler und Gastronomen zu der besten Zeit des Jahres.

Statt „attraktiv, bekannt und bewährt“ einzuschätzen, gilt es nun, die bauliche Gestaltung, das Sortiment, die Dekoration und Beleuchtung, aber auch die Zuverlässigkeit oder Tradition zu bewerten. Angebotsgruppen mit Untergruppen (etwa Gastronomie mit Glühwein) werden gebildet, um ein Überangebot zu vermeiden. Und: Fällt die Bewertung zweier Bewerber gleich aus, entscheidet nicht Tourismus & Events, sondern das Los – wie auch die Bewertung nicht von einem Einzelnen abhängt, sondern von mindestens drei Personen (davon ein externer Fachmann) erstellt wird .

Von diesen internen Kontrollmechanismen, auf mehrere Schultern verteilt, verspricht sich die Stadt „Transparenz und einen gerechten Wettbewerb“. Sie werden ergänzt durch eine neue Preisliste. Die berücksichtigt etwa auch, ob Alkohol ausgeschenkt wird (teurer), Stehtische aufgestellt werden (Extra-Rechnung) oder Sitzflächen angeboten werden (vergünstigt, „da es die Attraktivität des Weihnachtsmarktes erhöht“).

Weil es Beschwerden über die Preise für Stände in Randlagen oder im Innenbereich gab, wird variiert. Es gilt nun eine Pauschalsumme, die auf dem Marktplatz um zehn Prozent angehoben wird, um Gerechtigkeit zu erreichen. Auch die Größe der Stände wurde festgezurrt, um Ausuferungen zu vermeiden.

Die Zielsetzung: das Flagschiff Ludwigsburgs im barocken Stil mit hochwertigen Händlern zu bestücken und es gleichzeitig familienfreundlich wie auch im Erscheinungsbild traditionell weihnachtlich zu gestalten. Dahinter steht zudem ein ganz klares Bekenntnis zu Transparenz und Gerechtigkeit statt Alleingängen von Einzelnen. Oder anders gesagt: einfach mehr Professionalität.