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Klima

Stadt will bis 2050 klimaneutral sein

Ludwigsburg ist auf einem gutem Weg, ohne weitere Anstrengungen wird aber das Ziel verfehlt – Neues Konzept wird ab nächster Woche beraten

Nach den Großprojekten, hier der Solarpark am Römerhügel, sind beim Klimaschutz jetzt verstärkt auch private Haushalte und das Gewerbe gefragt. Archivfoto: Andreas Becker
Nach den Großprojekten, hier der Solarpark am Römerhügel, sind beim Klimaschutz jetzt verstärkt auch private Haushalte und das Gewerbe gefragt. Foto: Andreas Becker
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Ludwigsburg. Städte rufen Klimanotstände aus, Ludwigsburg versucht es mit einem Klimabündnis, Fridays for Future geht fürs Klima seit Monaten auf die Straße – das Thema ist auch in der Kommunalpolitik nicht mehr wegzudenken. Ludwigsburg hat schon früh mit dem Holzheizkraftwerk und einer Geothermieanlage auf regenerative Energien gesetzt, doch das reicht noch nicht aus. Ohne weitere Anstrengungen wird das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, weit verfehlt.

„Die Stadt kann es aber nicht alleine richten“, stellt Bürgermeisterin Gabriele Nießen im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Jetzt ist jeder gefragt: Ohne die Bürger und ohne Änderungen beim Mobilitätsverhalten geht es nicht. Dies legt das neue, integrierte Klima- und Energiekonzept nahe, in dem das renommierte Institut für Energie- und Umweltforschung aus Heidelberg (ifeu) alle Ludwigsburger Maßnahmen analysiert hat.

Es ergänzt das Konzept, das bereits 2011 vorgelegt worden ist. Damals ging es um eine energiesparendere Straßenbeleuchtung, wo ein Anfang gemacht ist, oder um E-Mobilität. Dass die Treibhausgaswerte in den letzten dreißig Jahren nach unten gingen, so die neue Studie, liegt auch am rückläufigen Heizölverbrauch und Veränderungen bei den Strom- und Wärmelieferanten.

87 Maßnahmen werden im neuen Klimakonzept aufgelistet, die Wege aufzeigen, wie Ludwigsburg den Ausstoß von Treibhausgasen – vor allem Kohlendioxid (CO) – auf 1,2 Tonnen pro Kopf senken kann. Damit kann das Ziel, klimaneutral zu sein, „fast“ erreicht werden, heißt es zum Klimaschutz-Szenario. Das Umweltbundesamt nennt für die Klimaneutralität eine Tonne CO.

87 Maßnahmen als Arbeitsauftrag

Nächste Woche wird die Verwaltung das Gutachten mit den Stadträten beraten, spielen diese mit, könnte das Konzept Ende Januar als „informelle Planung“ beschlossen werden, so Nießen. Das heißt, dass alle aufgeführten Vorschläge relevant sind – der Gemeinderat aber im Einzelfall entscheidet. Die Stadt erhofft sich klare Signale im Jahr 2020.

„Wir müssen uns breit aufstellen, um das Ziel zu erreichen“, erläutern Steffen Weeber und Alexander Greschik von der städtischen Stabsstelle Klima, Energie und Europa die vielen Maßnahmen. Weitere Großprojekte wie das Holzheizkraftwerk oder aktuell der Solarpark am Römerhügel sind nicht aufgeführt. „Jetzt wird es kleinteiliger, es kommt stark darauf an, wozu die Bürger bereit sind“, so Greschik, der sich einiges vom Sanierungsmanagement verspricht. Klar ist, dass „wir nur mit entsprechendem Rückhalt aus der Gesellschaft die Ziele erreichen“, ergänzt Weeber. Bislang ist die Bereitschaft, den eigenen Lebensstil hinsichtlich Klima und Konsum zu ändern, bundesweit noch gering.

Ein Förderprogramm könnte das ändern, sind die Gutachter überzeugt. Sie schlagen dies für Photovoltaikanlagen vor, denkbar wäre dies auch für die Verwendung ökologischer Baustoffe oder auch nur für die Beratung. Was es genau ist, will die Stadt im nächsten Schritt ausarbeiten. Die Studie empfiehlt, schon ab diesem Jahr entsprechende Förderprogramme für den Einsatz erneuerbarer Energien aufzulegen. Vorgeschlagen wird auch ein kommunaler Klimaschutzfonds, über den Projekte vor Ort finanziell unterstützt werden können.

Hohe Energiestandards soll es bei Neubaugebieten geben, so ein weiterer Vorschlag der Studie. Schon bisher hat die Stadt darauf Einfluss genommen, inzwischen soll der KfW-Standard 55 plus angepeilt werden. Ziel wäre ein klimaneutrales Wohngebiet – was beispielsweise für das künftige Gebiet Fuchshof angestrebt werden könnte. Mit solchen Standards, so das Institut, könnte schon in diesem Jahr begonnen werden. Weitere Ideen sind eine kostenlose Energieberatung, die Förderung neuer Wohnformen wie Gemeinschaftswohnen oder Mehrgenerationenwohnen oder die Ausweitung von Sharing-Angeboten: Carsharing, Bike-Sharing-Stationen und Tauschbörsen.

Verteuern die hohen Energiestandards das Wohnen? „Es wird stets die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt“, so die beiden Vertreter der Stabstelle Klima und Energie. „Bei unseren Beratungen sind viele überrascht, dass sich Photovoltaik rechnet“, so Greschik.

Ein wichtiger Ansatzpunkt in dem Klimakonzept ist auch der Verkehr, der hohe Anteile am entstehenden Treibhausgas hat. Genannt wird Bekanntes: der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, der Ausbau des Nahverkehrs, Kombitickets für Bus und Rad, die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Markgröningen, neue Busspuren und die Stadtbahn, mit der die Studie ab dem Jahr 2030 rechnet.

Gefragt sind auch Industrie und Gewerbe, dort stehen nachhaltige Gewerbegebiete an erster Stelle der Maßnahmen. So könnte das Gebiet Waldäcker.III (frühere Kleingartenanlage Frommannkaserne) mit innovativen Energiekonzepten bespielt werden, als Stichworte nennt die Studie die Nutzung von Fernwärme, Photovoltaik und Dachbegrünung, aber auch eine Verringerung der Parkplätze. Ergänzend dazu kann es eine firmenbezogene Mobilitätsberatung geben.

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