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Buchhandlung

Stadtgeschichte zu verschenken

Beim Aufräumen seiner Buchhandlung ist Hermann Aigner auf Dutzende alte Druckplatten gestoßen. Mit ihnen wurden früher Bücher oder Postkarten illustriert. Zum Wegschmeißen sind ihm die Teile viel zu schade. Daher sucht er Kreative, die mit den Platten etwas anfangen können.

Hermann Aigner vor leer geräumten Regalen in seiner Buchhandlung. Vor ihm die Druckplatten und ein Bilderrahmen mit alten Postkarten, die die Hofbuchhandlung Aigner im eigenen Verlag herausgebracht hat.
Hermann Aigner vor leer geräumten Regalen in seiner Buchhandlung. Vor ihm die Druckplatten und ein Bilderrahmen mit alten Postkarten, die die Hofbuchhandlung Aigner im eigenen Verlag herausgebracht hat.
Dutzende solcher Druckplatten hat Hermann Aigner in einer Kiste in seiner Buchhandlung gefunden. Auch die Illustrationen und Fotos aus Oscar Parets: „Ludwigsburg und das Land um den Asperg“ von 1934 sind dabei.Fotos: Holm Wolschendorf
Dutzende solcher Druckplatten hat Hermann Aigner in einer Kiste in seiner Buchhandlung gefunden. Auch die Illustrationen und Fotos aus Oscar Parets: „Ludwigsburg und das Land um den Asperg“ von 1934 sind dabei. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Platten zeigen Ansichten des Schlosses, die Torhäuser oder einen Blick auf Ortschaften im Kreis. Andere wurden vor über 100 Jahren für illustre Postkarten aus Ludwigsburg verwendet. Sie bilden farbenfroh das höfische Leben, die Venezianische Messe oder prachtvoll uniformierte Soldaten ab.

Es ist ein kleiner Schatz, auf den Hermann Aigner beim Ausräumen seines Buchladens an der Arsenalstraße gestoßen ist. Nach über 200 Jahren musste der 87-Jährige Ende Januar das Traditionsgeschäft schließen. Auch das Gebäude wurde verkauft. Daher muss Aigner nun ausräumen.

Die jüngsten Druckplatten sind über 85 Jahre alt und stammen aus den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Und dort vor allem aus einem Werk – nämlich Oscar Parets berühmtem Heimatbuch: „Ludwigsburg und das Land um den Asperg.“ Diesen Band hat die Hofbuchhandlung Aigner 1934 im Eigenverlag herausgebracht. „Das Buch stand früher in fast jedem Ludwigsburger Haushalt“, sagt Hermann Aigner.

Ein honoriges Werk über den Kreis

Der berühmte Ludwigsburger Archäologe Paret, der damals für die Staatliche Altertümersammlung in Stuttgart verantwortlich war, sammelte für diesen ersten umfassenden Blick auf den Bezirk Ludwigsburg eine ganze Reihe von damals bekannten Professoren und Wissenschaftlern um sich. So fehlte am Ende kein Aspekt. Von den Dörfern und Städten, über die Landschaft, Geografie und Geschichte, bis hin zum Volkstum und den großen Männern (das durfte in den 30er Jahren natürlich nicht fehlen), der Wirtschaft sowie Flora und Fauna wird in dem Buch alles thematisiert. Der gesamte Band wurde damals reich mit Illustrationen und Fotos bebildert. Und zumindest ein Teil, der damals dafür notwendigen Druckplatten, befindet sich in der von Aigner gefundenen Sammlung.

Spannend sind auch die Postkartenmotive, die noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammen. „Ludwigsburg war damals voller Soldaten. Das Postkartengeschäft war dementsprechend ein gutes Geschäft“, erzählt Aigner. Denn natürlich wollten all die Soldaten zu ihren Liebsten nach Hause schreiben. „Mein Großvater hat den Postkartenverlag gegründet.“

Hier sind die Motive dann auch etwas lieblicher als die streng wissenschaftlichen oder architektonischen Ansichten in Parets Vermessung der Landschaft um Ludwigsburg. Die Postkarten zeigen Rokokoszenen, bunt, prall und voller historischer Kostüme. Für die damals äußerst aufwändigen Mehrfachdrucke waren gleich mehrere Druckplatten nötig – für jede Farbe eine.

All diese Platten haben die Jahrzehnte unbeschadet in der Buchhandlung überdauert. Viele von ihnen sind noch fein säuberlich in Papier eingeschlagen. Vorne ist jeweils das Motiv der Platte abgebildet. Alles sieht so aus, als hätten die Drucker ihr Werk erst vor wenigen Tagen vollendet.

Jetzt werden Ideen gesucht

Im digitalen Zeitalter sind diese Platen natürlich längst überflüssig. „Trotzdem sind sie viel zu schade für den Müll“, findet Hermann Aigner. Schließlich ist jede einzelne der Platten auch ein Stück Stadt-, Technik- und Kunstgeschichte.

Hermann Aigner sucht daher Künstler oder Kreative, die mit diesen Druckplatten noch etwas anfangen können. Vielleicht hat jemand eine Idee, wie man die Teile heute noch verwenden könnte. Etwa für ein besonderes Kunstwerk? Oder historische Drucke? Oder eine Auseinandersetzung mit der Lokalgeschichte? Hermann Aigner ist jedenfalls bereit, seine Fundstücke zu verschenken.

Info: Interessenten können sich mit Ihrer Idee an christian.walf@lkz.de wenden. Wer den besten Vorschlag für die Weiterverwendung der Platten hat, bekommt sie von Hermann Aigner geschenkt.

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