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Bürgerverein

„Stadträte sind Marionetten der Verwaltung“

Den Oßweilern brennen einige Dinge unter den Nägeln. Über die haben sie sich nun beim Stammtisch des Oßweiler Bürgervereins ausgetauscht. Kritik ist an den Oßweiler Stadträten geübt worden: Sie würden sich zu wenig für die Belange im Stadtteil einsetzen.

Oßweil. Über vier Themen – darunter zwei Dauerbrenner –, ist nun beim Stammtisch des Oßweiler Bürgervereins diskutiert worden. Nach jeder Diskussion kommen die etwa 20 Teilnehmer zum gleichen Fazit: Die Bürger fühlen sich von den Stadträten aus Oßweil im Stich gelassen, insbesondere, wenn es darum geht, die Interessen der Oßweiler im Ludwigsburger Rathaus geltend zu machen. „Die Stadträte sind doch nur Marionetten der Stadtverwaltung“, meint ein Teilnehmer. Die „Vertreter sollten uns – wie es der Name schon sagt – vertreten, sollten für uns da sein“, so der Tenor der Versammlung und weiter: Die Oßweiler Stadträte sollten persönlich zum Stammtisch des Bürgervereins eingeladen werden. „Jeder Stadtrat erhält eine persönliche Einladung“, bekräftigen Heide Schulz und Philipp Rösner vom Bürgerverein, die den Stammtisch leiten. Auch der Ruf nach der Unterstützung der Interessen durch den Stadtteilausschuss ist laut geworden. Der, sind die Anwesenden eines besseren belehrt worden, habe lediglich eine „beratende, keine beschließende Funktion“.

Der geplante 25 Meter hohe Sendemast auf dem Grundstück der Telekom am Häusinger Weg 23 sorgt weiterhin für großen Unmut (unsere Zeitung berichtete mehrfach). „Wir lassen uns zu oft mit einfachen Antworten abspeisen. Wir sollten im größeren Rahmen darauf aufmerksam machen“, meint ein Stammtischteilnehmer. Wenn es sein müsse mit einer roten Fahne gen Ludwigsburg gehen oder „wir mobilisieren 300 Leute, die in gelben Westen vor dem Rathaus demonstrieren.“ Die Außenwirkung sei somit ungleich größer. Denn der Funkmast betreffe alle Oßweiler. Die Causa Sendemast liegt derzeit beim Regierungspräsidium in Stuttgart. Gibt es von dort grünes Licht, darf der Mast gebaut werden. „Wir haben der Telekom drei Alternativstandorte vorgeschlagen, die wurden alle abgelehnt“, ereifert sich ein Anwesender.

Anwohner ärgern sich über Raser

Auch habe der Landrat sich nie zum geplanten Sendemasten geäußert. Mitarbeiter des Landratsamtes hätten zwar Schreiben beantwortet, das sei aber „Mist“ gewesen. „Wenn ich lese, dass der Landrat so bürgernah sein soll, kann ich nur den Kopf schütteln“, meint ein Oßweiler. „Wir müssen noch mehr Zeit investieren, Fakten sammeln, durchaus auch aggressiv in der Sache auftreten, sonst passiert nichts.“

Dauerbrennerthema Nummer zwei ist die Neckargröninger Straße. Etwa 200 Meter vor dem Ortsausgang hört die Zone auf, in der maximal Tempo 30 gefahren werden soll. Da es „keine klassifizierte Kreisstraße ist“, erklärt ein Anwohner, könne die 30er-Zone nicht verlängert werden. An einer dortigen Bushaltestelle sei eine Kamera installiert gewesen. Sie habe gemessen, wie viele Fahrzeuge dort vorbeifahren. „Das Material wird seit rund eineinhalb Jahren ausgewertet“, bemerkt der Mann süffisant. Sobald das Tempo-50-Schild in Sichtweite ist, ergänzt eine Frau, „geben die Autofahrer Gas, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das macht so einen Lärm, dass wir im Sommer nicht auf unserer Terrasse sitzen geschweige denn nachts bei geöffnetem Fenster schlafen können.“

Ebenfalls mit Rasern haben es Anwohner der Hanseatenstraße zu tun. „Viele Autofahrer weichen kurzerhand auf dem Gehweg aus, wenn ihnen ein Fahrzeug entgegenkommt“, erzählt ein Betroffener. Sein Haus befindet sich – von der Neckarweihinger Straße her kommend – auf der linken Seite. Es gebe keinen Vorgarten, die Autos brausten einen halben Meter entfernt am Gebäude vorbei. „Das ist gefährlich, wenn wir aus dem Haus gehen.“ Der Gehweg ist zweieinhalb Meter breit, lade auch zum Parken ein, sagt der Hausbesitzer. „Die Leute unterhalten sich lauthals, schlagen ohne Rücksicht auf die Uhrzeit die Autotüren zu. Wir könnten meinen, die sitzen bei uns im Wohnzimmer.“ Obwohl die Hälfte des Gehwegs zu seinem Grundstück gehöre, dürften beispielsweise keine Blumenkübel aufgestellt werden. Warum? Die Stadtverwaltung habe dies einem Nachbarn, der dadurch Abhilfe schaffen wollte, verboten. Philipp Rösner meint, der Bürgerverein wolle der Sache nachgehen.

Nicht alles zubetonieren

Auch die Planung für ein neues Schul- Kultur- und Sportareal steht kurz zur Debatte. Die Variante, bei der die Mehrzweckhalle an der Fellbacher Straße neu gebaut werden soll, wirft Fragen auf. „Die Halle wird ja wohl nicht auf die grüne Wiese gebaut, so dass eine weitere Fläche zubetoniert werden müsste?“, fragt ein Teilnehmer. Warum die Halle nicht auf die bestehende Fläche oder auf den oberhalb liegenden Parkplatz gebaut werden könne? Zumal die Grundstücke für den Neubau noch nicht der Stadt gehörten. „Die Entscheidung fiel eben für Variante.1“, heißt es. Und was mit dem Areal an der Ecke Westfalen-/Flurstraße geschehe? Da gebe es wohl schon einen Investor, ist am Rande des Stammtischs des Bürgervereins zu vernehmen.

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