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Weststadt

Stadträte vermissen neue Alleenbäume

Für eine Million Euro will die Stadt die Osterholzallee im Abschnitt zwischen der Schlieffenstraße und der Gänsfußallee sanieren. Neben dringenden Kanalbauarbeiten soll die marode Fahrbahn erneuert werden. Doch mit den Plänen sind einige Stadträte nicht zufrieden. Sie vermissen neue Alleenbäume.

Die Osterholzallee in der Weststadt: Im Abschnitt zwischen der Schlieffenstraße und der Gänsfußallee stehen Kanalbauarbeiten (385 000 Euro) und Belagsarbeiten (615 000 Euro) an. Mit dem Wunsch nach neuen Alleebäumen konnten sich SPD, Grüne, Lubu und
Die Osterholzallee in der Weststadt: Im Abschnitt zwischen der Schlieffenstraße und der Gänsfußallee stehen Kanalbauarbeiten (385 000 Euro) und Belagsarbeiten (615 000 Euro) an. Mit dem Wunsch nach neuen Alleebäumen konnten sich SPD, Grüne, Lubu und Harald Lettrari im Bauausschuss nicht durchsetzen. Foto: Holm Wolschendorf

Die Osterholzallee ist eine der historischen Alleen in der Stadt. Bereits im 18. Jahrhundert entstanden außerhalb der Stadtgrenzen sogenannte Feldalleen, die als große Achsen Schlösser, Gartenanlagen oder Jagdreviere verbanden. Die Osterholzallee wurde als Verbindung von der Stadt ins Waldstück Osterholz angelegt. Doch nicht überall ist die Bezeichnung Allee heute noch zutreffend. Je weiter man sich dem Osterholz nähert, desto dünner wird der Baumbestand am Straßenrand. Im Abschnitt zwischen der Schlieffenstraße und der Gänsfußallee stehen nur noch auf einer Seite Bäume.

„Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Allee wiederherzustellen.“

Christine Knoß
Grünen-Stadträtin

Grünen-Stadträtin Dr. Christine Knoß hatte deshalb vor der Sitzung im Namen ihrer Fraktion sowie stellvertretend auch für SPD, FDP, Lubu und den parteilosen Stadtrat Harald Lettrari an Bürgermeister Michael Ilk appelliert, den Punkt von der Tagesordnung des Bauausschusses zu nehmen. „Wir erhalten hier zur Abstimmung einen Plan, der den derzeitigen Zustand, Alleenbäume nur auf einer Straßenseite, für die nächsten Jahrzehnte zementiert“, so die Kritik. Während auf der südlichen Seite wohl noch 13 Bäume stehen, ist auf der gegenüberliegenden Seite keiner mehr zu finden. „Bäume werden bei den Maßnahmen immer mitgedacht“, dies habe Ulrike Schmidtgen (Fachbereichsleiterin Tiefbau und Grünflächen) noch im November versprochen, als es bereits um ebendieses Straßensanierungsprojekt ging. Daran erinnerte sich Christine Knoß sehr gut. Und für alle, die dies vergessen hatten, verschickte sie im Vorfeld einen Auszug aus dem Sitzungsprotokoll. Doch sie musste feststellen: Bäume mitgedacht heißt nicht zugleich mitgepflanzt.

„An den Kanal müssen wir ran, daran führt kein Weg vorbei.“

Ulrike Schmidtgen
Leiterin Tiefbau und Grünflächen

Um die bestehende Situation zu verdeutlichen, verschickte Bürgermeister Ilk seinerseits vor der Sitzung den Querschnitt der Osterholzallee an die meuternden Stadträte. „Sie können deutlich erkennen, dass unter der baumfreien Gehwegseite Strom-, Glasfaser-, Telekommunikations- und Straßenbeleuchtungsleitungen liegen“, so Ilk. Im Boden sei also gar kein Platz für die Wurzeln der gewünschten Bäume – es sei denn, man verlege die Leitungen weiter in Richtung Straßenmitte. Das wäre im Sinne von Knoß. Doch selbst dann wären die Bedingungen laut Stadtverwaltung nicht optimal. „Die Gehwegbreite reicht ohnehin nicht für Bäume und daran vorbeilaufende Menschen aus“, schreibt Ilk. Der Wegfall der Linksabbiegespur könnte dies gegebenenfalls kompensieren, doch das müsste genauer untersucht werden.

„Sie können uns nicht erst Baumpflanzungen zusagen und dann sagen, es geht doch nicht“, ärgerte sich Margit Liepins. „Die Weststädter sind hochbelastet“, erinnerte Elga Burghardt (Lubu). „Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Allee wiederherzustellen“, erinnerte Knoß. „Es wäre unklug, heute zu entscheiden.“

Doch die Stadtverwaltung drückte aufs Tempo. Denn: Der Kanal unter der Straße stammt aus dem Jahr 1902. Nach 117 Jahren weist er eine Vielzahl von Schäden auf. Ilk will deswegen keine Zeit verlieren: „Wir sollten nicht riskieren, dass sich das Abwasser im Kanal bis in die Keller der Gebäude zurückstaut.“ Diesem Aufruf folgten CDU und Freie Wähler. „Es ist eine unsägliche Diskussion“, ärgerte sich Andreas Rothacker (Freie Wähler) über seine Ausschusskollegen.

Die Stimmung der Diskussion spiegelte sich im Abstimmungsergebnis wider. Denkbar knapp mit sieben Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und drei Enthaltungen bekam die Stadtverwaltung grünes Licht für die geplante Sanierung der Straße und des Kanals – ohne neue Alleenbäume.

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