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Gemeinderat

Stadträtin Elga Burkhardt muss nach 42 Jahren im Gemeinderat ihr Mandat abgeben

„Ich weiche vor Widerstand nicht zurück“, das hat Stadträtin Elga Burkhardt einst im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Jetzt ist es ihr gesundheitlicher Zustand, der nach 42 Jahren im Gemeinderat zu ihrem unfreiwilligen Ausscheiden führt.

Elga Burkhardt hat sich 42 Jahre lang im Ludwigsburger Gemeinderat engagiert, dabei fünf Oberbürgermeister erlebt. Jetzt zwingen ihr gesundheitlicher Zustand und der Umzug in ein Betreutes Wohnen sie zum Abschied aus dem Gemeinderat. .Archivfoto: Wol
Elga Burkhardt hat sich 42 Jahre lang im Ludwigsburger Gemeinderat engagiert, dabei fünf Oberbürgermeister erlebt. Jetzt zwingen ihr gesundheitlicher Zustand und der Umzug in ein Betreutes Wohnen sie zum Abschied aus dem Gemeinderat. .Archivfoto: Wol

Ludwigsburg. Wo ist Elga Burkhardt? Regelmäßige Beobachter des Gemeinderats haben sich diese Frage schon seit Monaten gestellt. Denn im Sitzungssaal hat man sie lange nicht gesehen. Zunächst war es ihr pflegebedürftiger Mann, der die ganze Aufmerksamkeit und Kraft der langjährigen Stadträtin forderte. Sein Tod im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Elga Burkhardt sehr zugesetzt, wie sie auch damals im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte. Einer Sitzung des Gemeinderats hatte sie zuletzt im Juli 2021 beigewohnt, auch bei den Haushaltsberatungen am Jahresende blieb ihr Stuhl im Gemeinderat leer. Ihr letzter öffentlicher Auftritt war im September bei einer Baumpflanzaktion, von ihr als BUND-Vorsitzende initiiert.

Nach Informationen unserer Zeitung sind es jetzt die Folgen einer schweren Erkrankung, die die Lubu-Stadträtin daran hindern, ihr Mandat auszuüben. Abgeben wollte oder konnte sie es nicht. Doch wie geht es in einem solchen Fall weiter? Die Gemeindeordnung sieht vor, dass der Oberbürgermeister ein erkranktes Mitglied des Gemeinderats für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten von der Teilnahmepflicht befreien kann. Das hat Oberbürgermeister Matthias Knecht getan. Doch auch nach Ablauf der drei Monate war an eine Rückkehr nicht zu denken. Danach entscheidet der Gemeinderat über die weitere Befreiung. Dies geschah in nichtöffentlicher Sitzung – zuletzt bis zum 31. März, so die Stadtverwaltung auf Nachfrage.

Beurlaubt durch den Oberbürgermeister

Der Respekt vor der ehrenamtlichen Leistung der gebürtigen Berlinerin ist im Rathaus groß. Auch wenn die 84-Jährige in ihrer Tätigkeit oft als unbequem galt, was sie selbst stets als Kompliment aufgefasst hat. Eloquent und mit Fleiß und Sachverstand hat sie ihre Aufgabe wahrgenommen und ist auch vor Gegenwind nicht eingeknickt.

Auch der Respekt ihrer Ratskolleginnen und -kollegen ist groß. Doch bei allem Respekt hatte man sich zuletzt auch im Gemeinderat die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Jetzt gibt es eine Antwort, die ebenfalls die Gemeindeordnung gibt: Elga Burkhardt, die zuletzt in Eglosheim lebte, ist laut Stadtverwaltung inzwischen in eine betreute Wohneinheit in der Nähe eines ihrer Söhne umgezogen. Da diese außerhalb der Stadt liegt, wurde sie Ende April aus Ludwigsburg abgemeldet – und scheidet damit automatisch aus dem Gemeinderat aus.

Einfach ziehen lassen will man sie im Rathaus aber nicht. „Wo und in welchem Rahmen eine würdige Verabschiedung von Elga Burkhardt für 42 Jahre im Ehrenamt als Stadträtin erfolgen kann, klären wir derzeit“, verrät Pressesprecher Peter Spear.

Umzug ins Betreute Wohnen

Doch wer folgt auf Elga Burkhardt? Erste Nachrückerin auf der Liste der Unabhängigen Bürgerinnen und Bürger (Lubu) ist Adelheid Kainz. Die 66-jährige Hoheneckerin ist von Burkhardts Ausscheiden nicht ganz überrascht, da sie um ihre gesundheitliche Situation wusste. „Schade, dass sie ihr Mandat nicht wie geplant bis 2024 ausüben kann“, sagt Adelheid Kainz im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 84-Jährige sei mit ihrem großen Fachwissen und ihrem energischen Kampf für die Sache immer ein „leuchtendes Vorbild“ gewesen. In der kommenden Woche will sich die potenzielle Nachrückerin mit den anderen „Lubuianern“ zusammensetzen, um zu schauen, wie es weitergeht.

Die Stadt hat sich in dieser Woche mit Adelheid Kainz in Verbindung gesetzt. Sie muss sich jetzt entscheiden, ob sie das Mandat annimmt oder einen wichtigen Grund geltend macht, um das Ehrenamt abzulehnen. Ende Juni ist das Nachrückverfahren im Gemeinderat auf der Tagesordnung. Dann soll alles in die Wege geleitet werden, damit auch der Platz von Elga Burkhardt bei den Entscheidungen im Gemeinderat wieder besetzt ist.

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