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Nahverkehr

Stadtticket in Ludwigsburg bleibt bei 3 Euro

Die gute Nachricht: Das Ludwigsburger Stadtticket, mit dem man den gesamten Tag im Stadtgebiet (Bus und Bahn) herumfahren kann, wird nicht teurer. Mit zehn zu einer Stimme bei einer Enthaltung haben die Stadträte im Mobilitätsausschuss gegen die Erhöhung gestimmt. Damit bleibt der Preis des Tickets für eine Person bei drei Euro, für bis zu fünf Personen bei sechs Euro. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) wurde davon komplett überrumpelt und sieht Probleme.

Alle, die gerne Bus fahren, dürfen sich freuen. Das Stadtticket wird nicht teurer. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Alle, die gerne Bus fahren, dürfen sich freuen. Das Stadtticket wird nicht teurer. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. .Eigentlich hatten die Stadt und der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) fest mit einer Erhöhung auf 3,20 Euro gerechnet. Die Stadt hat die prognostizierten Mehreinnahmen von 100000 Euro sogar schon für nächstes Jahr eingeplant. Doch bereits im Vorfeld der Sitzung hatten Grüne, SPD und FDP mit einem gemeinsamen Antrag klargemacht, dass sie gegen die Erhöhung sind. Zusätzlich unterstützen auch die Linken und Teile der CDU den Antrag.

Für die Stadt wird es teuer

Nun zur schlechten Nachricht: Mit dem Verzicht auf die Erhöhung verlässt Ludwigsburg mit seinem Stadtticket das Tarifsystem des VVS. Die Folgen für den städtischen Haushalt sind mehr oder weniger unkalkulierbar, da niemand weiß, wie viele Stadttickets nächstes Jahr gekauft werden. Klar ist: Umso billiger das Ticket im Vergleich zu den regulären Fahrkarten des VVS ist – und deren Preis steigt im April 2022 schon wieder an –, desto mehr Menschen nutzen das Ludwigsburger Stadtticket.

Und das bedeutet: Die Stadt muss das Ticket mit noch mehr Geld subventionieren. Ab April, nach der Preiserhöhung des VVS, wird die Stadt jedes Einzel-Stadtticket mit 2,11 Euro bezuschussen müssen. Jedes Gruppen-Stadtticket sogar mit 3,54 Euro. Je nachdem, wie sich die Coronakrise entwickelt und wie viele Personen sich am Ende fürs Busfahren und das Stadtticket entscheiden, wird der Zuschussbedarf für die Stadt 2022 dann wohl eine Million Euro oder sogar mehr betragen. Oder anders formuliert: Je erfolgreicher das Ticket, desto teurer wird es für die Stadt und damit letztlich für alle Steuerzahler.

Das alles lässt die Stadträte kalt. „Jeder Mensch im Bus entlastet unsere Straßen“, findet Christine Knoß (Grüne). Zudem sorge das Stadtticket für eine bessere Auslastung der Busse, weshalb die Stadträtin auch darum bat, mit dem VVS nachzuverhandeln, um die Subventionsbeträge zu verringern. „Das Ticket kommt so gut an, daher muss es uns das wert sein“, sagt Edith Klünder (CDU). Ihre Partei schließt sich mehrheitlich dem Antrag von Grünen, SPD und FDP an.

Nathanael Maier (SPD) freut sich über jeden Pendler, der sein Auto stehen lässt. Daher sei es der falsche Zeitpunkt, das Ticket zu erhöhen. Zudem koste der Autoverkehr die Stadt viel mehr, etwa über die Erhaltungskosten für die Straßen. Stefanie Knecht von der FDP meint: „Wer die Mobilitätswende ernst nimmt, darf das Ticket jetzt nicht teurer machen.“ Sie regte an, sich beim Land um Fördermittel zu bemühen.

Zweifel bei den Freien Wählern

Lediglich bei den Freien Wählern regen sich Zweifel, die „Preisanpassung“ einfach fallen zu lassen. Stadtrat Andreas Rothacker kritisiert seine Kollegen für den in seinen Augen fahrlässigen Umgang mit der angespannten Haushaltslage. „Wir machen hier ein auf dicke Hose, können es uns aber gar nicht leisten. Sein Ratskollege Jochen Zeltwanger macht sich Sorgen darüber, dass die Menschen zunehmend auf Kosten der Stadt Bus fahren.

Da hat der VVS noch ganz andere Probleme. Ludwigsburg war Vorreiter beim Stadtticket. Mittlerweile bieten es 50 Städte in der Region an. Denen hätte Dirk Dietz vom VVS gerne noch im Dezember das Signal gegeben, dass Ludwigsburg bei dem Vorschlag, auf 3,20 Euro zu gehen, mitmacht. Nun weiß er nicht, was er mit der Entscheidung aus Ludwigsburg anfangen soll. Sie wirbelt das komplette Tarifgefüge durcheinander. Und einen Plan B hat der VVS nicht.

Die Entscheidung hat auch direkte Auswirkungen auf die Haushaltsberatungen. Dem Haushalt, über den nächste Woche abgestimmt wird, muss jetzt eine zusätzliche Summe zur Subventionierung des Stadttickets zur Verfügung gestellt werden. Unklar ist bisher, wo das Geld herkommen soll.

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