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Verkehr

Steht das Pendlerticket vor dem Aus?

Bürgermeister Michael Ilk stellt das Pkw-Pendlerticket für die Oststadt infrage. Polizei und Landratsamt halten im Sinne ihrer Mitarbeiter daran fest. Die Stadträte üben sich in Zurückhaltung. Doch auch sie sagen mehrheitlich: So günstig wie jetzt, kann das Parken nicht bleiben.

Vormittags sind viele Straßen in der Oststadt – hier die Hindenburgstraße und die Alt-Württemberg-Allee – völlig zugeparkt.Fotos: Holm Wolschendorf
Vormittags sind viele Straßen in der Oststadt – hier die Hindenburgstraße und die Alt-Württemberg-Allee – völlig zugeparkt. Foto: Holm Wolschendorf
Vormittags sind viele Straßen in der Oststadt – hier die Hindenburgstraße und die Alt-Württemberg-Allee – völlig zugeparkt.Fotos: Holm Wolschendorf
Vormittags sind viele Straßen in der Oststadt – hier die Hindenburgstraße und die Alt-Württemberg-Allee – völlig zugeparkt. Foto: Holm Wolschendorf
Mit diesem Monatsticket darf man überall in den Straßen der Oststadt parken.
Mit diesem Monatsticket darf man überall in den Straßen der Oststadt parken.

Ludwigsburg. Als 2013 die Parkzone Ost an den Start ging, wurde Pendlern, die in der Oststadt parken, ein besonderes Angebot gemacht: das Pendlerticket. Für 25 Euro im Monat kann man damit sein Auto täglich in den Straßen der Oststadt parken. Bevor die Parkzone eingeführt wurde, hatten Unternehmen und Behörden ordentlich Druck bei der Verwaltung gemacht. Hunderte Mitarbeiter von Polizei, Landratsamt oder Krankenhaus seien auf das Auto angewiesen. Diesen wollte die Stadt mit dem Pendlerticket entgegenkommen.

Auch das Parken soll teurer werden

Jetzt steht das Pendlerticket wieder in der Diskussion. Das hat zweierlei Gründe. Zum einen arbeitet Ludwigsburg an der Verkehrswende. Fahrrad und Bus anstatt Auto – so lautet das Credo. Durch das Pendlerticket werden die Autofahrer aber von der Stadt gefördert. Normalerweise kostet ein Tagesticket in der Parkzone Ost 3,60 Euro. Bei 22 Arbeitstagen im Monat müssten die Autopendler also eigentlich fast 80 Euro bezahlen.

Der zweite Grund ist, dass in der West- und in der Südstadt ebenfalls Parkzonen eingerichtet werden. Ein Pendlerticket wie in der Oststadt kann sich Mobilitätsbürgermeister Michael Ilk hier aber nicht vorstellen. Gerade in der Weststadt, wo Tausende Menschen arbeiten, will man die Autopendler aus den Wohngebieten fernhalten. Und in der Südstadt, welche die Zentrale von Wüstenrot vor der Haustüre hat, wäre es für Mitarbeiter sogar billiger, das städtische Pendlerticket zu kaufen, anstatt sich über Wüstenrot einen Parkplatz zu mieten.

Der Stadtverwaltung ist wichtig, dass in den drei Parkzonen gleiche Verhältnisse herrschen. Und wenn es in der Süd- und in der Weststadt kein Pendlerticket gibt, dann steht das in der Oststadt zumindest infrage.

„Über das Monatsticket muss auf jeden Fall diskutiert werden“, sagt Michael Ilk. „Meine Haltung ist die, dass man es ganz abschaffen könnte.“ Die Verkehrswende könne nur gelingen, wenn die Menschen die ÖPNV-Angebote auch nutzen, sagt Ilk. Bisher sei das Pendlerticket billiger als eine Monatskarte für den Bus. Auch über die Parkgebühren möchte Ilk bei den Haushaltsberatungen reden. „Wir müssen die Parkgebühren in den Straßen an denen in den Parkhäusern orientieren.“ Nur so könne man verhindern, dass Pendler oder Besucher die Wohnstraßen zuparken.

Bei den betroffenen Behörden stoßen diese Überlegungen auf wenig Gegenliebe. „Die jetzige Regelung ist das Ergebnis einer langen Diskussion. Die Behörden in der Oststadt haben mit der Stadt eine Lösung und einen Kompromiss gefunden, der auch für die Mitarbeiter tragbar ist. Wir gehen davon aus, dass es keine Änderungen geben wird“, schreibt der Pressesprecher des Landratsamts. Und bei der Polizei heißt es: „Das Polizeipräsidium legt Wert darauf, dass insbesondere diejenigen Mitarbeitenden, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten nicht oder nur schwer in der Lage sind, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, auch künftig bezahlbare Parkflächen vorfinden. Wir gehen daher davon aus, dass der gemeinsam erreichte Kompromiss weiterhin Bestand haben wird.“ Auch das Krankenhaus sei auf Parkplätze angewiesen. „Leider deckt der ÖPNV in den sehr frühen Morgenstunden noch nicht die Bedürfnisse unserer Belegschaft“, so ein Sprecher.

Eine Umfrage unter den Fraktionen ergibt ein recht einheitliches Bild. Direkt infrage stellt das Monatsticket keiner. Aber darüber reden wollen alle. „Wir werden jetzt schauen, was die Verwaltung vorschlägt. Vom Ansatz her ist der Vorstoß aber nachvollziehbar“, sagt Michael Vierling von den Grünen. Parken müsse auch etwas kosten. Klaus Herrmann (CDU) möchte keinen pauschalen Kampf gegen die Autofahrer führen, daher müsse jeder Schritt sehr gut überlegt werden. „Über eine Gebührenerhöhung kann man aber nachdenken.“

Behörden und Firmen in der Pflicht

Reinhardt Weiss von den Freien Wählern bemängelt, dass der Parkraum in der Stadt immer knapper wird. Über das Monatsticket könne man reden. Höhere Parkgebühren hätten aber immer zur Folge, dass der Parkdruck in den Außenbezirken weiter steigt. „Bei 25 Euro kann das Monatsticket nicht bleiben. Das ist sehr, sehr günstig“, sagt Margit Liepins (SPD). Es gebe Firmen, die ihren Mitarbeitern das Ticket kaufen. Für die sei das eine Kleinigkeit. Sollte dieses Angebot abgeschafft werden, müssten für die Berufstätigen aber andere Lösungen gefunden werden.

„Eine moderate Anhebung der Parkgebühren ist sinnvoll“, sagt Johann Heer von der FDP. Auch die Struktur der Parktickets müsse diskutiert werden. Das Monatsticket ganz abzuschaffen hält Heer aber für problematisch. Manche Berufstätige seien darauf angewiesen mit dem Auto zu kommen. Er sieht aber auch die Behörden und Firmen, die zu wenige Parkplätze zur Verfügung stellen, in der Pflicht. Die könnten ein teureres Monatsticket für ihre Mitarbeiter bezuschussen. Darüber hinaus müssten mehr Parkhäuser – auch von den Unternehmen – gebaut werden.

Eine detaillierte Zahl, wie viele Pendlertickets pro Monat verkauft werden, und wie sich der Verkauf seit 2013 entwickelt hat, gibt es nicht. Laut Verwaltung sollen es aber etwa 1000 Tickets pro Monat sein.

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