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Alt-Hoheneck

Stöbern und Kultur im malerischen Bücherdorf

Stöbern in einem idyllischen Bücherdorf mit Rathaus, Puppenbühne und einem Stall voller Tiere: Das war am Wochenende in der Kelter in Alt-Hoheneck möglich, wo Heiner Beuttler vom Antiquariat die Besucher die moderne digitale Welt einmal vergessen ließ.

Die Künstlerin Anna Matysik setzt kreative Akzente in der Kelter Alt-Hoheneck. Heiner Beuttler schätzt dies.Foto: Andreas Becker
Die Künstlerin Anna Matysik setzt kreative Akzente in der Kelter Alt-Hoheneck. Heiner Beuttler schätzt dies. Foto: Andreas Becker

Der Bummel durch das von der Künstlerin Anna Matysik gestaltete und jetzt erstmals dem Publikum vorgestellte Bücherdorf ersetzte am Wochenende den nun schon im zweiten Jahr pandemiebedingt ausgefallenen Büchermarkt, der schon seit vielen Jahren ein Publikumshit ist. Das Bücherdorf hat in jedem Fall das Zeug, neue kulturelle Akzente im Stadtteil zu setzen.

„Ich fühlte mich wie im Paradies, da wollte ich unbedingt leben.“

Anna Matysik
Künstlerin

Beuttler will die Kelter künftig stets in der warmen Jahreszeit öffnen, um in dieser Atmosphäre nicht nur zum Stöbern einzuladen, sondern an diesem besonderen Ort auch Lesungen oder kleine Konzerte anbieten zu können. Und das Dorf soll auch noch erweitert werden, so dass die Geisteswissenschaften ebenfalls bald einen Platz in heimeliger, geschützter Umgebung bekommen. Ob Taschenbuch oder hochwertiger Kunstband, bei Heiner Beuttler, der im November 75 Jahre alt wird, gibt es alles, zur Auswahl stehen rund 40 000 Bücher. Mit Anna Matysik hat er nun eine Nachfolgerin gefunden, die künftig sein Lebenswerk weiterführen wird.

Welch kreatives Potenzial in der aus Polen stammenden und mit ihrer Familie in Alt-Hoheneck lebenden 44-Jährigen steckt, zeigte nicht nur die Gestaltung des Bücherdorfes, an der auch ihre Kinder im Lockdown beteiligt waren, sondern auch das Kinderprogramm am Sonntag. Anna Matysik hat nämlich nicht nur die Geschichte vom bücherfressenden Drachen geschrieben, die auf der Puppenbühne für die kleinen Besucher aufgeführt wurde, sondern auch die Puppen zusammen mit ihrer Mutter selbst gefertigt. Einen weiteren Akzent setzte das Streichquartett Crisantemie zum Ausklang am Sonntag mit Mozart und Mendelssohn-Bartholdy.

Anna Matysik stammt aus Krakau und studierte in Lodz Trickfilm. Als krönender Abschluss sollte ein Auslandsjahr hinzukommen. Geplant war London, es wurde schließlich die Filmakademie in Ludwigsburg. „Die Stadt war mir bis dahin völlig unbekannt“ , erzählte sie. Doch sie merkte schnell, dass sie hier richtig war. Sie verliebte sich nicht nur in die Stadt, sondern auch in einen Ludwigsburger. Und als sie mal bei einem Ausflug Alt-Hoheneck mit seinen Gassen und der historischen Bausubstanz erkundete, war es um sie geschehen. „Ich fühlte mich wie im Paradies, da wollte ich unbedingt leben“, erzählte sie. Es klappte mit einer Wohnung und über Schafe, die sich an Anna Matysiks Gartenfrüchten gütlich taten, lernte sie schließlich deren Besitzer Heiner Beuttler kennen. Seither gehört sie zum Team des Antiquariats und sprüht vor Ideen, um das Kleinod zu dem eben auch die Kelter gehört, nach Corona zu neuem Leben zu erwecken. Das Wochenende bot da schon mal einen Vorgeschmack. Wenn es die Pandemie erlaubt, soll es im nächsten Jahr auch wieder einen Büchermarkt geben. „Der findet dann unter der Trägerschaft des Bürgervereins Hoheneck statt“, berichtete Beuttler.

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