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Mikrohofhaus

Street-Art verleiht B27 in Ludwigsburg einen neuen Look

Eine vielbefahrene Bundesstraße, 40000 bis 70000 Autos täglich, Lärm, Leute und Ludwigsburger Stadtflair und mittendrin ein Mann mit zahlreichen Spraydosen und einer Leinwand der etwas anderen Art.

Street-Art-Künstler Daniel Schuster in vollem Gange. Die erste Seite des Mikrohofhauses hat er bereits fast fertig, bis Freitag soll der Rest folgen.Fotos: Holm Wolschendorf
Street-Art-Künstler Daniel Schuster in vollem Gange. Die erste Seite des Mikrohofhauses hat er bereits fast fertig, bis Freitag soll der Rest folgen. Foto: Holm Wolschendorf
Daschu vor seinem Kunstwerk mitten auf der Sternkreuzung.
Daschu vor seinem Kunstwerk mitten auf der Sternkreuzung.
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Ludwigsburg. Der Mann ist Daniel Schuster, Künstlername „Daschu“. Seine Leinwand ist das Mikrohofhaus auf der Sternkreuzung der B27. Sein Publikum sind alle Tausende Autofahrer und Fußgänger, die an seiner Kunst vorbeikommen.

Den Auftrag hat er durch das Ludwigsburg Museum bekommen. Dr. Alke Hollwedel, Leiterin des Museums, erklärt, dass das Haus, welches 2018 von den Architekten „Atelier Kaiser Shen“ ins Leben gerufen wurde, einen neuen Anstrich benötigt hatte. Sie habe Daschu bereits bei einem seiner Projekte kennengelernt. Die Nähe zur Stadt Ludwigsburg durch sein hier absolviertes Studium war letztendlich ein mit ausschlaggebender Faktor dafür, dass er die Fassade des sieben Quadratmeter großen Gebäudes ansprühen dürfe.

Als die Anfrage der Stadt kam, hat Daschu keinen Moment gezögert. „Es ist ein sehr besonderes Objekt“, beschreibt er. Durch die Wände sei es nicht wie eine normale Leinwand, die Ecken würden seine Kunst hierbei dreidimensional aussehen lassen. Statt wie in Museen oder anderen Galerien üblich, bringe er nicht den Mensch zur Kunst, sondern die Kunst zum Menschen. Jeder, der vorbeikommt, würde sich automatisch mit seiner Kreation auseinandersetzen. Das ist, was es so speziell macht. Wer das Kunstwerk von der Ampel auf der Seite der Bärenwiese betrachtet sieht spielende Kinder auf den Wänden. ,,In meinen Bildern will ich die Vielfalt der Gesellschaft zeigen, das tut es hier auch“, schildert der gebürtige Biberacher. Was genau das Motiv aussagen soll, überlässt er dem Betrachter, er wolle einen Interpretationsspielraum lassen. Doch warum eigentlich genau dieses Motiv? Daschu stellt sich hier mit die Gegenfrage: „Was macht die Fläche aus?“ Eine vielbefahrene Straße, eine Ampelanlage mit unendlich vielen Fußgängern. Alles in allem eine Menge Menschen, die die Stadt beleben, deswegen hat er sich für dieses Motiv entschieden.

Die Arbeit ist natürlich nicht ganz einfach. Wind und Wetter machen ihm zu schaffen, über das Wochenende ist er erkrankt. Verständlich, wenn man jeden Tag Stunden lang bei Kälte und Nässe draußen steht. Bei Regen könne er nicht sprayen, die Farbe würde nicht an der Wand hängenbleiben, sondern verlaufen. Auch eisige Kälte in den Minusgraden würde der Farbe nicht gut bekommen. Aus der Ruhe bringen lässt er sich jedoch nicht. Fußgänger oder Autofahrer bleiben gerne mal stehen und bestaunen seine Kunst, er fokussiert sich trotzdem weiterhin voll auf sein Werk. Er erzählt, dass an den ersten Tagen auch ein paar Autofahrer an der Ampel neben ihm angehalten haben und sie so die ein oder andere Grünphase verschliefen.

Auch seine nächsten Projekte hat er bereits geplant. Ganz unterschiedliche Aktionen stehen auf der Agenda, dieses Mal bleibt er jedoch im eigenen Land und es verschlägt ihn nicht auf die Philippinen oder nach Südafrika, wo er auch schon sein Talent zur Schau stellen konnte. Fast wie eine nationale Tour reist er durch das Land, mal kleinere Bilder, mal größere Kunstwerke. Ein genaues Wunschziel wo er unbedingt einmal seine Kunst zum Ausdruck bringen will, habe er nicht. Es spiele keine große Rolle, wo er sprühen dürfe, er wolle nur so viel wie möglich tun und seine Kunst für so viele Menschen wie möglich sichtbar machen.

Noch diese Woche kann man den Street-Artist mitten in Ludwigsburg arbeiten sehen. Von der ersten Probelinie bis zur letzten Schattierung ist der gesamte Prozess live mitverfolgbar. Eine Seite des Hauses hat bereits den farblichen Touch erhalten, der Rest soll bis Freitag ebenfalls in vollem Glanz erstrahlen. Besonders lange wird das Projekt leider nicht zu sehen sein, Anfang des nächsten Jahres wird der Tunnel unterhalb der Sternkreuzung erneuert, im Zuge dessen wird das Mikrohofhaus abgebaut, wer die Darstellung also selbst bestaunen will, muss schnell sein.

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