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Tarifkonflikt

Streiks legen Betriebe lahm

24-Stunden-Ausstände in Bund, Land und Kreis – Arbeitgeber ziehen vor Gericht

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Metaller fordern in der aktuellen Auseinandersetzung, die Arbeitszeit befristet reduzieren zu können. Foto: Caroline Seidel/dpa

Ludwigsburg. Stuttgart. Kämpferische Arbeitnehmer, verärgerte Arbeitgeber: Bei etlichen Betrieben in Baden-Württemberg laufen die 24-stündigen Warnstreiks der IG Metall. Die Gewerkschaft sprach gestern von gesperrten Werkstoren und leeren Fabriken – und zeigte sich erfreut über einen „gelungenen Auftakt“. In 21 Betrieben, vorwiegend Maschinenbauern, habe gestern die Produktion gestanden.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hingegen reichte beim Arbeitsgericht Stuttgart Klage gegen die Warnstreiks ein. Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Lohnzuschlag für bestimmte Gruppen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, sei diskriminierend und deshalb rechtswidrig, hatte der Verband immer wieder betont. „Sollte das Gericht die Rechtswidrigkeit der Streiks feststellen, könnten auf die IG Metall Schadensersatzforderungen in erheblichem Umfang zukommen“, sagte Verbandschef Peer-Michael Dick. Bundesweit hatten auch andere regionale Arbeitgeberverbände gestern solche Klagen eingereicht.

Die IG Metall ficht das nicht an. Bei einer Kundgebung in Esslingen sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann: „Damit gießen die regionalen Verbände weiter Öl ins Feuer. Aber wir lassen uns durch juristische Nebelkerzen nicht abschrecken. Das zeigt die starke Beteiligung an den heutigen Warnstreiks ganz deutlich.“ Er schloss neuerliche Verhandlungen jedoch auch nicht aus: „Die IG Metall ist nach wie vor an konstruktiven Lösungen am Verhandlungstisch interessiert.“ Auch Bezirksleiter Roman Zitzelsberger verband die Warnstreiks mit einem Angebot zum Gespräch.

Bis gestern Mittag beteiligten sich im Südwesten laut IG Metall mehr als 14 500 Beschäftigte an den Warnstreiks, darunter rund 4000 Menschen bei ZF in Friedrichshafen und 3500 bei Heidelberger Druckmaschinen. Auch beim Kettensägen-Spezialisten Stihl in Waiblingen stand die Produktion seit dem frühen Morgen still. Personalvorstand Michael Prochaska kritisierte die Aktion als unangemessen. Er betonte, das Angebot, das die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen vorgelegt hätten, sei gut gewesen. Der 24-stündige Warnstreik bedeute für Stihl eine erhebliche Belastung. „Ein ganztägiger Produktionsstopp bringt nicht nur uns, sondern auch unseren Kunden Probleme. Wenn darunter unsere Zuverlässigkeit, unser guter Ruf leidet, beschädigen wir unser wichtigstes Kapital. Das Streikgebaren ist auch Gift für den Standort und alles andere als eine Werbung für die Mitgliedschaft im Flächentarif.“ Auch der baden-württembergische Ableger des Branchenverbands VDMA kritisierte die IG Metall. Mit den Tagesstreiks könnte die IG Metall „den Betriebsfrieden über einen Tarifabschluss hinaus beschädigen“, sagte Geschäftsführer Dietrich Birk. Bis morgen will die IG Metall im Land mehr als 70 und bundesweit an die 275 Betriebe für jeweils 24 Stunden bestreiken. Gestern habe bundesweit in mehr als 80 Betrieben mit rund 68 000 Beschäftigten die Produktion stillgestanden, berichtete der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt.

Auch Beschäftigte im Landkreis Ludwigsburg wollen sich heute an den 24-stündigen Warnstreiks beteiligen, beginnend jeweils um sechs Uhr: bei Valeo Wischer in Bietigheim-Bissingen, Mahle in Markgröningen und Elring-Klinger in Bietigheim-Bissingen. Beschäftigte von Bosch in Stuttgart-Feuerbach streiken seit gestern um 22 Uhr. Morgen, ebenfalls von sechs Uhr an, treten Mitarbeiter von Lear in Besigheim in einen 24-Stunden-Streik. Die IG-Metall-Mitglieder dieser vier Unternehmen hatten sich „mit überwältigender Mehrheit dafür entschieden, ihren Forderungen mit einem ganztägigen Warnstreik Ausdruck zu verleihen“, teilt die IG Metall Ludwigsburg in einer Pressemitteilung mit.