Logo

Studentenwohnheim

Streit um Parkplätze für Studenten

Das Studierendenwerk möchte an der Ecke Friedrichstraße/Königsallee ein großes Wohnheim bauen. Parkplätze sind aber nur wenige eingeplant, die Studenten sollen mit dem Fahrrad fahren. Die CDU fürchtet deshalb ein Parkchaos in der Umgebung, scheitert aber mit ihrem Vorstoß im Gemeinderat.

Auf dieser Fläche vor dem Wohnturm sollen die neuen Gebäude entstehen.Archivfoto: Oliver Bürkle
Auf dieser Fläche vor dem Wohnturm sollen die neuen Gebäude entstehen. Foto: Oliver Bürkle
Die rot umrandete Fläche zeigt das Areal des neuen Studentenwohnheims.Foto: Stadt Ludwigsburg
Die rot umrandete Fläche zeigt das Areal des neuen Studentenwohnheims. Foto: Stadt Ludwigsburg

Laut Stadt fehlen in Ludwigsburg mehr als 400 Zimmer für Studenten. Der Mangel an Wohnraum wird auch für Studenten immer eklatanter. Mittlerweile studieren fast 11.000 junge Menschen in der Stadt, Tendenz steigend.

Umso erfreuter war die Stadtverwaltung, als das Studierendenwerk Stuttgart im vergangenen Jahr Pläne für ein neues großes Wohnheim an der Ecke Friedrichstraße/Königsallee präsentierte. Dort steht bereits ein Wohnturm mit 70 Plätzen, auf den Grünflächen und dem Parkplatz davor (Foto) sollen in zwei Gebäudeflügeln weitere 230 Zimmer dazukommen.

Das Studierendenwerk hat die Pläne in den vergangenen Monaten nochmals überarbeitet und jetzt den Stadträten präsentiert. Dass Ludwigsburg diese Wohnheimplätze braucht, bezweifelt niemand. Allerdings gibt es zum Mobilitätskonzept des Gebäudekomplexes sehr unterschiedliche Meinungen. Für die 300 Studenten sollen nämlich nur 37 Parkplätze gebaut werden. So viele gibt es heute schon – allerdings für 70 Wohnheimplätze.

Statt auf Autos setzt das Studierendenwerk darauf, dass die Studenten Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Pläne für den Wohnkomplex sehen 200 Fahrradabstellplätze und zehn Stellplätze für Lastenräder vor. Außerdem sind eine Fahrradreparaturstation und vier Ladeplätze für Elektrofahrzeuge eingeplant. Und: Auf dem Grundstück sollen eine Carsharing-Station und eine Leihstation für Elektrolastenräder eingerichtet werden.

Trotzdem befürchtet die CDU durch das neue Wohnheim steigenden Parkdruck im Viertel. „Unstrittig ist, dass wir die Wohnheimplätze in Ludwigsburg brauchen. Auch die Fahrradstellplätze machen dort Sinn. Aber viele Studenten kommen auch mit dem Auto“, warnt der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. Um die Pädagogische Hochschule gebe es zum Beispiel einen sehr großen Parkdruck. Die CDU beantragte daher, dass mindestens 85 Parkplätze gebaut werden.

Gegenteilig ist die Meinung der Grünen. „Wer in Ludwigsburg ein Zimmer hat, der hat kein Auto“, meint Grünen-Stadträtin Christine Knoß. Sie lobte das Mobilitätskonzept des Wohnheims. Der Bau weiterer Tiefgaragenstellplätze würde das Projekt dagegen unwirtschaftlich machen.

Skepsis wiederum bei SPD und Freien Wählern. Dieter Juranek (SPD) bezeichnete die Pläne als „sehr massive und dichte Bebauung“. Die Stadt werde sich an dieser Ecke stark verändern, es entstehe eine Art „Studentensilo“, so der Architekt. Auch Juranek sieht die Gefahr von wachsendem Parkdruck und schlug vor, eine Vermietung an die Bedingung zu koppeln, ohne Auto nach Ludwigsburg zu kommen.

Für Andreas Rothacker (Freie Wähler) ist der Stellplatzschlüssel des Bauwerks viel zu niedrig. Er fragte sich, ob nicht ein Kompromiss bei den Parkplätzen möglich sei. Sollten nicht weitere Stellplätze gebaut werden, könnte die Stadt den Bewohnern Anwohnerparkausweise verweigern. So könne sichergestellt werden, dass die Studenten kein Auto dabeihaben. Die Studentenzimmer bräuchte Ludwigsburg aber auf jeden Fall.

Bürgermeisterin Gabriele Nießen warnte die Stadträte davor, das Studierendenwerk durch eine Änderung der Pläne abzuschrecken. Die Signale von dort seien eindeutig: Werden weitere Parkplätze gefordert, stände das Projekt auf der Kippe, da es zu teuer werde. Stadtplanerin Anne Mayer-Dukart verteidigte die Pläne des Studierendenwerks: „Noch nie haben wir von einem privaten Investor so ein hochwertiges Mobilitätskonzept erhalten.“

„Da machen wir nicht mit“, so Klaus Herrmann, der sich nicht unter Druck setzen lassen wollte. Ihren Antrag auf 85..Parkplätze bekam die CDU im Bauausschuss aber nicht durch. Fünf Stadträte stimmten dafür, fünf dagegen, drei enthielten sich. Die CDU zog daraus die Konsequenz, den Bebauungsplan für das Studentenwohnheim abzulehnen.

Bei der darauffolgenden Sitzung im Gemeinderat bezeichnete Herrmann 60 Pkw-Stellplätze als absolute Untergrenze. Doch auch dort blieb die CDU am Ende die einzige Fraktion, die aufgrund der fehlenden Parkplätze gegen den Bebauungsplan stimmte.

Autor: