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Interview

Tabea Alt hat Heim-WM im Visier

Aufgrund einer langwierigen Schulterverletzung fehlt Ludwigsburgs Vorzeigeturnerin Tabea Alt beim heutigen Mannschaftsfinale der Deutschen Turnliga. Unterkriegen lässt sich die 18-jährige Gesamtweltcup-Siegerin 2017 deshalb nicht.

Gibt sich kämpferisch: Die Ludwigsburger Turnerin Tabea Alt.Foto: Baumann
Gibt sich kämpferisch: Die Ludwigsburger Turnerin Tabea Alt. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Sportlich gesehen ist das Jahr 2018 für Tabea Alt nicht gut gelaufen. Das Turn-Ass konnte keinen einzigen Wettkampf bestreiten. 2019 soll sich das Blatt allerdings wenden: Es soll ihr Jahr werden – sportlich und auch privat.

Sie wurden Anfang November operiert. Grund dafür waren Ihre Schulterprobleme. Wie geht es Ihnen jetzt?

TABEA ALT: Mir geht es gut. Die Operation ist gut verlaufen. Ich habe es zuerst mit einer konservativen Behandlung probiert. Da das nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, war die OP die einzige Möglichkeit. Nun ist die Schulter repariert.

Wie kam es zu Ihrer Verletzung?

Die Verletzung ist nicht aufgrund eines Sturzes aufgetreten, sondern durch Übertraining. Das liegt an den hohen Belastungen. Das Jahr 2017 war bei mir eng getaktet. Das Ligafinale 2017 in Ludwigsburg war bisher meine letzte turnerische Aktivität.

Wie sieht Ihre Reha aus?

Momentan habe ich ein eingeschränktes Reha-Programm, weil meine Schulter sechs Wochen lang ruhig gestellt werden muss. Ab nächster Woche beginnt die Physio. Das ist für mich ein großer Fortschritt. Dann werde ich nach einem Trainingsplan arbeiten und die Schulter nach und nach belasten.

Sie sind in Ihrer Karriere bisher von größeren Verletzungen verschont geblieben. Wie sehr belastet Sie die aktuelle Situation?

Ich habe das erste Mal einen richtigen Ausfall. Ende 2014 habe ich mir den Ellenbogen gebrochen. Da musste ich drei Monate pausieren. Die Verletzung jetzt hat ein ganz anderes Ausmaß. Natürlich ist es schwer. Für den Körper an sich, aber auch mental. Aber ich sage mir, dass mein Körper die Zeit braucht. Ich nehme mir lieber etwas mehr Zeit, um dann mit einem gesunden Körper wieder anzugreifen.

Die WM in Doha haben Sie verpasst. Wie groß war die Enttäuschung?

Die Enttäuschung war natürlich groß. Zumal ich die EM gestrichen hatte, um bei der WM dabei zu sein. Es ist frustrierend, wenn man sieht, dass es doch nicht reicht.

Die Verletzung nimmt mehr Zeit in Anspruch, als gedacht. Wie gehen Sie damit um?

Man hat immer wieder Höhen und Tiefen. Es gibt Tage, da geht es einem auch mal schlechter, wenn man merkt, wie arg einem die Sportart oder das Auspowern fehlt. Aber ich bin allgemein sehr optimistisch. Die positiven Gedanken überwiegen und das gibt mir Kraft.

Jetzt steht erneut das Finale der Deutschen Turnliga in Ludwigsburg an. Sind Sie dennoch anwesend?

Ich werde auf jeden Fall vor Ort sein, mein Team unterstützen und den Mädels mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Im nächsten Jahr findet die Heim-WM in Stuttgart statt. Wie realistisch ist es, dass Sie dort starten können?

Die WM ist auf jeden Fall ein Ziel für mich. Das ist auch realisierbar. Dennoch steht der Heilungsprozess im Vordergrund. Natürlich kann ich nicht genau sagen, wie sich alles entwickelt. Aber die WM bleibt auf jeden Fall Ziel und Motivation.

Haben Sie nach einer so langen Verletzungspause Angst, die alte Topform nicht mehr zu erreichen?

Natürlich mache ich mir Gedanken. Auch, ob ich die Schulter wieder so hohen Belastungen aussetzen kann. Ich denke, da muss man eine individuelle Lösung finden und auch dementsprechend trainieren. Ich habe die Zeit genutzt, um mich zu entwickeln und auch einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Das hilft mir, meine Ziele schneller umzusetzen.

Wie sehen diese Ziele aus?

Priorität hat die Gesundheit. Solange mein Körper mitmacht, habe ich total Spaß am Turnen. Da sind keine Grenzen gesetzt. Zunächst steht im Jahr 2019 mein Abitur an. Das ist ein großer Schritt. Ich freue mich, wenn das geschafft ist. Dann sind die Heim-WM 2019 und Olympia 2020 in Tokio die Ziele, auf die ich hinarbeite.

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