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Franck-Areal
Tag der offenen Tür im Ludwigsburger Franck-Areal: Einblicke in die Start-up-Szene

Kunstwelt mit Elke Armbost, Tanja Gierich verkauft Second-Hand-Mode, und im Loftstudio gibt es das passende Fotoshooting.Fotos: Andreas Becker
Kunstwelt mit Elke Armbost, Tanja Gierich verkauft Second-Hand-Mode, und im Loftstudio gibt es das passende Fotoshooting.Fotos: Andreas Becker
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Werkstätten, Unternehmen und Ateliers im Franck-Areal öffnen ihre Türen: Am Sonntag gab es für die Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Start-up-Szene. Und die ist vielfältig und bunt.

Ludwigsburg. Mit dem Franck-Areal liegt seit der Schließung der ehemaligen Kaffeeersatz-Fabrik ein Grundstück von beachtlichen Ausmaßen in bester Innenstadtlage brach. Die Stadt Ludwigsburg will das frühere Industriegelände mit Zwischennutzungen beleben, im September 2021 gab es dort das Neuland-Festival. Zuletzt sind verschiedene Werkstätten, Unternehmen und Ateliers in die leerstehenden Räume eingezogen. Diese gewährten gestern bei einem Tag der offenen Tür Einblicke in die Start-up-Szene, die in der Barockstadt ansonsten eher ein Mauerblümchendasein fristet.

Despina Vradelis, die im März ihr Geschäft „My Finds“ eröffnete, hat die Veranstaltung federführend organisiert. Schon seit einem Jahr verkauft sie Möbel und Einrichtungs-Accessoires im „Vintage“-Stil im Internet, nun hat sie sich ein zweites Standbein in der analogen Welt geschaffen. Ihre Ware findet sie zumeist über Kleinanzeigen und auf Flohmärkten. „Handgemachte Keramik und manche Accessoires beziehe ich von Designern, Handwerkern oder Künstlern“, so Vradelis. „Dabei ist mir wichtig, dass es sich um regionale Produkte mit nachhaltigen Inhaltsstoffen handelt.“

Bunte Mischung an Mietern findet sich in dem Areal

In ihrem derzeit donnerstags und freitags geöffneten Ladengeschäft organisiert sie kleinere Veranstaltungen. Unter dem Motto „Meet the Maker“ etwa haben Kunden die Möglichkeit, die Zulieferer persönlich kennenzulernen. Vradelis organisiert auch Kunstausstellungen, im Juli zeigt sie Arbeiten der Stuttgarter Fotografin Tanja Duszynski.

Auch Tech-Start-ups, eine Tattookünstlerin, eine Schmuckdesignerin, Fotografen und Kostümbildnerinnen sind eingezogen und sorgen für eine vielfältige Mischung. „Die Mieter sind bunt zusammengewürfelt, wir kennen uns noch gar nicht richtig“, sagt Vradelis. „Aber alle sind sehr engagiert, es herrscht Aufbruchstimmung.“

Reminiszenz an vergangene Zeiten und den Geruch von Zichorie

Susanne Lübbe, die sich zum ersten Mal auf dem Franck-Areal umschaut, ist begeistert von der neuen Zwischennutzung - auch wenn sie gelegentlich den markanten Geruch der einstigen Zichorien-Produktion vermisse. „Den Caro-Kaffee habe ich auch immer sehr gerne getrunken“, erinnert sie sich an längst vergangene Zeiten.

Auch wenn sie das Aus der Kaffeeersatz-Fabrik bedauert, begrüßt Lübbe, dass in Ludwigsburg ein Standort für junge Start-up-Unternehmen entstanden ist. „Ich finde es toll, dass die leerstehenden Räume jetzt genutzt werden. Das hat schon was, die hohen Decken zum Beispiel gefallen mir gut.“

Innenhof: „So ein Ort hat in Ludwigsburg gefehlt“

Ebenfalls gelungen sei der „Pop-up“-Bereich im Innenhof. Dort werden noch bis Ende August - immer donnerstags, freitags und samstags zwischen 17 und 22 Uhr - Speisen und Getränke verkauft. DJs legen auf, Musiker stehen auf der Bühne, eine Tanzschule ist regelmäßig zu Gast. In dieser Woche findet eine Rollschuh-Disco statt, vom 21. bis 24. Juli ist ein Bierfestival geplant. „So ein Ort hat in Ludwigsburg gefehlt, gerade für junge Leute“, findet Lübbe. „Bisher hat sich vieles am Marktplatz geballt. Es ist besser, wenn sich alles ein bisschen verteilt und es mehr Anlaufstationen gibt. Ich komme auf jeden Fall wieder.“

Auch Doris Herwig besucht gemeinsam mit ihrem Mann zum ersten Mal das Franck-Areal. Die Umnutzung der Industriebrache habe sie an das Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach erinnert, das in einer ehemaligen Glasfabrik eingerichtet wurde. „So ein Theaterhaus könnte ich mir auf dem Franck-Areal auch gut vorstellen“, meint Herwig. „Aber wahrscheinlich würde das nicht funktionieren, weil Ludwigsburg zu nah an Stuttgart liegt. Außerdem gibt es ja schon das Forum am Schlosspark.“

Kreative Mieter mit spannenden Ideen

Die jetzt gefundene Zwischenlösung hat sie überzeugt. „Wir haben uns alles angeschaut, es gefällt uns richtig gut“, schildert Herwig ihre ersten Eindrücke. „Die Mieter waren wirklich kreativ. Total interessant, was die aus den leerstehenden Räumen alles gemacht haben.“