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Elektro-Festival
Tausende tanzen zu Technobeats

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Beim dritten „Electrique Baroque“ verwandelt sich der Schlosshof in eine Traumwelt aus Licht und harten Elektrorhythmen

Ludwigsburg. Da steht sie. Die Altmeisterin des deutschen Techno. Monika Kruse. Cool und lässig bedient die 47-Jährige auf der Bühne ihren DJ-Pult. Vor ihr tanzen Tausende im Schlosshof durch die Nacht. Auch beim dritten „Electrique Baroque“ ist es den Veranstaltern von der Ludwigsburger Agentur Sonar wieder gelungen, große Namen in die Stadt zu holen.

Gut 6000 Fans elektronischer Tanzmusik waren am Samstag auf das elfstündige Festival in den Schlosshof gekommen. Los ging es schon mittags um 12 Uhr. Der Platz zwischen den prächtigen Schlossbauten war dafür in eine riesige Tanzfläche verwandelt worden.

Auch wenn die Sonne nicht wirklich scheint, viele Besucher haben auch am späten Abend noch ihre Sonnenbrillen auf. Man sieht viele Tattoos, neben dem üblichen jungen Partyvolk sind auch einige ältere Gäste gekommen. Techno blickt mittlerweile auf eine 30 Jahre währende Tradition in Deutschland zurück. Die Stimmung ist ausgelassen. Über den Schlosshof schallen fette Bässe. Nicht nur auf der Tanzfläche vorne, auch im hinteren Bereich des Hofes lassen Besucher ihre Leiber im Rhythmus der Musik zucken.

Stand Ludwigsburg bisher nicht gerade im Ruf, eine Hochburg von elektronischer Musik zu sein, scheint sich das „Electrique Baroque“ in seinem dritten Jahr nun endgültig etabliert zu haben. Oder anders ausgedrückt: Der Techno ist in Ludwigsburg angekommen. Der Ruf des Festivals ist ausgezeichnet. Die Fans reisen sogar aus der Schweiz an. Für das Programm werden jedes Jahr neue internationale Größen gebucht. Dieses Mal waren das neben Monika Kruse unter anderem Extrawelt, Marcel Dettmann, Moonbootica oder Âme.

Nach dem Sonnenuntergang starten die Laserprojektionen an den Schlossfassaden. Spätestens jetzt verwandelt sich der Schlosshof in eine Traumlandschaft. Keine Frage: Das ist wirklich eine einmalige Kulisse für ein Elektrofestival. Auf der Bühne steht gerade Marcel Dettmann. Über der tanzenden Menge oszillieren die Lichtstrahlen. Die Schlossfassaden verwandeln sich im Lichterspiel von Sekunde zu Sekunde. Mal sind die Mauern pink, dann scheint es so, als fallen Steine herab. Und kurz darauf beginnen sogar die Fenster zu tanzen. „Projection Mapping“ nennt sich diese Lichterkunst, die mit Illusionen spielt.

Daneben sorgen auch einige als Fantasiewesen verkleidete Tänzerinnen für eine Science-Fiction-Atmosphäre. An der Seite der Bühne stehen zwei mannshohe mit Stoff bespannte Kisten. Auch darin scheinen Wesen aus einer anderen Welt zu tanzen. Es sieht so aus, als wären sie in einer Flüssigkeit gefangen. Die württembergischen Könige und Herzöge wären erstaunt, in welch fantastische Welten ihr Schloss getaucht werden kann. Das hätten sie selbst nicht besser hinbekommen.

Der Schlussakt ab 21 Uhr gehört dann Monika Kruse. Souverän lenkt und leitet sie die tanzende Menge. Kruse ist seit fast 30 Jahren im Geschäft. Sie hat damit beinahe die komplette Entwicklung des Techno in Deutschland seit den frühen 90er Jahren mitverfolgt und mitgestaltet. Es muss ein fabelhaftes Gefühl sein, so über Tausenden Tänzern zu stehen und deren Bewegungen über die Musik quasi zu dirigieren. Immer wieder hebt sie die Hand, lächelt ins Publikum und lässt kurz ihren Blick schweifen. Bei alledem bleibt sie aber ganz ruhig, zurückhaltend und entrückt.

Punkt 23 Uhr, nach elf Stunden Elektromusik, ist das Festival zu Ende. Und damit auch der Traum, in den sich das Schloss für das „Electrique Baroque“ gehüllt hat.