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Tierheime raten vom impulsiven Kauf ab

Der Kauf eines Tieres sollte auch in Zeiten der Coronakrise gut überlegt und vor allem durchdacht sein

Achtet auf die Vermittlung: Das Tierheim am Kugelberg. Foto: H. Wolschendorf
Achtet auf die Vermittlung: Das Tierheim am Kugelberg. Foto: H. Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Coronapandemie hat den Menschen bisher einiges abverlangt: Abstand halten und den Kontakt zu den Mitmenschen auf das Mindeste zu reduzieren, geht nicht an allen spurlos vorbei. Viele fühlen sich einsam. „Unsere Tiere fühlen mit uns, leisten uns Gesellschaft, lenken uns ab und spenden Trost“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund der Deutschen Presse-Agentur. Das führt auch zu einer höheren Nachfrage in einigen deutschen Tierheimen. Das Tierheim am Hohenecker Kugelberg in Ludwigsburg hat in diesen Zeiten die Vermittlung der Tiere besonders im Blick.

„Bei uns hat sich nicht viel verändert“, sagt Tierheimleiterin Ursula Gericke. „Es gibt keinen Boom, was die Tiervermittlungen angeht.“ Zwar hätten sich einige Leute gemeldet und Interesse an der Aufnahme eines Tieres gezeigt. „Das macht für uns aber nur Sinn, wenn die aufgenommenen Tiere dann nicht nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden“, so Gericke. „Deshalb haben wir auch einigen Interessenten abgesagt. Spontanabholungen lehnen wir ab.“ Eine kurzzeitige Unterbringung in einem neuen Zuhause sei für Hund, Katze oder auch Maus sehr aufwühlend. Ziel sei es laut dem Deutschen Tierschutzbund deshalb, die Tiere langfristig zu vermitteln. „Eine Rückkehr ins Tierheim nach nur kurzer Zeit wäre für das Tier purer Stress oder sogar traumatisierend“, so der Tierschutzbund.

Wer aktuell aufgrund von Kurzarbeit oder andere Umständen mehr Zeit zu Hause verbringe, der komme nicht automatisch auch als Tierhalter infrage. Momentan eigne sich die Zeit vielleicht gut, beispielsweise einen Hund an ein neues Zuhause zu gewöhnen. Aber „wir haben auch die Zeit nach Corona immer im Blick“, sagt Gericke.

Allerdings gebe es auch Leute, die ihr Leben aufgrund der Krise umgestellt haben. „Es gibt Arbeitnehmer, die schon jetzt wissen, dass sie auf Dauer aus dem Homeoffice heraus arbeiten werden und viel mehr Zeit zu Hause verbringen, als noch vor der Krise“, sagt Gericke. „Von diesen Menschen haben wir vermehrt Anfragen erhalten.“ Doch auch hier werde sorgfältig geprüft, ob sich die Interessenten gut um die Tiere sorgen können.

Dass viele Menschen in diesem Jahr vermutlich auf ihren Urlaub in weit entfernten Ländern verzichten, sei eine Chance für die Vermittlung der Tiere. „Die Menschen, die sich nicht ins Ausland trauen, machen vielleicht Urlaub in Deutschland“, sagt Gericke. Und da sei vielleicht Platz für einen Hund.

Die Coronakrise hat im Tierheim am Kugelberg aber auch zu neuen Überlegungen geführt. „Es gibt positive und negative Aspekte“, so die Tierheimleiterin. Dadurch, dass Interessenten sich telefonisch anmelden müssen, wenn sie ein Tier anschauen wollen, herrsche nicht mehr so viel Betrieb im Heim. „Die Tiere sind entspannter“, sagt Gericke. „Es macht wahrscheinlich Sinn, das auch nach der Krise so fortzuführen und den Durchgangsverkehr einzuschränken.“

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