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Kreisimpfzentrum

Totales Chaos bei der Terminvergabe für Impfungen

Schon seit Anfang des Jahres kommt es wie berichtet immer wieder zu Problemen bei der Buchung von Impfterminen. Gestern wurden die Termine für das Kreisimpfzentrum in Ludwigsburg freigeschaltet. Wir haben unsere Leser gefragt, wie die Terminsuche bei ihnen läuft. Sie berichten vor allem von Chaos.

Wer sich durch die Internetseite zur Terminvergabe durchklickt, erlebt meistens Frust: Termine sind nur wenige verfügbar. Foto: Ramona Theiss
Wer sich durch die Internetseite zur Terminvergabe durchklickt, erlebt meistens Frust: Termine sind nur wenige verfügbar. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Zwar melden sich ein paar Leser mit positiven Nachrichten: Die Terminvergabe habe geklappt, ein Termin für die Coronaimpfung stehe fest. Doch aus dem Großteil der Nachrichten an unsere Redaktion ist vor allem eines herauszulesen: Frust. Und davon ziemlich viel. Am frühen Morgen waren noch keine Termine für das Ludwigsburger Kreisimpfzentrum (KIZ) auszuwählen, etwas später hieß es, dass online keine Termine vereinbart werden können. Stattdessen solle die Nummer 116117 gewählt werden. Dort kam man jedoch nur schwer durch. Ein Leser berichtet am Telefon, er habe es zwischen 8 und 9 Uhr 32-mal versucht – ohne Erfolg. Am Vormittag funktioniert dann irgendwann die Terminvergabe über das Internet wieder. Allerdings nur theoretisch. Bei den meisten kommt die Meldung: keine Termine verfügbar.

„Der Impfstoff bleibt weiterhin ein knappes Gut“, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums auf LKZ-Anfrage mit. In den ersten beiden Wochen würden in jedem KIZ nur 585 Impfdosen pro Woche für eine Erstimpfung zur Verfügung stehen, die sich auf die Impfungen im Zentrum sowie auf Impfungen durch die mobilen Impfteams in den Pflegeheimen verteilen. Als einer der bevölkerungsreichsten Landkreise hat Ludwigsburg zwei KIZ – beide an einem Ort in der Weststadt – und bekommt die doppelte Menge an Impfstoff. Allein die Personengruppe der über 80-Jährigen und des medizinischen Personals, die derzeit impfberechtigt sind, addierten sich im Südwesten auf rund eine Million Menschen. „Und derzeit können wir täglich nur rund 7000 Menschen impfen“, sagte der Sprecher. Werde nicht mehr Impfstoff geliefert, dauere es fast fünf Monate, bis auch der letzte Anspruchsberechtigte einen Termin habe.

Ein Sprecher des Landratsamtes teilte mit, dass erst neue Termine ins System gestellt werden, wenn neuer Impfstoff geliefert wird. Wann dieser kommt, wisse man nicht. Impfberechtigten, die einen Termin wollen, bleibt also nichts anderes übrig, als es online oder über die Telefonnummer immer wieder zu versuchen.

Es sei eine Zumutung, dass sich die über 80-Jährigen selbst um einen Termin bemühen müssen, schreibt eine Leserin, die versucht, für ihre Mutter einen Termin auszumachen. „Es wird mit einer Selbstverständlichkeit davon ausgegangen, dass sich Angehörige, die selbst berufstätig sind, darum kümmern“, bemängelt sie.

Auch DRK kann keine Termine buchen

Beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, der anbot, über 80-Jährigen bei der Terminbuchung zu helfen, komme er seit drei Stunden nicht durch, berichtet ein Leser. „Die Aktion ist auf großen Bedarf in der Bevölkerung des Landkreises gestoßen, so erreichten uns am ersten Tag rund 2500 Anrufe“, so Steffen Schassberger, der die Aktion innerhalb des DRK verantwortet, in einer Pressemeldung. Es sei auch dem DRK zu Beginn der Terminvergabe für das Kreisimpfzentrum nicht möglich gewesen, Termine zu vereinbaren, da alle Termine innerhalb von wenigen Minuten ausgebucht waren. Das DRK habe auch keine andere Möglichkeit, Termine zu buchen, wie alle anderen. „Wegen des Terminmangels müssen wir leider die Annahme von Terminwünschen bis auf weiteres aussetzen“, teilt DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach mit. Sobald der Service wieder startet, würden die Senioren informiert. Der Kreisverband wolle dafür sorgen, dass die Senioren, die sich bereits beim DRK gemeldet haben, auch einen Termin erhalten, sobald wieder welche verfügbar sind.

Einige unserer Leser regen an, dass es doch um einiges einfacher gewesen wäre, wenn Senioren wie in anderen Bundesländern per Brief informiert worden wären. Andere schreiben, bei diesem Chaos sei es nicht verwunderlich, dass Baden-Württemberg derzeit bei der Impfquote an letzter Stelle stehe. Das liege aber daran, so der Ministeriumssprecher, dass Baden-Württemberg die Impfdosen für die Zweitimpfung konsequenter zurückhalte als andere Bundesländer. Das mache man, damit auch bei Lieferschwierigkeiten des Herstellers die Zweitimpfung garantiert werden könne. Andere Bundesländer müssten die nächste Charge für die zweite Impfung nutzen. In Baden-Württemberg könne man dann weiterhin die erste Impfung vornehmen.

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