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Tote Salamander waren wohl gesund

Salamandersterben in Neckarweihingen hört nicht auf – Feldweg jetzt ganztägig gesperrt

Einer der toten Feuersalamander, die Eberhard Scholz im Oktober an der Bergstirne entdeckt hat. Foto: Ulrike Leutgöb-Scholz/p
Einer der toten Feuersalamander, die Eberhard Scholz im Oktober an der Bergstirne entdeckt hat. Foto: Ulrike Leutgöb-Scholz/p

Normalerweise sind die Feuersalamander eher im Frühling und Sommer unterwegs. Doch bei feuchtwarmem Wetter sind die schwarz-gelben Tierchen auch im Herbst noch aktiv. Das ist einigen Salamandern in Neckarweihingen zum Verhängnis geworden. Eberhard Scholz, der in der Nähe des Feldweges wohnt, hat 13 tote Tiere gefunden, alle an einem Tag im Oktober.

Das ist nicht der erste Fund dieser Art. Bereits im Sommer sorgten mehrere tote Tiere an genau dieser Stelle für Entsetzen im Stadtteil, in Schwieberdingen wurden 30 tote Feuersalamander entdeckt. Kürzlich fand man sie auch im Bissinger Bruchwald (wir berichteten). Doch was ist die Todesursache? Das stellte Naturschützer als auch Stadt- und Kreisverwaltung vor Rätsel. Es war von mutwilligem Töten mit Stöcken die Rede, von Überfahren, aber auch von Krähen oder einem Pilz, der sogenannten Salamanderpest.

Nun könnte zumindest ein bisschen Licht ins Dunkel um das Salamandersterben kommen. Eberhard Scholz hat die Fotos der getöteten Tiere an das Zoologische Institut der Universität Braunschweig geschickt. Dieses untersucht gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz die Ausbreitung der sogenannten Salamanderpest, ausgelöst durch den Bsal-Pilz.

Von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin bekam Scholz die Antwort, dass es sich bei den Bildern „ganz offensichtlich nicht um eine Bsal-bedingte Todesursache“ handele. Man habe ihm gesagt, dass die Salamanderpest bisher noch nicht in Baden-Württemberg registriert sei, so der Neckarweihinger.

Während die Stadtverwaltung im Sommer noch die Vermutung in den Raum stellte, ob die Tiere wegen des Pilzes gestorben sind, heißt es nun aus der Stadtverwaltung: Die Tiere wurden überfahren. Deshalb hat die Stadt kürzlich einen Teil des Feldweges ganztägig gesperrt. Bisher war der Weg im Frühling und Frühsommer von 20 bis 6Uhr gesperrt. Die Sperrung werde zum Teil vorerst provisorisch eingerichtet, da noch nicht alle verkehrsrechtlichen Fragen gelöst sind, so eine Sprecherin. Mit den im Gebiet wirtschaftenden Weingärtnern sei die Sperrung abgestimmt.

„Es gibt keinen Grund, warum die Schranken überhaupt offen sein sollten“, sagt Eberhard Scholz. Der einzige Grund sei die Bequemlichkeit der Autofahrer, die den Weg als Abkürzung nach Poppenweiler nutzen. „Unglaublich, dass es nur aus Bequemlichkeit so ein Gemetzel gibt“, sagt er. Die Anrainer könnten seiner Meinung nach ihre Grundstücke auch erreichen, wenn ein Teil des Weges gesperrt ist. Die Sperrung sei ein minimaler Aufwand, um einen gesunden Bestand zu schützen.

Das Problem bestehe seit Jahren, sagt Roland Schmierer, der im Neckarweihinger Stadtteilausschuss sitzt. „So massiv wie jetzt war es aber noch nie.“ Deshalb haben er und seine Kollegen aus dem Stadtteilausschuss die Feuersalamander an der Bergstirne auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt. Diese wäre eigentlich in zwei Wochen gewesen. Doch coronabedingt wird die Sitzung vorerst nicht stattfinden.

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