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Stadtbahn

„Trödelei könnte uns Millionen kosten“

Ludwigsburg drängt darauf, dass die Fördermöglichkeiten jetzt ausgeschöpft werden – Zeit sollte nicht durch Kaufverhandlungen verzögert werden

Die Schienen liegen noch, ein erster Rückschnitt von Büschen und Sträuchern erfolgte vor kurzem. Archivfoto: Oliver Bürkle
Die Schienen liegen noch, ein erster Rückschnitt von Büschen und Sträuchern erfolgte vor kurzem. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Erst jüngst hat die Rathausspitze zur Stadtbahn Stellung bezogen und vor der großen Konkurrenz im ganzen Land gewarnt, die ebenfalls ansteht, um Fördergelder für ihre Bahnprojekte abzuschöpfen. Es gelte das Windhundprinzip, das Zeitfenster sei sehr begrenzt. Auf Nachfrage bekräftigt dies Bürgermeister Michael Ilk und warnt: „Eine Trödelei könnte uns viele Millionen Euro kosten.“

Er will keine neuen Gräben aufreißen, wie es sie in der Vergangenheit zwischen Stadt und Landkreis gab. Dennoch gibt es einen Kritikpunkt: Ilk, der auch im neu gegründeten Zweckverband sitzt, möchte nicht, dass mit langwierigen Kaufverhandlungen mit der Deutschen Bahn (DB) Zeit verloren wird. Damit lässt er Argumente der Freien Wähler im Kreistag wieder aufleben. Die Strecke Markgröningen–Ludwigsburg soll möglichst rasch reaktiviert werden. Dazu sei es nötig, jetzt den Finger zu heben, um die überaus günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für die Stadtbahn zu sichern. „Dafür wollen wir werben.“ Wenigstens sollten vom Landkreis die Möglichkeiten, ob die Strecke gekauft, gepachtet oder mit der Bahn betrieben wird, gegenübergestellt werden – und dann rasch gehandelt werden.

Bei der im Auftrag des Landes erfolgten Untersuchung der Bahnstrecken sei die Strecke Markgröningen–Ludwigsburg in die Kategorie 1 eingestuft worden. Landesweit schaffte sie es bei 42 angemeldeten Strecken auf Platz 6. „Das heißt, die Strecke ist hochrentabel“, so Ilk, sie könnte jetzt eine Förderung von 95,7 Prozent erhalten. „Für uns wäre das fast geschenkt“, sagte er. Bei Kosten für die Reaktivierung von 32 Millionen Euro blieben für den Landkreis sowie Ludwigsburg, Möglingen und Markgröningen nur 2,1 Millionen zu finanzieren.

Dass es rasch vorangeht, will auch Landrat Dietmar Allgaier, das sei sein zentrales Anliegen. Die Kreisverwaltung sei aber der Überzeugung, wie der Sprecher des Landkreises mitteilt, dass „eine Reaktivierung durch den Zweckverband schneller, günstiger und unkomplizierter erfolgen kann als durch die DB“. Um also den Zug schnell auf die Schiene zu setzen, sei es entscheidend, dass der Zweckverband die Reaktivierung der Strecke beeinflussen kann.

Für den Zweckverband, der im Juni zusammentritt, habe die Reaktivierung oberste Priorität, dies könne beim DB-Konzern, der deutschlandweit unterwegs sei, nicht in gleicher Weise gelten. Der Landrat setzt darauf, dass der neu gegründete Zweckverband die Sache besser vorantreiben kann. Wie Sprecher Andreas Fritz mitteilt, strebe der Kreis an, das weitere Vorgehen „mit der DB in den nächsten Wochen/Monaten“ zu entscheiden.

Die Reaktivierung der Strecke Markgröningen–Ludwigsburg ist nur ein Teil der Stadtbahn, die innerhalb der Stadt Ludwigsburg weitergeführt werden soll und eine Anbindung nach Remseck einschließt. Auch Schwieberdingen ist nicht mehr außen vor. Dieses Gesamtprojekt will Landrat Allgaier nicht gefährden. Die Reaktivierung müsse so gestaltet werden, dass die Förderfähigkeit für die gesamte Stadtbahn erhalten bleibt, heißt es. Dies sei von allen beteiligten Kommunen so beschlossen worden und Grundlage des neuen Zweckverbands.

Die reaktivierte Strecke soll nach Eisenbahnrecht betrieben werden und wird als solche von Bund und Land gefördert. Die restliche Strecke wird als Straßenbahn oder SSB-Ast weitergeführt. Dass dies ein „wunder Punkt“ ist und im Landkreis nur verhaltene Freude auslöst, räumt Bürgermeister Ilk ein. „Der Rest soll deshalb nicht tot sein“, sagte er. Nach wie vor halte auch Ludwigsburg daran fest, dass die Reaktivierung nur „Bauabschnitt 1“ sei.

„Bei all unseren Planungen nehmen wir die Stadtbahn in Gedanken bereits mit. Dies gilt insbesondere für den ZOB: Dort ist in Abstimmung mit dem Landratsamt die Führung einer Niederflurbahn über das ZOB-Gelände eingeplant.“ Eine Niederflurbahn könne die gleichen Bahnsteige benutzen wie die Busse. Auch der Kreisverkehr Aldinger-/Danziger Straße wurde so gestaltet, dass eine spätere Nachrüstung für eine Stadtbahn problemlos möglich ist, so Ilk.

Bislang waren Ilk, der für die Freien Wähler im Kreistag sitzt, und die Grünen diesbezüglich nicht auf einer Wellenlänge. Das scheint sich mit dem gemeinsamen Antrag vergangenen Dezember geändert zu haben, in dem die schnelle Reaktivierung gefordert wird, aber auch detaillierte Hinweise verlangt, wie es mit der Stadtbahn weitergeht (wir berichteten). Ilk spricht von einer „großen Einigkeit“. Mitunterzeichnet hatte den Antrag Brigitte Muras (Grüne), die zwar im Hinterkopf hat, dass die Freien Wähler nicht gerade Vorkämpfer der Niederflurstadtbahn sind.

„Wir haben aber keinen Zweifel daran, dass die Reaktivierung nur der erste Realisierungsschritt ist“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag auf Nachfrage unserer Zeitung. An die getroffenen Vereinbarungen werde sich auch Ludwigsburg halten. Sie verweist auf den Zweckverband, der bald tagen wird. Irgendwelche weiteren Anträge, um etwa auf Kaufverhandlungen mit der DB zu verzichten, lägen nicht vor. „Das hat keine reelle Grundlage“, sagte sie.

Laut Landratsamt wird es in den nächsten Wochen und Monaten konkret. Verschiedene Gutachten seien dann abgeschlossen, auch ein Kostenvergleich zu den verschiedenen Varianten zur Reaktivierung lägen dann vor. Außerdem werde eine alternative Strecke für die SSB von Remseck nach Ludwigsburg untersucht, die südlich der Hindenburgstraße zum Bahnhof führt. Auch dazu würden Ergebnisse vorgelegt. Sofern diese Gutachten vorliegen, könnte bereits Ende April im zuständigen Ausschuss für Technik und Umwelt beraten werden.

Der Meilensteinplan für das Stadtbahnprojekt, der von der Albtal-Verkehrsgesellschaft geprüft wird und bis Ende März vorliegen sollte, steht noch aus. Er soll zunächst in den entsprechenden Gremien behandelt werden.

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