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Trotz Hilferufs: Keine Soldaten für das Ludwigsburger Klinikum

Ende November 2021: Die vierte Welle der Corona-Pandemie steht kurz vor ihrem Höhepunkt, der Weihnachtsmarkt kurz vor der Eröffnung. Da fordern die RKH-Kliniken die Bundeswehr zur Unterstützung an. Gerechnet wurde damals mit 70 bis 80 Soldaten für alle Häuser der Holding. Gekommen ist kein einziger, wie die Ludwigsburger Kreiszeitung jetzt auf Nachfrage erfuhr.

Diese beiden Bundeswehrsoldaten helfen im Frühjahr 2021 im Ludwigsburger MC-Seniorenstift bei er Durchführung von Schnelltests bei Besuchern und Mitarbeiten. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Diese beiden Bundeswehrsoldaten helfen im Frühjahr 2021 im Ludwigsburger MC-Seniorenstift bei er Durchführung von Schnelltests bei Besuchern und Mitarbeiten. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Unser Antrag wurde abgelehnt“, sagt Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas. Die Einsatzkräfte der Bundeswehr seien landesweit vergeben worden, die RKH-Kliniken seien leider nicht zum Zug gekommen. Ohnehin seien es nicht viele Einsatzkräfte gewesen, die zur Verfügung gestanden hätten. Er wisse auch von vielen anderen Kliniken, die sich vergeblich um Zusatzkräfte bemüht hatten, sagt Alexander Tsongas.

Die Soldaten hätten beispielsweise bei den Eingangskontrollen, den Schnelltest-Abstrichen und beim Objektschutz helfen sollen, bei entsprechender Ausbildung hätten sie auch im medizinischen Bereich Einsatz finden können. Ende November/Anfang Dezember war die Kapazitätsgrenze der Intensivstation am Ludwigsburger Klinikums erreicht, auch personell war das Haus an seine Grenzen geraten. Deshalb hatte man die Bundeswehr um Hilfe gebeten.

Doch bislang hat kein einziger Soldat, keine einzige Soldatin am Ludwigsburger Klinikum sowie an den zur Holding zählenden Krankenhäusern den Dienst aufgenommen. Damit wird nun auch nicht mehr gerechnet.

Kliniken bleiben auf sich allein gestellt

Die Kliniken bleiben auf sich allein gestellt. „Momentan hat sich die Lage etwas entspannt“, sagt Tsongas mit Blick auf die rückläufige Zahl an stationären Covid-Patienten. „Wir schauen aber mit Sorge auf Ende Januar.“ Dann erwarte man einen Höhepunkt der Infektionen mit der Omikron-Variante. Die Infektiosität dieser Virus-Vatiante sei weitaus höher, „aber die Verläufe sind offenbar etwas milder.“ Noch könne man nicht absehen, wie hoch der Anteil derer werde, die stationär und gegebenenfalls auch intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

Tägliche Tests für Kliniken-Mitarbeiter

Bei den RKH-Kliniken, zu denen auch das Ludwigsburger Klinikum zählt, sind derweil neue Vorkehrungen getroffen worden, um Infektionen unter den Pflegekräften und Ärzten möglichst gering zu halten. „Seit 3. Januar müssen sich bei uns alle Mitarbeiter arbeitstäglich testen, auch die geboosterten“, so Tsongas. In allen Arbeitsbereichen müsse eine FFP2-Maske getragen werden. Auch in den Pausenräumen und in der Kantine gelten verschärfte Maßnahmen: „Im Pausenraum darf sich nur eine Person aufhalten, in der Kantine darf man nur allein am Tisch sitzen, und das für maximal 20 Minuten.“ Alle Mitarbeiter, die nicht zwingend vor Ort sein müssen, seien im Homeoffice. „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, um die Infektionsfälle so gering wie möglich zu halten, damit wir auch weiterhin leistungsfähig sind“, so der Klinik-Sprecher im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die dramatische Situation auf der Intensivstation des Ludwigsburger Klinikums Ende November sowie die immer weiter steigenden Infektionszahlen hatten nicht zuletzt auch zur Absage des Ludwigsburger Weihnachtsmarktes geführt. Der Ruf nach Unterstützung durch die Bundeswehr hatte die Dramatik der Lage unterstrichen.

Bundeswehr hatte im Frühjahr 2021 geholfen

Anders als bei den Kliniken, wo es mit der Unterstützung durch die Bundeswehr nicht geklappt hat, waren im Frühjahr 2021 rund 40 Soldaten im Landkreis im Einsatz. Sie hatten unter anderem im Ludwigsburger Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung geholfen, aber auch in Senioren- und Pflegeeinrichtungen bei der Durchführung von Schnelltests.

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