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Literatur
Tucké Royale wird neuer Ludwigsburger Stadtschreiber 2022

Tucké Royale. Foto: Paula Winkler/p
Tucké Royale. Foto: Paula Winkler/p
Der von einer Jury ausgewählte Berliner Autor Tucké Royale wird in diesem Jahr mehrere Wochen in Ludwigsburg zu Gast sein. Er werde „neue Wege des Literarischen und seiner vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen“, heißt es in der Begründung. Widmen soll er sich dabei vor allem dem Rahmenthema „Neue Gemeinschaften/Digitale Narrative“ – was dabei am Ende herauskommt, ist noch offen.

Ludwigsburg. Die Barockstadt bekommt wieder einen neuen Stadtschreiber: Der Berliner Autor Tucké Royale wird als dritte Person den Titel „Ludwigsburger Stadtschreiber“ tragen. Das gab der städtische Fachbereich Kunst und Kultur am Montag bekannt. Mit der Förderung der Wüstenrot-Stiftung wurde nach 2018 und 2020 erneut das Stipendium in einem eingeschränkten Verfahren ausgelobt. Tucké Royale wird im Frühjahr und Sommer mehrere Wochen in der Barockstadt zu Gast sein. Der 1984 in Quedlinburg geborene Künstler wurde von einer Fachjury aus fünf vorgeschlagenen Autorinnen und Autoren nominiert. Neben der erkennbar großen Bereitschaft, sich mit der Stadt Ludwigsburg auseinanderzusetzen, wurden auch der Zugang zum diesjährigen Leitthema „Neue Gemeinschaften/Digitale Narrative“ sowie die literarische Qualität der Werke bewertet.

Hauptrolle in queerem Heimatfilm

Tucké Royale arbeitet als Autor, Regisseur, Musiker und Schauspieler. Er studierte Judaistik an der Freien Universität Berlin und Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seine Solo-Stücke „Tucké Royale“ und „Ich beiße mir auf die Zunge und frühstücke den Belag, den meine Rabeneltern mir hinterließen“ wurden international gezeigt. 2015 inaugurierte Royale den Zentralrat der Asozialen in Deutschland und tritt seitdem als dessen Erster Sprecher für die NS-Verfolgten ein. Gemeinsam mit Hans Unstern und Black Cracker gründete Royale „2016 Boiband“. Er schreibt Texte für Theater, aber auch für Film, in denen er wie im queeren Heimatfilm „Neubau“ selbst auch die Hauptrolle übernimmt. Das Hörspiel „The revolution will be injected“, eine molekulare Revolution von Orlando de Boekens, Tucké Royale und Hans Unstern, eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur, wurde im Mai 2020 Hörspiel des Monats.

Sorgt der digitale Raum nur für Beschleunigung?

„Als Stadtschreiber von Ludwigsburg ist zu erwarten, dass er bezüglich der Thematik ,Neue Gemeinschaften/Digitale Narrative‘ nicht über sich schreibt, sondern vielmehr ausloten möchte, was in der analogen Welt an Teilhabe nur marginal möglich ist, im digitalen Raum aber neue Chancen hat, der Selbstbestimmung einen erweiterten Raum zu geben und auch Fragen zu stellen, ob der digitale Raum zwangsläufig unbedingt Beschleunigung bedeutet und nicht vielmehr auch für Entspannung sorgen kann“, so die Jury in ihrer Begründung. „Im Dialog mit der Bevölkerung wird er das Verhältnis der Mikro/Makro-Welt im analogen wie digitalen Raum erkunden und in neue Narrative vorstoßen, die durchaus auch protechnologisch abgewogen werden.“ Tucké Royale werde als Stadtschreiber „neue Wege des Literarischen und seiner vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen“. Die eigens einberufene Jury besteht aus Dr. Christine Lehmann (Verband deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg), Professorin Dr. Elisabeth Schweeger (Direktorin Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg), Frederik Skorzinski (Literaturhaus Freiburg), Thomas Stierle (Leitung Stadtbibliothek Ludwigsburg), Lorenz Wesemann (Deutsches Literaturarchiv Marbach) sowie der Juryvorsitzenden Petra Bewer (Vorstand Buchkultur e.V.)

Text „Der Weltschmerz“ von letzter Stadtschreiberin Celkan veröffentlicht

Ebru Nihan Celkan trug 2020 als zweite Autorin den Titel „Ludwigsburger Stadtschreiberin“. Nun wurde der während ihres Aufenthalts in Ludwigsburg entstandene Text „Der Weltschmerz“ in deutscher und türkischer Sprache als Druckwerk und online verfügbar veröffentlicht. Im Sommer und Herbst 2020 war Ebru Nihan Celkan für mehrere Wochen in der Barockstadt zu Gast. Während ihres Aufenthalts als Stadtschreiberin in Ludwigsburg hat sie mit vielen gesprochen – Menschen, die seit Generationen hier leben oder erst vor kurzem hier angekommen sind. Aus den Interviews ist ein literarisches Werk in türkischer Sprache entstanden, das in 14 Kapiteln abwechselnd aus Perspektive der Stadtschreiberin und der ihrer Interviewpartnerinnen einen neuen Blick auf Ludwigsburg eröffnet. Die deutsche Übersetzung des Textes stammt von Oliver Kontny, der bereits mehrere Theaterstücke der Autorin ins Deutsche übersetzt hat.

Das Buch kann in gedruckter Form bei der Tourist Information im MIK, Eberhardstraße 1, käuflich erworben werden oder ist kostenfrei digital auf der Website der Stadt verfügbar unter: www.ludwigsburg.de/start/kultur+und+freizeit/stadtschreiberstipendium.html.