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U18-Testwahl: Die Politik ist fern und nah zugleich

Kommune wirbt mit einer U18-Testwahl auf Schulhöfen und in Jugendhäusern für die Bundestagswahl

Im Jugendcafé Westside haben sich junge Menschen gestern mit den politischen Inhalten der verschiedenen Parteien beschäftigt.Foto: Holm Wolschendorf
Im Jugendcafé Westside haben sich junge Menschen gestern mit den politischen Inhalten der verschiedenen Parteien beschäftigt. Foto: Holm Wolschendorf

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viele junge Menschen auf den Fridays-for-Future-Demos politisiert haben: Für zahlreiche ihrer Altersgenossen spielt die Tagespolitik keine große Rolle. Deshalb wirbt die Stadt Ludwigsburg im Vorfeld der Bundestagswahl mit dem Format „Politik & Pizza“ derzeit eine Woche lang in Jugendhäusern und auf Schulhöfen für die Auseinandersetzung mit politischen Inhalten.

Im Jugendcafé Westside etwa waren am Montagabend etwa 15 Jugendliche anwesend, informierten sich zum Beispiel per Wahl-O-Mat über die Positionen der verschiedenen Parteien. Auch weitere digitale Helferlein wie der Sozial-O-Mat oder der Klimawahlcheck bieten mittlerweile Orientierung in der weiten Welt der Politik.

Natürlich wurde auch diskutiert. „Es war ein ungezwungener Austausch“, sagt Sozialpädagogin Irina Aust. Sie leitet nachmittags das Jugendcafé der Einrichtung, die von vielen Schülern des benachbarten Bildungszentrums West besucht wird.

Am Dienstagmittag ist im Westside erneut politische Bildung angesagt. An einer Wahlurne können die jungen Leute bei einer fiktiven U18-Wahl ihre Stimme abgeben. Auf den Wahlzetteln muss nur die Zweitstimme angekreuzt werden. „Mit Erst- und Zweitstimme wäre es zu kompliziert“, sagt Aust.

Einige Besucher des Jugendcafés studieren an einer Infotafel, welche Antworten die Parteien auf Fragen liefern, die junge Menschen interessieren dürften. Beispielsweise wie der Zustand der Schulen verbessert oder die Klassen verkleinert werden könnten. Oder wie sich die negativen Auswirkungen der Coronakrise auf junge Menschen auffangen lassen.

Nach dem Ausbruch der Pandemie habe er sich noch darüber gefreut, dass die Schule ausgefallen sei, meint ein 15-Jähriger. Seine Meinung habe er dann allerdings schnell geändert. „Man konnte nichts mehr machen, auch nicht mit den Freunden. Ich glaube, dass es noch schlimmer wird, immer mehr Sachen werden verboten.“

Im Gespräch mit der Gruppe, alle sind etwa 15 Jahre alt, wird deutlich, dass zumindest diese jungen Weststadtbewohner in ihrem Alltag wenig Bezugspunkte zu politischen Inhalten haben. Er interessiere sich schon ein bisschen für Politik, meint einer, schaue auch hin und wieder Nachrichten. „Aber man hat halt auch noch andere Dinge zu tun.“

Andererseits sagt einer seiner Freunde, dass er nach seinem 18. Geburtstag auf jeden Fall wählen gehen werde. „Bis dahin habe ich noch genug Zeit, mich für eine Partei zu entscheiden.“ Er finde es nicht gut, dass mehrere Parteien ein Tempolimit auf Autobahnen einführen wollten, sagt ein anderer Jugendlicher.

Es sei nicht gerade leicht, Parteiaussagen auf die Interessen der jungen Leute herunterzubrechen, sagt Johannes Göller, der den Westside-Schülertreff leitet. Doch der Alltag im Jugendhaus drehe sich häufig um politische Inhalte, fügt seine Kollegin Aust hinzu. „Da kommen immer wieder Themen wie der Nahostkonflikt hoch, auch über den türkischen Präsidenten Erdogan wird diskutiert.“ Politische Themen, so scheint es, sind für junge Weststadtbewohner fern und nah zugleich.

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