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Ökumenisches Fest

Über 1000 Christen rücken zusammen

Festgottesdienst und anschließendes Mittagessen auf dem Marktplatz – Das Gemeinsame im Geiste der Reformation

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Wie ein großes Band zwischen den Kirchen: zwei lange Tafelreihen. Fotos: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Weit über 1000 Menschen sahen sich am gestrigen Vormittag auf dem Marktplatz „zur Freiheit berufen“. Unter diesem Motto stand ein ökumenischer Gottesdienst, der Maßstäbe setzte. Anlässlich des Reformationsjubiläums rückten evangelische und katholische Kirche dicht zusammen. Für die Ver-bindung beider Konfessionen stand die zwischen den beiden Gotteshäusern aufgebaute Mittagstafel.

In der gemeinsamen Predigt, die eigentlich ein Dialog war, reflektierten der evangelische Dekan Winfried Speck und sein katholischer Kollege Alexander König über den Freiheitsbegriff und die Schrift Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Es war ein Versöhnungsbrief Luthers an den Papst, und jetzt 500 Jahre später scheinen sich die beiden Kirchen näher denn je zu sein.

Die katholische und evangelische Kirche im Landkreis hatten auf dem Marktplatz ein Fest im Geiste der Ökumene ausgerichtet und viele Menschen waren gekommen, um ein starkes Signal auszusenden. Sie waren so frei, die Reformation gemeinsam zu feiern und nicht die Unterschiedlichkeiten, sondern das Gemeinsame auf eindrückliche Weise in den Mittelpunkt zu stellen.

Dekan Speck erinnerte sich an Kindheit und Jugend in den sechziger Jahren, als es den Traum einer besseren Welt in Freiheit und Verantwortung gab. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren Vorbild, der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King hatte einen Traum und Bob Dylan sang vom Frieden. Er erinnerte sich, wie er als Kind auf der Schaukel saß, weit ausholte und dem Himmel ganz nah kam, es war für ihn das Erlebnis grenzenloser Freiheit.

Alexander König stellte die Religionsfreiheit in den Mittelpunkt und sah Christen bei aller Freiheit auch zu verantwortungsvollem Handeln im Einklang mit dem Gewissen verpflichtet. Laut Speck hatte der Reformator Martin Luther nicht eine neue Kirche, sondern ein neues Bleiben in der Kirche in Freiheit im Sinne. So lud er König ein, zusammen den Glauben zu leben wie damals als Kind auf der Schaukel, dem Himmel ganz nah und auch wieder der Erde zugewandt.

Statements zum Thema Freiheit kamen auch von Vertretern der Jugendverbände und der Bezirkssynode sowie von Dekanen aus dem Landkreis. Der Tenor: Freiheit bedeutet ein Leben ohne Angst und Unterdrückung. Und: Ohne Gerechtigkeit kann es keine Freiheit geben. Freiheit muss aber auch in die Pflicht genommen werden, denn sie ist nicht grenzenlos. Neben den Dekanen Alexander König und Winfried Speck haben außerdem Dekanatsreferent Alexander Bair, Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vincon und Ines Göbbel den ökumenischen Festgottesdienst vorbereitet. Als Lektorin wirkte Dr. Gabriele Schwenk-Ebbighausen mit.

Es wurde auch viel gesungen, darunter der wohl bekannteste Choral „Großer Gott wir loben dich“. Das musikalische Geschehen bereicherte der stimmlich hervorragend agierende Jugendchor der Strohgäukantorei unter der Leitung von Nobert Haas und Simone Jakob, die auch als Sopransolistin beeindruckende Akzente setzte. Der von Gunther Schaible geleitete Bezirksposaunenchor Ludwigsburg unterstrich den festlichen Charakter des Gottesdienstes.

Das gemeinsame Mittagessen wurde mit einem Kanon eingeläutet, das eingespielte Team der Vesperkirche hatte zahllose Schüsseln mit Käthes Gemüse- und Getreidepfanne aufgetischt, zubereitet worden waren die Speisen von der Küche der Karlshöhe. Die Gastfreundschaft von Luthers Ehefrau Käthe (Katharina von Bora) war legendär und in dieser schönen Tradition fanden sich alle an den Tischen zusammen.

Bereits am Samstagnachmittag wurde das ökumenische Fest mit Posaunenbläsern und Mitmachangeboten eröffnet. In der Stadtkirche wurde das multimediale Theaterstück „play Luther“ aufgeführt und in der katholischen Dreieinigkeitskirche zum Taizégebet eingeladen. Später war in der Stadtkirche der christliche Liedermacher Samuel Harfst zu Gast und die Silent Disco brachte schließlich das Gotteshaus – mit Musik aus Kopfhörern und deshalb also ganz leise – zum Tanzen.