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Akademiehof

Um Mitternacht ist Zapfenstreich

Ausgiebig gefeiert wurde am Freitagabend auf dem Akademiehof. Dort tummelten sich zu später Stunde etwa 200 junge Leute. Allerdings tauchte auch ein Partyschreck auf: die Polizei. Die Beamten räumten den Platz, um Mitternacht war Zapfenstreich – zumindest vorübergehend.

Nächtlicher Treff vor dem Theaterturm am Akademiehof. Foto: Holm Wolschendorf
Nächtlicher Treff vor dem Theaterturm am Akademiehof. Foto: Holm Wolschendorf
Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Dass sich der Akademiehof unter Nachtschwärmern großer Beliebtheit erfreut, ist alles andere als neu. Auch am Freitagabend entwickelt die innerstädtische Freifläche eine enorme Sogkraft, schätzungsweise 200 Personen halten sich zwischen Filmhochschule und Theaterakademie auf. Gegen 23 Uhr ist es noch über 20 Grad warm. Beste Voraussetzungen also, um mit den Kollegen zu „chillen“.

Zu diesem Zweck haben die Gäste der inoffiziellen Party jede Menge alkoholische Getränke im Gepäck. Dennoch wirkt das Gelände nicht übermäßig vermüllt. Sicher, einige leere Flaschen stehen herum. Aber viele Besucher stellen die Flaschen auch neben Mülleimer, wo Pfandsammler das Leergut schnell in mitgebrachten Tüten und Behältern verstauen.

Das Publikum ist jung, mit Anfang oder Mitte 20 gehört man schon zu den älteren Semestern. So auch Chiara, die mit einer Freundin auf einem der Holzplateaus an der Seite der Rasenfläche sitzt. „Eigentlich wollten wir in eine Bar“, erzählen sie, „aber es gab gerade keine freien Plätze“. Also haben die beiden beschlossen, ein paar Meter weiter auf den Akademiehof zu schlendern.

Früher sei sie abends häufig hier gewesen, sagt Chiara. „Am Wochenende war eben immer klar, dass hier was los ist.“ Nach dem Ausbruch der Pandemie war es damit vorbei. „Das ist das erste Mal seit fast anderthalb Jahren, dass ich ausgehe“, meint die junge Frau. „Ich bin das gar nicht mehr gewohnt, ich wollte mich in der Coronazeit ja auch an die Auflagen halten.“

Auf dem Akademiehof werde schon viel getrunken, so Chiaras Erfahrung. In der Tat: Das zu bestreiten, hieße, die Realität zu ignorieren. Doch obwohl Gerstensaft und auch härteres Gebräu ausdauernd konsumiert werden, bleibt die Stimmung zumindest an diesem Abend friedlich.

Die Atmosphäre ist eher unruhig, es herrscht ständiges Kommen und Gehen zwischen den verschiedenen Gruppen. Viele Gäste peppen die Party mit Bluetooth-Boxen auf, die eine beachtliche Lautstärke erzeugen. So schwebt ständig eine diffuse Klangwolke aus Hip-Hop- und Elektrosounds über dem Akademiehof, deren Klangstrukturen sich je nach Standort verändern.

Einige, aber längst nicht alle Besucher trinken einen über den Durst. Laila, Mohamed und sein Bruder Berk etwa erzählen, dass sie nicht nur heute, sondern überhaupt keinen Alkohol konsumieren. „Deshalb sitzen wir auch ein bisschen abseits“, sagt Laila. „Wenn man keinen Alkohol trinkt, kann man sich hier schon ein bisschen ausgegrenzt fühlen.“

Sie seien zum ersten Mal auf dem Akademiehof, erzählen die drei Kornwestheimer. In ihrer Heimatstadt gebe es keine Orte, an denen sich junge Leute abends aufhalten könnten. Die Atmosphäre sei relativ entspannt, findet Mohamed, „das kann man schon mal machen“. Wahrscheinlich führe auch der Gruppendruck dazu, dass viel getrunken werde, vermutet sein Bruder Berk. „Aber so viel ist es auch wieder nicht. Ich schätze mal, dass hier 200 Leute sind. Von denen haben aber vielleicht nur zehn richtig viel getrunken.“

Die Polizei, die gegen 24 Uhr mit sechs Streifenwagen aufkreuzt, sieht das ein wenig anders. „Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei“, dröhnt es aus dem Lautsprecher. Der Akademiehof werde wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen und wegen „ausufernden Alkoholkonsums“ geräumt, wird per Durchsage mitgeteilt.

Dieser Aufforderung kommt die überwiegende Mehrheit auch unwidersprochen nach, der Platz leert sich zügig. Einige lassen sich etwas mehr Zeit. Provokationen bleiben aber aus, vielleicht auch, weil die Beamten die Platzräumung bestimmt, aber ohne übertriebene Härte anordnen. Nach einer Viertelstunde hat sich der Akademiehof komplett geleert.

Viele Jugendliche können den Polizeieinsatz nicht nachvollziehen. Er habe zwar Verständnis für die Polizisten, betont ein 17-Jähriger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Aber er habe sich an die Regeln gehalten, sei geimpft und habe in der Coronakrise auf vieles verzichtet. „Hier war alles entspannt, ich wollte einfach mal wieder mit ein paar Freunden ein Bier trinken. Außerdem gibt es in Ludwigsburg sonst keine Plätze, wo man abends hingehen kann.“

Viele Nachtschwärmer ziehen weiter und feiern nun auf der Bärenwiese. Etwa eine Stunde später aber halten sich schon wieder 80 Personen auf dem Akademiehof auf. Die Polizei, nach deren Schätzungen sich am früheren Abend sogar bis zu 400 Personen auf dem Areal versammelt hatten, behält die Lage im Blick, schreitet aber wegen der deutlich geschrumpften Menge nicht mehr ein.

Es könne durchaus passieren, dass der Platz in einem solchen Fall auch ein zweites oder drittes Mal geräumt werde, sagt ein Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums auf Anfrage unserer Zeitung. Die nur noch 80 Personen hätten sich dann aber relativ gut verteilt. „Wenn es zu Straftaten wie Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen gekommen oder die Stimmung gekippt wäre, hätten wir natürlich noch mal eingegriffen. Aber das war gar nicht nötig.“ Auch der Samstagabend sei nach dem einsetzenden Starkregen ruhig verlaufen.

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