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Jugendfarm

Umbau während Zwangsschließung

Corona kann auch kreativ. Ein Beispiel ist die Jugendfarm in der Oststadt. Hier wurde die Krise als Chance genutzt, um lange geplante Projekte zu realisieren und Kindern trotz „Lockdown“ etwas zu bieten.

Die Jugendfarm ist wieder geöffnet: Allerdings dürfen nur zehn Kinder mit vorheriger Anmeldung kommen. Foto: Andreas Becker
Die Jugendfarm ist wieder geöffnet: Allerdings dürfen nur zehn Kinder mit vorheriger Anmeldung kommen. Foto: Andreas Becker

Gerade fährt der Betrieb langsam wieder hoch. Mehr als zehn Kinder auf einmal dürfen derzeit nicht auf das über 6000 Quadratmeter großen Areal. Und das auch nur nach vorheriger Anmeldung, mit Maskenschutz und desinfizierten Händen.

Ab Mitte März herrschte drei Monate Funkstille beim Besuch, trotzdem war hier mächtig was los. Schweres Gerät einer Tiefbaufirma rückte an, Ehrenamtliche krempelten die Ärmel hoch und griffen in die Werkzeugkiste.

Der Untergrund des großen Hofes wurde erneuert, geebnet und frisch gekiest. Die Terrasse vor dem alten Bauernhaus wurde ebenfalls neu gemacht. An einigen Wirtschaftsgebäuden wurden die Dächer eingedeckt. Beim kleinen, aber markanten Unterstand im Zentrum des Geländes ist eigentlich nur noch der Rohbau original, eine Zisterne wurde angelegt, den Schafen, Ziegen, Hasen und Meerschweinchen ein tiergerechtes Spielparadies geschaffen. Die Pferde bekamen eine Treppe zu den höher gelegenen Koppeln am Wieselweg, wo sie jetzt nach Lust und Laune grasen können.

Großes Spielhaus mit Kinderküche

Dort oben ist auch der Startpunkt der Wasserrutsche runter zum Bolzplatz. Mit dem richtigen Schwung, gleiten die Kinder etwa 30 Meter auf einem Wasserfilm. Und für die Kleineren wurde ein Spielbereich geschaffen. Der Sandkasten von früher wich einem Strand und federt auch härtere Landungen von der Rutsche ab. Ebenso den unfreiwilligen Abgang vom Wipptier. Das neue große Spielhaus aus Holz hat sogar eine eigene Kinderküche. Außerdem wurde der Bauspielplatz reaktiviert und teilgeräumt. Jetzt ist dort wieder Platz für eine Doppelhaushälfte.

Aber auch während die Jugendfarm komplett geschlossen war, haben sich die beiden fest angestellten im Team – das Urgestein Tine Reininger und die neue Leiterin und pädagogische Fachkraft Sonja Sharma so einiges einfallen lassen, damit das Heimweh nach der „Jufa“ nicht übermächtig wurde. Regelmäßig fanden die Kinder im Pflanztrog neben der Haustüre Bastel-, Spiel und Pflanzideen. Osternester aus Milchtüten zum Beispiel oder Setzlinge zum Großziehen. Im Stall wurden Kameras installiert, damit die Lieblinge weiter beobachtet werden konnten: Die Pferde Zamira, Noami, X-Man und die Eseldame Ronja. Ein Objektiv war auch auf die gut besuchten Schwalbennester mit ihrer Brut gerichtet. Gerade hat hier eine Kohlmeise Winterquartier bezogen.

In den Sommer- und Herbstferien wurde zusätzlich eine verlässliche Betreuung angeboten, um berufstätige Eltern zu entlasten. Für einen eher symbolischen Geldbetrag.

1000Stunden Arbeit von Freiwilligen

„Ohne den Lockdown wäre das alles im laufenden Betrieb gar nicht machbar gewesen“, gewinnt die Vereinsvorsitzende Jutta Gramespacher der Pandemie wenigstens ein klein wenig Positives ab. Mehr als 1000 Stunden freiwilliger Arbeit und ein hoher fünfstelliger Betrag stecken in der Jufa 2.0. Aber trotz des Ergebnisses hätten alle das wuselige Treiben der Gäste, die Spontaneität schwer vermisst. Denn die Jugendfarm in der Oststadt im Riedle gegenüber vom Reitstall am Rande des Wohngebiets Rotbäumlesfeld ist beliebt. Letztes Jahr wurden 10000 Kinder gezählt, die an den rund 300 Öffnungstagen zu Besuch da waren. Vom Kleinkind bis zum Jugendlichen. Die meisten sind zwischen sechs und 14 Jahre alt. Sorgen bereiten dem Verein allerdings die Finanzen. „Wir kommen gerade noch einigermaßen gut über die Runden“, sagen der Beisitzer des Vorstands Dirk Förster und Fachberater Markus Weimar. Aber die Absage des Sommerfestes und des Weihnachtsmarktes hätten ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Zusammen mit den Spenden würde damit über die Hälfte des Jahresbudgets bestritten. Ungewiss sei, ob mit dem Sparhaushalt auch bei den städtischen Zuschüssen der Rotstift angesetzt werde. Die Verantwortlichen sind sich einig: „Noch so ein Jahr und es wird verdammt eng.“ Sie wünschen sich einfach nur wieder Normalität.

Derzeit wird bei den Aktivitäten auf Sicht gefahren. Als Nächstes stünde der Besuch vom Nikolaus an. Etwa 120 Kinder holen sich sonst ihre Säckchen ab. Wie das coronagerecht ablaufen könnte, darüber wird noch gegrübelt. Ansonsten wird mit dem Jahresprogramm 2021 abgewartet.

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