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Fischerwäldchen

Unbekannte reißen Jungpflanzen aus

Dass Spaziergänger auf einem Trampelpfad durch ihren Wald laufen, obwohl nur wenige Meter weiter der Feldweg verläuft, darüber sehen Karin Motz und Erich Bauer hinweg. Auch dass Mountainbiker hier gerne mal den Abhang hinunterschanzen. Aber dass nun zahlreiche mühevoll gepflanzte Jungbäume mutwillig ausgerissen werden, ärgert sie zutiefst. Sie haben Anzeige erstattet.

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Erich Bauer zeigt eine abgerissene Jungpflanze. Bei der ist nichts mehr zu retten. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. 150 Bäume haben sie im vergangenen Frühjahr gepflanzt. Wildkirschen, Bergahorn, Buchen, Eichen und Linden. Eine schöne Mischung sollte es werden, „man weiß ja nie, welche Krankheiten welche Bäume einmal bekommen“, meint Erich Bauer mit Blick auf das derzeitige Eschentriebsterben. Doch die Mischung ist ganz schön aus dem Gleichgewicht gekommen. Denn von den 150 Jungpflanzen sind gut 20 Prozent ausgerissen worden.

Sie hatten die Bäume auf ihrem Areal im Fischerwäldchen, oberhalb des Hohenecker Freibads, selbst gesetzt. Jede Pflanze ist ummantelt mit einer Plastikröhre zum Schutz vor hungrigen Rehen. Gegen gedankenlose Rowdys konnten Karin Motz und Erich Bauer die kleinen Bäume jedoch nicht schützen. Die Röhren liegen umgerissen auf dem Waldboden herum, viele Pflanzen sind komplett entwurzelt, bei anderen sind einzelne Triebe abgeknickt. Normalerweise müssten die beiden Oßweiler zu dieser Jahreszeit nicht ständig im Wald sein. „Aber jetzt sind wir dauernd draußen zum Kontrollieren und versuchen, das zu retten, was noch zu retten ist“, sagt Karin Motz.

Es ist die Ignoranz der Leute, über die sich die beiden ärgern. Das gedankenlose und mutwillige Zerstören von Natur und fremdem Eigentum. „Wir pflanzen hier neue Bäume, damit der Wald auch in späteren Jahren intakt ist.“ Natürliche Verjüngung könne nicht stattfinden. Zu hoch sei der Freizeitdruck, zu viele Spaziergänger, Jogger und Radfahrer seien hier unterwegs und zertrampelten die zarten Pflanzen. Das nimmt das Paar Motz/Bauer alles hin. Sie sind selbst Hundebesitzer und Gassigeher. Sie sehen sich als Waldbesitzer in der Pflicht, für eine Verjüngung des Baumbestands zu sorgen.

Das überschaubare Areal im Fischerwäldchen gehört schon seit jeher der Familie von Karin Motz. Als sie vor einigen Jahren in Oßweil gebaut haben, entschieden sie sich für eine Holz-Zentralheizung, „weil wir dafür das Holz aus dem Wald nutzen können“. Das funktioniere sehr gut, viel werde gar nicht benötigt. „Bislang sind wir mit dem Totholz ausgekommen und mussten noch keinen Baum fällen.“ Die Jungpflanzen, die sie letztes Jahr gesetzt haben, werden die beiden selber nie nutzen. „Das ist was für die Nachwelt“, meint Karin Motz.

Auch beim Nachbarn haben Unbekannte Setzlinge beschädigt und ausgerissen. Schon letztes Jahr sei das losgegangen, meint Bauer. Deshalb habe er eine Wildkamera installiert. „Dann war Ruhe.“ Doch die Kamera wurde gestohlen, und die Zerstörung der Pflanzen ging weiter. Deshalb haben die beiden Oßweiler nun Anzeige erstattet – wohl wissend, dass das kaum Konsequenzen haben kann, so lange nicht jemand auf frischer Tat ertappt wird.