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Amtsgericht

Unfallfahrer kommt glimpflich davon

Der Unfall hat im vergangenen August für Entsetzen gesorgt: Beim Versuch mehrere Autos zu überholen, war ein 49-Jähriger frontal in einen Traktor gekracht. Eine vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs konnte ihm das Gericht aber nicht nachweisen.

Die Straße zwischen Neckarweihingen und Poppenweiler gleicht am 3. August 2018 einem Trümmerfeld. Archivfoto: Karsten Schmalz
Die Straße zwischen Neckarweihingen und Poppenweiler gleicht am 3. August 2018 einem Trümmerfeld. Foto: Karsten Schmalz

Ludwigsburg. Angespannt sitzt der Mann auf der Anklagebank. Neben ihm sein Anwalt. Angenehm ist ihm der Termin ganz offensichtlich nicht. Und was der Staatsanwalt ihm vorwirft, klingt zunächst einmal ungeheuerlich.

Der selbstständige Handwerker aus dem Kreis Ludwigsburg war am 3. August kurz nach 18 Uhr auf der Straße von Neckarweihingen nach Poppenweiler unterwegs. Trotz unklarer Verkehrslage, so der Staatsanwalt, will er eine Kolonne aus mindestens zwei Autos und einem Traktor überholen. Dass der Traktor nach links auf einen Feldweg abbiegen will, bemerkt der 49-Jährige viel zu spät. Praktisch ungebremst kracht er mit seinem Audi frontal in das Heck des Schleppers.

Durch die Wucht des Aufpralls wird der Traktor in einer Drehbewegung in den Straßengraben gedrückt. Beide Hinterreifen werden dabei abgerissen. Der junge Fahrer wird aus dem Traktor geschleudert und erleidet vier Rippenbrüche und einen Lungenriss. Nach dem Unfall ist er acht Wochen krankgeschrieben.

Für den Staatsanwalt ist das eine vorsätzliche Körperverletzung in Tateinheit mit einer vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs. Dafür soll der Audifahrer 4200 Euro Strafe bezahlen.

Allerdings legt dieser Einspruch gegen den Strafbefehl ein, so dass es jetzt zur Verhandlung vor dem Amtsgericht kam. Zwar akzeptiert der Handwerker die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung, die vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs bestreitet er aber. Denn: „Ich konnte nicht sehen, dass der Traktor blinkt.“

Er sei an diesem Tag wie immer mit 80 höchstens 85 km/h über die Straße gefahren. Vor dem Überholvorgang habe er sich versichert, dass kein Gegenverkehr kommt, beim Ausscheren habe er geblinkt. „Dann ist plötzlich der Traktor vor mir abgebogen“, erzählt der Mann im Zeugenstand. „Ich konnte nicht mehr reagieren.“ Er habe nur noch kurz das Pfeifen der Assistenzsysteme seines Autos gehört, die wohl noch eine Bremsung einleiten wollten, dann habe es schon gekracht. „Der Unfall kam aus dem Nichts. Ich kann es mir nicht erklären.“

Der 22-Jährige Traktorfahrer, der auch heute noch an den Folgen des Unfalls leidet, schildert im Zeugenstand, wie der Audi plötzlich in seinen Traktor gerauscht ist. Geblinkt habe er auf jeden Fall. Das bestätigen auch zwei weitere Zeugen, die mit ihren Autos hinter dem Traktor fuhren und ebenfalls von dem Audi überholt wurden.

Ein Sachverständiger hat errechnet, dass der Audi mit etwa 80 km/h in den Traktor gefahren ist. Übermäßig gerast ist der Handwerker also nicht. 80 km/h sind dort erlaubt und der Wagen fuhr mehr oder weniger ungebremst in die Landmaschine. Ab dem Moment, in dem sich die beiden Fahrzeuge auf Kollisionskurs befunden haben, hätte weder der Traktor- noch der Autofahrer den Unfall vermeiden können, so der Gutachter. Und ob der 49-Jährige im Vorfeld des Überholmanövers eine Chance hatte, das Blinken des Traktors zu erkennen, bleibt unklar.

Am Ende wird das Verfahren wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs eingestellt. Eine grobe Fahrlässigkeit lasse sich dem Angeklagten nicht nachweisen, so die Richterin. Nur die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung bleibt bestehen. Statt 4200 Euro muss der Mann jetzt 3000 Euro Strafe bezahlen.

Der Traktor im Wert von 9500 Euro konnte nicht mehr repariert werden. Der Besitzer, ein Landwirt aus Neckarweihingen, wartet bis heute darauf, dass ihm die Versicherung des Autofahrers den Schaden voll ersetzt. Bisher habe er erst 70..Prozent des Betrags erhalten.

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