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Corona

Unterrichtsausfall wegen Quarantäne

Zusätzlich zu Erkältungen und anderen Krankheiten müssen manche Lehrkräfte in diesem Herbst wochenweise zuhause bleiben, weil sie in Quarantäne sind. Kommt es dadurch zu mehr Unterrichtsausfall?

Wenn Lehrer krank oder in Quarantäne sind, bleiben manche Klassenzimmer leer. Foto: Sina Schuldt/dpa
Wenn Lehrer krank oder in Quarantäne sind, bleiben manche Klassenzimmer leer. Foto: Sina Schuldt/dpa

Ludwigsburg. Der Schulalltag ist derzeit nicht einfach –weder für die Schüler selbst, noch für Eltern, Lehrer und Rektoren. Ständig gibt es neue Entwicklungen, neue Regeln. Aktuell bewegt einige Eltern das Thema Unterrichtsausfall, weil Lehrer in Quarantäne sind. Sie habe erfahren, so die Mutter eines Schülers des Mörike-Gymnasiums, dass an der Schule aktuell 29 von 90 Lehrern in Quarantäne sind. Die Schulleiterin des Gymnasiums, Sylvia Jägersberg, nennt auf Nachfrage zwar keine Zahlen. Es habe jedoch einen Fall in einer Klasse gegeben, nachdem alle, die zu der Person Kontakt hatten, in Quarantäne mussten. Davon seien auch Lehrer betroffen gewesen. Ab Montag müsse der Unterricht aber wieder weitgehend normal laufen – voraussichtlich, fügt Jägersberg hinzu.

„Die Unterrichtsversorgung insgesamt ist aufgrund auch kurzfristiger krankheitsbedingter Ausfälle in Teilen angespannt“, teilt der Direktor des Staatlichen Schulamts, Hubert Haaga, auf Nachfrage mit. In die Zuständigkeit seiner Behörde fallen alle Grund-, Werkreal-, Gemeinschafts- und Realschulen sowie die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren des Landkreises. In der Stadt Ludwigsburg seien aktuell zwei Schulen dieser Art von Teilschließungen betroffen. Zwei Klassen plus eine Religionsgruppe seien derzeit nicht im Präsenzunterricht, sieben Lehrkräfte dieser beiden Schulen befinden sich in Quarantäne. Ausfälle mit kurzer Krankheitsdauer würden die Schulen selbst auffangen, so Haaga. Wo größere Ausfälle anstehen, versuche das Schulamt zu unterstützen, etwa durch den Einsatz von Lehrern, die aus der Elternzeit zurückkommen, der Aufstockung von Stunden oder der Verpflichtung von Pensionären.

Am Schiller-Gymnasium halte sich der Ausfall in den üblichen Grenzen, so Schulleiter Ulrich von Sanden. Grund dafür seien die für den Herbst typischen Krankheiten sowie Sportunfälle. Auch an der Gemeinschaftsschule Ludwigsburg seien weder Lehrer noch Schüler coronabedingt zuhause, sagt Rektor Ralf Broghammer. Die Ausfälle wegen erkälteten Lehrkräfte seien im normalen Rahmen. An seiner Schule bereite man sich auf Online-Unterricht für Klassen in Quarantäne vor.

Am Mörike-Gymnasium lernen die Schüler zuhause im Fernunterricht, auch die Lehrer in Quarantäne werden eingebunden, so Rektorin Jägersberg. Allerdings sei das eine doppelte Anstrengung. Denn wenn eine Klasse in der Schule von einem Lehrer zuhause über eine Videokonferenz oder die Bereitstellung von Arbeitsblättern unterrichtet wird, muss auch vor Ort ein Vertretungslehrer sein, der die Schüler beaufsichtigt.

„Es ist auch schon vor Corona wahnsinnig viel Unterricht ausgefallen“, sagt Christina Bechmann, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Ludwigsburg. Es sei natürlich möglich, dass jetzt die ein oder andere Klasse noch mehr Ausfall habe, weil genau die zuständigen Lehrkräfte in Quarantäne sind. Sie vermutet, dass es jetzt mehr auffalle, weil die Eltern nach wochenlangen Schulschließungen im vergangenen Schuljahr sensibler sind. Fest steht für sie jedoch: „Es fällt zu viel aus.“ Das sei ein Systemproblem. Die Politik reagiere zu langsam, müsste eigentlich mehr Studienplätze für Lehramt schaffen.

Eines ist Bechmann wichtig: „Die Kinder müssen unbedingt zur Schule und so lange es geht, in den Präsenzunterricht.“ Eine Rückkehr zum Fernunterricht gelte es zu vermeiden, zu viele Schüler würden dadurch verloren gehen. Die neue Coronaverordnung für die Schulen sieht den Heimunterricht bisher auch noch nicht vor. Es sei sicherlich eine Option, so von Sanden. Mit Blick auf die damit verbundenen Belastungen für Familien sei eine solche Maßnahme nur dann sinnvoll, wenn sie von allen Schulen umgesetzt werde. Auch am Mörike-Gymnasium werde nicht konzeptionell geplant, Klassen zuhause zu lassen, solange kein Coronafall auftaucht, so Jägersberg. Wenn eine Lehrkraft in Quarantäne jedoch mehr als zwei Stunden am Tag in einer Klasse unterrichten würde, sei es besser, die Klasse für den Tag zu Hause zu lassen und über das Internet zu unterrichten.

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