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Verkehr
Verkehrsrechner in Ludwigsburg: Rechenspiele mit 130 Ampeln

Die Ampelschaltung auf der Wilhelmstraße soll sich in wenigen Wochen verändern, kündige Bürgermeister Sebastian Mannl an. Archivfoto
Die Ampelschaltung auf der Wilhelmstraße soll sich in wenigen Wochen verändern, kündige Bürgermeister Sebastian Mannl an. Archivfoto
Über Ampeln kann man sich ärgern. Ob Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer – es gibt immer wieder Tage, an denen diese Wächter einem auf die Nerven gehen. In Ludwigsburg steckt ein teurer Verkehrsrechner dahinter, der 130 Ampeln in 23 Bereichen regelt. Oft gut, oft aber auch nicht.

Ludwigsburg. Ludwigsburg hat sich vor wenigen Jahren einen millionenschweren Verkehrsrechner geleistet: Er kann je nach Verkehrsdaten die Signalprogramme auswählen, sagt, wer wie lang Rot oder Grün hat oder wie lange man an einer Ampel wartet. Ein komplexes System, das jüngst den Stadträten vorgestellt worden – und das doch nicht alle Probleme lösen kann. Irgendwann sieht jeder einmal Rot.

Gründe dafür, dass es mit der Grünen Welle für Autofahrer nicht so klappt, gibt es gleich mehrere, wie Ivan Rasic von der Abteilung Verkehrstechnik der Stadt erklärt. Bei extrem dichten Verkehr hapert es, sobald langsamer oder schneller gefahren wird, bleibt man irgendwann an einer Kreuzung stecken. Auf der B27 gibt es mit 60000 Fahrzeugen am Tag einen Verkehr wie auf der Autobahn. Auch die Zerstückelung der Straßen in unterschiedliche Tempo-Vorgaben, mal ist es Tempo 30, dann 40, dann 50 – schafft auch der modernste Rechner nicht mehr.

Dazu kommt ein grundsätzliches Problem. Auf den großen Verkehrsachsen will Ludwigsburg die Autos möglichst rasch durch die Stadt und wieder hinaus führen. Trotz bester Technik, die Crux an der Sache ist: Die Grüne Welle, die Ludwigsburg laut Mobilitätsbürgermeister Sebastian Mannl gut im Griff habe, beißt sich mit Ampeln, die einzeln nach Verkehrsaufkommen gesteuert werden. Oder die dem Bus oder der Feuerwehr irgendwo den Vortritt lassen.

Entweder stadteinwärts oder stadtauswärts

Interessant auch der Hinweis von Ivan Rasic. Grüne Wellen gibt es auf einer Straße entweder stadteinwärts oder stadtauswärts. Beides zugleich gehe nicht, weil die Verkehrsströme unterschiedlich sind. In der Hohenzollernstraße sei dies zum Beispiel stadtauswärts geregelt, um den Verkehr abfließen zu lassen und Rückstau auf die stark belastete Friedrichstraße zu vermeiden. Pförtnerampeln wirken sich ebenfalls auf den Verkehrsfluss aus, so werden etwa bei der Marienwahl die Autos ausgebremst, damit von Schadstoffen belastete Schlossstraße/B27 nicht „volläuft“, wie es hieß.

Während andere Länder mehr auf Kreisverkehre setzen, erfreut man sich hierzulande an Ampeln und digitaler Steuerung, die Fachleute begeistern, in der Praxis aber viele Fragen aufwerfen. So auch bei den Stadträten, die alle Beispiele parat hatten, wo etwas nicht funktioniert. Die Grünen finden, dass der Autoverkehr gut läuft, besser als für Fußgänger und Radfahrer. Selbst die Busse blieben etwa in der Wilhelmstraße oft an den Ampeln hängen, hat Stadtrat Stefan Handel festgestellt. Fußgänger müssten oft ewig warten, und das an einer innerstädtischen Straße.

Zweifel hegt CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann an den Kontaktschleifen vor den Ampeln, die verkehrsabhängig die Anlagen steuern sollen. „Man steht oft relativ lange, ohne dass sich überhaupt ein Auto bewegt“, so sein Eindruck. „Früher hat das besser funktioniert.“ Aber auch für Fußgänger hat sich die Situation nicht verbessert. An manchen Überwegen sei die Grünphase so kurz, dass man als Fußgänger kaum rechtzeitig die andere Straßenseite erreicht. Manche hegen den Verdacht, dass manches deshalb nicht mehr funktioniert, weil die Stadt aus Sorge um ein Fahrverbot und wegen der hohen Stickstoffwerte in der Schlossstraße die Ampelsteuerung anders getaktet hat. Jochen Zeltwanger (Freie Wähler) erlebt regelmäßig Staus, wenn man von der Marbacher Straße in die B 27 einbiegen will.

Stadträte bringen viele Kritikpunkte vor

Von ihren Erfahrungen berichtete die SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins, die bei ihrer Fahrt in die Stadt durch die Friedrichstraße – dort gilt inzwischen Tempo 40 – bald an jeder Ampel hängen bleibt. Auch wenn sie Verständnis zeigt, dass vieles wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht einfach abzuwickeln sei, hat sie doch den Eindruck, dass es früher besser lief. „Die Grüne Welle funktioniert nicht“, ist sich Stefanie Knecht (FDP) sicher. Sie nennt beispielsweise die Ampeln vor der Friedenskirche an der B 27 oder die innerstädtische Oststraße. Sie fragt sich auch, ob sich von Oßweil her in der Schorndorfer Straße die Busspur negativ auf den flüssigen Verkehr ausgewirkt hat.

Damit nicht genug, aus Sicht der Linken funktionieren auch die Kontaktschleifen nicht, wenn sich Radfahrer der Ampel nähern. Die Ampel löst nicht aus, so Jürgen Müller. Radfahrer müssen, zeigt die Erfahrung, an vielen Kreuzungen vor die Linie fahren, damit ein Auto dahinter die Ampelsteuerung auslöst.