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Gastronomie

Verschiedene Strategien für den November

Die zweite Zwangsschließung innerhalb eines Jahres trifft die Gastronomen hart. Wieder sind kreative Ideen gefragt, wie die Restaurantbesitzer durch die Krise kommen. Viele sind erneut dazu übergegangen, Speisen zum Mitnehmen anzubieten. Andere haben im Frühjahr gemerkt: Der Aufwand lohnt sich nicht.

Tische und Stühle zusammengeklappt: Bis mindestens Ende November dürfen Gastronomen keine Gäste bewirten. Foto: Holm Wolschendorf
Tische und Stühle zusammengeklappt: Bis mindestens Ende November dürfen Gastronomen keine Gäste bewirten. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Als Gastwirt sei es nicht seine Aufgabe, zu jammern, sagt Pascal Fetzer von der Krone Alt-Hoheneck. Stattdessen müsste man sich überlegen, wie man das Beste aus der Situation machen kann. Und etwas, das schon im Frühjahr geklappt hat, kann ja nicht so verkehrt sein. Also gibt es nun wieder „die Krone für daheim“. Wechselnde Speisen können zu den Öffnungszeiten abgeholt werden. „Man kann sich auch zu Hause wie im Gastraum fühlen“, sagt Fetzer.

Ähnlich sieht das Christoph Rieger vom Gasthaus Allgäu. Auch dort können Speisen abgeholt werden. „Ich muss ja irgendwas tun“, sagt der Wirt. Außerdem sei er das seinen Gästen schuldig. Schon im Frühjahr sei das Essen zum Mitnehmen sehr gut angenommen worden. Dafür gibt es eine Extrakarte, auf der auch saisonale Gerichte stehen. Derzeit ist das etwa Wildragout. Liefern sei für ihn keine Option gewesen. „Das ist eine heikle Sache“, sagt er. Die schlechten Löhne für die Ausfahrer seien für ihn ein Grund gewesen, sein Essen nicht zu liefern.

Ob er auch Lieferung anbietet, darüber denkt Jörg Böhm vom Ratskeller nach. Doch zuerst konzentriert er sich auf die Abholung, hat dafür ein Onlineformular auf seiner Internetseite eingebaut. Bei der Schließung im Frühjahr habe er keine Speisen zum Abholen angeboten. Damals habe er die Zeit genutzt, um zu renovieren und sich auf die Gartensaison vorzubereiten.

Um einzelne Reparaturen im Restaurant kümmert sich im November die Familie Moro von La Signora Moro am Marktplatz. Speisen zum Abholen biete man jetzt nicht an, so Germano Moro. Im Frühjahr habe man bemerkt, dass relativ wenige Essen abgeholt werden. „Das Restaurant müssen wir aber genauso hochfahren“, so Moro. Vor allem der Pizzaofen koste im Betrieb sehr viel Strom. Da seien die Kosten höher als die Einnahmen. Auch, weil das Personal beim Take-away-Essen trotzdem arbeitet und bezahlt werden muss.

Für Frank Seidel von Seidels Salatbar ist das Personal genau der Grund, warum er wie schon im Frühjahr wieder Essen zum Mitnehmen anbietet. „Wir machen das eigentlich nur für das Personal, damit die Mitarbeiter wenigstens ein bisschen Geld bekommen“, sagt Seidel. Der Zuspruch sei bisher „ganz okay“, zufriedenstellend jedoch nicht. Während der ersten Zwangsschließung habe er allen Aushilfen kündigen müssen, für die Abholung von Speisen habe nur die Familie gearbeitet. Den November über arbeiten alle mit reduzierten Stunden. „Wenn das mal alles vorbei ist, dann brauch ich meine Mitarbeiter ja wieder“, so Seidel. Deshalb habe er sie jetzt nicht verlieren wollen. Verlorengegangen ist dafür etwas anderes: Seidels Freude, zur Arbeit zu gehen. „Es macht einfach keinen Spaß mehr“, sagt er. Vor allem auch, weil es von der Politik keine eindeutigen Aussagen zu Hilfen geben würde. „Jeder spricht mich an und sagt: Ihr Gastronomen bekommt ja so viel Geld“, so Seidel. Aber bisher sei alles noch sehr vage, außerdem unklar, ob Gastronomen, die für Abholung geöffnet haben, überhaupt unterstützt werden. „Nachher werde ich noch bestraft, weil ich aufhabe, und bekomme kein Geld“, befürchtet er.

Ein paar Stunden nach dem Gespräch mit Frank Seidel teilten Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Details des Programms mit. Durch die sogenannte Novemberhilfe bekommen Unternehmen, Betriebe und Vereine, die nun wegen der neuen Coronaverordnung schließen müssen, in den Wochen der Schließung 75Prozent des Umsatzes im November 2019. Laut Ministerium bekommen Gastronomen auch Geld, wenn sie Essen zum Mitnehmen verkaufen. Allerdings wird bei Restaurants, die Take-away anbieten, die Förderung nur auf den Umsatz der im Haus verzehrten Speisen im November 2019 angerechnet. Dafür wird der Umsatz aus dem Außer-Haus-Geschäft nicht auf die Förderung angerechnet. Es gibt also nicht weniger Geld vom Staat, wenn das Abhol-Geschäft besser läuft.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) begrüßt laut einer Pressemitteilung, dass die Politik mit den Novemberhilfen ihre Zusage für eine Entschädigung der finanziellen Ausfälle eingehalten hat. „Das sind gute und mutmachende Nachrichten für unsere notleidenden Betriebe“, wird Dehoga-Präsident Guido Zöllick in der Meldung zitiert. Nun sei es wichtig, dass die sogenannte Novemberhilfe auch noch in diesem Monat bei den Betroffenen ankomme. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand. Laut Bundeswirtschaftsministerium sollen die Abschlagszahlungen so schnell wie möglich erfolgen, voraussichtlich bis Ende November.

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