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Grünbühl

Versuchsfeld für neue Wohnformen

Beim Ludwigsburger Trialogsommer haben Stadtverwaltung und die städtische Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) über die Bebauung des ehemaligen Bima-Geländes in Grünbühl informiert. Auf dem Areal entsteht in den nächsten fünf bis sechs Jahren ein Versuchsfeld für neue Wohnformen.

Hier in Grünhbühl will die Wohnungsbau Ludwigsburg Raum schaffen für neue Wohnformen. Foto: Holm Wolschendorf
Hier in Grünhbühl will die Wohnungsbau Ludwigsburg Raum schaffen für neue Wohnformen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der Trialogsommer soll Bürgern die Möglichkeit bieten, mit Stadträten und Mitgliedern der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen. Dabei steht jeweils ein anderes Thema im Fokus. Beispielsweise das Wohnen bei einer Veranstaltung am Grünbühler Mehrgenerationenhaus.

Das Quartier wandelt sich derzeit massiv. Auf einem ehemaligen Gelände der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) mit in die Jahre gekommenen Wohnblocks südlich des Mehrgenerationenhauses zieht die WBL zwischen Weichsel- und Neißestraße ein neues Stadtviertel in die Höhe, das nach seiner kompletten Fertigstellung mit 420 Wohneinheiten für Ludwigsburger Verhältnisse beachtliche Dimensionen annehmen wird.

Obwohl die Stadt zuletzt etwa 200 Einwohner verloren habe, fehle es immer noch an bezahlbarem Wohnraum, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht, als er die Besucher auf dem Quartiersplatz am Mehrgenerationenhaus begrüßt. Insbesondere der Bedarf von Familien könne nicht gedeckt werden. „Das Wohnen ist zum Luxusgut geworden, auch wenn das nicht sein darf“, meint Knecht.

WBL-Geschäftsführer Andreas Veit verspricht, dass in dem als „Grünbühl Living“ bezeichneten Viertel Wohnraum mit bezahlbaren Mieten geschaffen wird. „Das ist nur durch den Verzicht auf Mieteinnahmen möglich.“ Sein Unternehmen habe einen „sozialen Auftrag“, das betreffe auch den Umgang mit den Bewohnern des ehemaligen Bima-Geländes.

Auf dem Areal standen oder stehen laut Veit 320 sehr einfache, hellhörige und kleine Wohnungen ohne Zentralheizung. 280 dieser Wohnungen waren oder sind noch belegt. Die WBL bietet den Anwohnern Zwischenlösungen in umliegenden Gebäuden oder in anderen Stadtteilen an. Ein Teil wird nach Grünbühl zurückkehren, andere langfristig in den Ausweichquartieren wohnen bleiben.

„Wir wollen keine Verdrängung, sondern eine sozialverträgliche Revitalisierung“, betont Veit. „Das wird gelingen, ohne ein einziges Mietverhältnis kündigen zu müssen.“ Er geht davon aus, dass sich die Gespräche mit den noch verbliebenen Altmietern einfacher gestalten werden, da diese nach voranschreitender Fertigstellung des Großprojekts direkt in die neuen Wohnungen umsiedeln können. „Das macht es leichter, weil die Leute nur einmal umziehen müssen“, so der Geschäftsführer.

Auch Dorothea Schlatter schaut sich an den Stellwänden auf dem Quartiersplatz Modelle und Grundrisse der Neubauten an. Als Pfarrerin der evangelischen Martinskirchengemeinde hat sie Einblicke in die Gemütslage jener Grünbühler, die ihre Wohnungen aufgeben müssen. „Zum Teil sind das ja Mitglieder meiner Gemeinde“, sagt die Pfarrerin. Ihr Eindruck: „Das kann natürlich nicht in allen Fällen funktionieren. Aber mein Eindruck ist schon, dass die WBL weitgehend auf die Bedürfnisse und Interessen der Bewohner Rücksicht nimmt.“

Im ersten Bauabschnitt an der Neißestraße entstehen derzeit zehn Mehrfamilienhäuser mit 107 Wohnungen, teils auch Eigentumswohnungen, und eine Kita mit 110 Plätzen. „Es läuft gut“, sagt Geschäftsführer Veit. „Mitte kommenden Jahres wird der erste Bauabschnitt fertig.“ Ende 2021 oder Anfang 2022 ist Baustart für weitere 75 Wohneinheiten an der Elbestraße. Veit geht davon aus, dass „Grünbühl Living“ in fünf oder sechs Jahren komplett fertiggestellt ist.

Das Quartier ist auch ein Versuchsfeld für neue Wohnformen. Das „Haus-in-Haus“-Konzept sieht Reihenhäuser mit eigenem Garten vor, über den Reihenhäusern ist Geschosswohnungsbau vorgesehen. Sogenannte Cluster-Wohnungen, in denen die Wohnbereiche um Gemeinschaftsflächen gruppiert werden, sollen Möglichkeiten für das Zusammenleben verschiedener Familiengenerationen oder auch freiwilliger Wohngemeinschaften bieten. „Lisa“, die Ludwigsburger Initiative für selbstbestimmtes Wohnen im Alter, ist eine solche Gemeinschaft. Acht Menschen wollen im „Grünbühl Living“ eine neue Heimat finden. „Wir sind alle sehr aktiv und wollen das auch im Alter bleiben“, sagt Bernadette Burger. Auf der Gemeinschaftsfläche im eigenen Stockwerk und in einem weiteren Gemeinschaftsraum des Mehrfamilienhauses könnten Veranstaltungen wie Kleinkunstausstellungen oder Kinderkino stattfinden. „Die WBL hat ein tolles Konzept entwickelt“, so Burger. „Wir hoffen, dass es mit den Mietwohnungen klappt. Über eine Genossenschaft oder ein Mietersyndikat ist es sehr schwierig, so etwas zu finanzieren.“

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