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Vesperkirche

Vesperkirche: Mittagessen gibt’s zum Mitnehmen

Ein gemeinsames Essen in der Friedenskirche war Anfang des Jahres nicht möglich – und ist es auch jetzt noch nicht. Doch so ganz wollen die Verantwortlichen auch in diesem Jahr nicht auf die Vesperkirche verzichten. Deshalb gibt es in den Ferien die Sommer-Vesperkirche to go. Besitzer eines Tafelausweises können sich Essen bei Ludwigsburger Gastronomen abholen.

Zusammen an einem Tisch, auch wenn man sich nicht kennt: Das ist der Grundgedanke der Vesperkirche. Das ist in diesem Jahr jedoch nicht möglich. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Zusammen an einem Tisch, auch wenn man sich nicht kennt: Das ist der Grundgedanke der Vesperkirche. Das ist in diesem Jahr jedoch nicht möglich. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Draußen ist es noch kühl, vielleicht fällt Regen, der Winter macht nur langsam dem Frühjahr Platz. Doch drinnen – in der Friedenskirche – ist es warm und gemütlich. Alle fühlen sich willkommen, alle bekommen ein warmes Essen serviert. Das ist der Grundgedanke der Ludwigsburger Vesperkirche. „Miteinander für Leib und Seele“, heißt es dort seit zwölf Jahren. Doch Anfang 2021 musste die Aktion – die damals schon anders geplant war als gewohnt – ganz abgesagt werden. „Wir mussten auch unsere Mitarbeitenden schützen“, so Diakoniepfarrerin Gisela Vogt. Doch nun kamen sie und Sozialarbeiterin Bärbel Albrecht auf eine neue Idee: Die Sommer-Vesperkirche „to go“ startet nächste Woche. „Viele unserer Gäste haben in den letzten Jahren gesagt, die Vesperkirche sei wie Urlaub“, so Gisela Vogt. Diesen Gedanken habe man nun aufgegriffen. In den Sommerferien können sich alle, die einen gültigen Tafelausweis haben, Bons kaufen und diese bei sieben Gastronomen in der Stadt einlösen. „So wollen wir zumindest für ein bisschen Urlaubsfeeling sorgen“, erklärt Vogt.

Die Essensbons werden ab Montag, 2.August, montags bis donnerstags von 11 bis 12Uhr im Markt 8 am Marktplatz verkauft. Alle Menschen, die einen Tafelausweis haben, können Bons für 1,50Euro pro Essen erwerben. Mit dazu gibt es jede Woche eine Postkarte mit einer Geschichte. „Damit es nicht nur etwas für den Leib, sondern auch für die Seele gibt“, so Bärbel Albrecht. Die Bons sind nicht an einen Tag, jedoch an ein Restaurant gebunden. Sie können bis Ende September bei einem der sieben teilnehmenden Restaurants das Mittagessen abholen.

Mit dabei sind die Metzgerei Lemberger, der Ratskeller, die Weinstube Klingel, das Café Lutz, das italienische Restaurant La Signora Moro, das mexikanische Restaurant Frida y Diego und das Kullman’s Dinner. Das Essen gibt es zum Mitnehmen. „Bei schönem Wetter kann es zum Beispiel auch als Picknick gegessen werden“, so Bärbel Albrecht. Für die Klientel, die sonst von der Vesperkirche profitiert, sei es etwas Besonderes, sich das Essen bei einem Restaurant zu holen.

Zur normalen Vesperkirche dürfen alle Menschen kommen und bekommen für 1,50Euro ein Mittagessen. Die Sommer-Vesperkirche ist nur für Menschen mit Tafelausweis. „Alle anderen können ja auch so in die Restaurants“, so Gisela Vogt.

Für die Gastronomen ist die Vesperkirche to go ein Risiko. Schließlich wissen sie nicht, wie viele Menschen jeden Tag ihr Vesperkirchen-Essen abholen. Die Organisatoren wissen es auch nicht, kalkulieren vorerst mit etwa 20Essen pro Gastronom und Tag. „Es wird langsam anlaufen und sich dann rumsprechen“, vermutet Bärbel Albrecht. So sei es bei der gewohnten Vesperkirche auch immer. Die Pauschale, die die Gastronomen pro Essen bekommen, wird auch durch Spenden an die Vesperkirche finanziert. „Alle, die eine Vesperkirchentasche gekauft haben, unterstützen diese Aktion“, so Martin Strecker, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. Die Taschen wurden schon Anfang des Jahres verkauft, als man noch davon ausging, dass eine Vesperkirche to go im Februar möglich ist.

Für 2022 wird wieder eine gewohnte Vesperkirche geplant

Das Gemeinschaftsgefühl, ein Grundgedanke der Vesperkirche, kommt bei dieser Aktion nicht auf. „Es schmerzt uns alle sehr, dass das nicht geht“, so Martin Strecker. Aber in der aktuellen Situation sei der Grundgedanke, dass Menschen an einem Tisch sitzen, die normalerweise nicht an einem Tisch sitzen, nicht umsetzbar. Es könnten außerdem viel weniger Menschen in die Friedenskirche gelassen werden, der Abstand müsste gehalten werden, es müsste kontrolliert werden, ob alle genesen, getestet oder geimpft sind. „So, wie wir es machen wollen, ist es einfach nicht erlaubt“, sagt Martin Strecker.

Deshalb habe man sich für dieses Jahr für die Sommer-Vesperkirche to go entschieden. Für 2022 hoffen die Verantwortlichen jedoch, dass wieder eine gewohnte Vesperkirche in der Friedenskirche möglich ist. Nach den Sommerferien steigen sie in die Planungen ein – auch auf die Gefahr hin, dass alles kurzfristig wieder umgeworfen werden muss. An dem Termin im Februar wollen die Organisatoren festhalten. Wenn man eine Vesperkirche im Sommer etablieren wollte, so Gisela Vogt, müsste es unter freiem Himmel sein, nicht in der Kirche. „Im Februar passt das einfach: Während es draußen unwirtlich ist, können wir drinnen wirtlich sein“, sagt die Pfarrerin.

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