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Viel klassischer Jazz und zum Schluss eine Prise Pop

In einen riesigen Konzertsaal hat sich das Einkaufszentrum Breuningerland gestern beim Jazz on a Sunday verwandelt. Zum 17. Mai hat dieses kleine Musikfestival stattgefunden.

Das Jugend-Jazzorchester Baden-Württemberg macht den musikalischen Anfang. Foto: Ramona Theiss
Das Jugend-Jazzorchester Baden-Württemberg macht den musikalischen Anfang. Foto: Ramona Theiss

Rund 1000 Besucher auf drei Etagen und fünf Musikgruppen, so lässt sich dieses Event in Zahlen fassen. Bei trübem Winterwetter ließen es sich die Freunde der Jazzmusik gut gehen, vertraten sich beim Bummel entlang der geschlossenen Geschäfte die Füße und konnten sich dank des gastronomischen Angebots stärken.

Durchhaltevermögen war definitiv gefragt: Morgens um elf Uhr machte das Jugend-Jazzorchester Baden-Württemberg den Anfang, den musikalischen Schlusspunkt setzte Vintage Vegas mit Swop, einer Mischung aus Pop und Swing, am späten Nachmittag. Jazz ist nämlich noch lange nicht gleich Jazz.

Auf der Bühne stand auch der Erfinder des Jazz on a Sunday, Bernd Marquart. Der Trompeter und Flügelhornist trat gemeinsam mit Ehefrau Ellen, dem Jazzbassisten Joel Locher und Drummer Willy Ketzer auf die Bühne. Der Schlagzeuger hat 33 Jahre im Trio des unvergessenen Musikers Paul Kuhn (1928..2013) mitgespielt und schwärmte gestern von dieser Zeit: „Das war einfach super.“ Gerne war er der Einladung von Ellen und Bernd Marquart gefolgt, um in Ludwigsburg als Teil des Quartetts „Blues und Scat“ aufzutreten. Dicht gedrängt standen die Jazzfans vor der Bühne, um den musikalischen Genuss hautnah zu erleben.

18 Jahre ist es her, dass Bernd Marquart den damaligen Chef des Breuningerlandes gefragt hat, was denn sonntags in dem Einkaufscenter los sei. „Machen Sie doch ein Jazzfestival“, lautete die Antwort, und Bernd Marquart übernahm die künstlerische Leitung. „Die Veranstaltung war gleich das erste Mal ein Erfolg“, erinnerte sich der Organisator, der in den folgenden Jahren Größen wie den verstorbenen Jazz-Saxophonisten Johnny Griffin, den ebenfalls verstorbenen Sänger Roger Cicero, Mitch Winehouse, Max Mutzke und Helge Schneider nach Ludwigsburg holen konnte.

„Es ist toll, dass das Center-Management diese Veranstaltung unterstützt“, so Marquart. Geld verdienen könne man damit nämlich nicht. Bewährt hat es sich, dass zwei Bühnen aufgebaut sind, so dass die Besucher nahezu übergangslos alle Auftritte verfolgen können, indem sie von einer Location zur anderen pilgern. Ein Teil aus dem Ticketverkauf kommt übrigens Helferherz, einer Aktion der Ludwigsburger Kreiszeitung, zugute. Die Moderation übernahm Matthias Holtmann, selbst Musiker und ehemaliger SWR-Hörfunkmoderator.

Um den Nachwuchs an talentierten Jazzmusikern muss man sich nicht sorgen, wie der Auftritt des Jugend-Jazzorchesters bewies. Das Repertoire reicht von Big-Band-Sound bis Improvisation. Den Stilrichtungen Dixieland und Swing haben sich die sieben Musiker der Allotria Jazzband aus München verschrieben. Sie konzentrieren sich auf Kompositionen der 20er- und 30er Jahren, arrangieren diese jedoch neu und hauchen dadurch neues Leben ein.

Zum wiederholten Mal beim Jazz on a Sunday dabei war Max Greger jr., der mit seinen 67 Jahren mittlerweile ein Senior ist. Begleitet wurde der renommierte Pianist, von Jazzbassist Mini Schulz, Drummer Obi Jenne und der Sängerin Eva Leticia Padilla, die über eine ebenso warme wie kraftvolle Stimme verfügt. Begeistert applaudierten die Zuhörer, die auch von den oberen Etagen einen guten Blick und ebensolchen Sound genossen, bei Stücken wie „Besame Mucho“, „Summertime“ oder „Let the good time roll“.

Einen Kontrast dazu bildeten das Repertoire und die Performance von Vintage Vegas. Las Vegas und die Zeit des Rattenpacks mit Dean Martin, Sammy Davis jr. und Frank Sinatra lässt grüßen, wenn die drei Sänger Giovanni Zarrella, Tom Marks und Inan Lima auftreten. Sie verpacken Popsongs in coolen Swingsound und bringen eine gute Show mit gekonnten Tanzeinlagen auf die Bühne. Charmant flirteten sie gestern mit Konzertbesucherinnen und gaben – ganz in der Tradition des Ratpacks – Anekdoten zum Besten. In den Bauer-Studios in Ludwigsburg hat Vintage Vegas übrigens im Jahr 2014 ihr erstes Album mit dem Titel „Only Man in the World“ aufgenommen.

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