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Brenz Band

Viele Ohrwürmer und VfB-Hymne

Von Quito in die Cannstatter Kurve ist es nur ein Katzensprung. Wenigstens für die Brenz Band. Auf ihrer Tour durch Ecuador erreicht sie der Ruf des VfB Stuttgart. Beides dokumentiert jetzt ein Buch, das am Freitag im Scala beim Benefizkonzert druckfrisch präsentiert wurde.

Von der ersten Note an kocht der sehr gut besuchte Saal im Scala beim Benefizkonzert der Brenz Band. Foto: Benjamin Stollenberg
Von der ersten Note an kocht der sehr gut besuchte Saal im Scala beim Benefizkonzert der Brenz Band. Foto: Benjamin Stollenberg

Ludwigsburg. Der Ludwigsburger Fotograf Rainer Pfisterer begleitet 2017 zusammen mit dem Journalisten Ingmar Volkmann die bunte Truppe behinderter und nicht behinderter Musiker auf ihrer Reise in Südamerika. Zum 40. Geburtstag wollen sie der Brenz Band, den „unbeschreiblichen Glücklichmachern“, einen Bildband schenken. Es entstehen dabei Aufnahmen und Porträts eines mitreißenden Konzerttrips, gestaltet von dem Ludwigsburger Grafiker Michael Holzapfel. Über einen Zeitungsbericht der besonderen Band stolpert Steffen Lindenmaier. Er ist beim VfB zuständig für „die gute Sache“. Er will die Brenz Band zum Inklusionstag des Vereins im April haben. Er kontaktiert Pfisterer. 10.000 Kilometer voneinander entfernt telefonieren die beiden. Zurück im Ländle wird die Zusammenarbeit vertieft. Der Plan: Die Hymne „Für immer VfB“ soll zusammen mit den Urhebern „Die Fraktion“ neu eingespielt werden. Mit der wahrscheinlich schrägsten Besetzung der Welt: Dudelsäcke und Tröten, Schlagzeug und Akkordeons – auch falsch herum vor dem Bauch.

Das passiert in den Ludwigsburger Bauer Studios. Der renommierte Ludwigsburger Jochen Laube produziert dazu ein Video. „Es war ein wunderbares Gemeinschaftswerk, das alle Beteiligten zu Freunden machte“, sagt Pfisterer. Auch das ist alles in dem Buch „Die Brenz Band – von Quito in die Cannstatter Kurve“ dokumentiert. Für die Aufnahmen hat „VfB-Fairplay“ eigene Trikots herstellen lassen. Statt wie üblich „Mercedes Benz Bank“ wurde auf dem Brustring gefragt: „Was ist Inklusion?“. Über ein Dutzend Antworten wurden darunter gedruckt.

Premiere hatte das Video mit der Hymne am Inklusionstag, gezeigt auf den Großleinwänden vor dem Anpfiff beim Spiel des VfB gegen Werder Bremen am 20. April 2018. Die Brenz Band darf vorher vor 55.000 Fußballfans eine Ehrenrunde über den Rasen drehen. Für die eingefleischten VfB-Anhänger eine Reisensache. Seither wird der Clip vor jedem Heimspiel gezeigt. Keine Eintagsfliege also. Sogar zum Festakt zum 125-jährigen Jubiläum wird die Brenz Band engagiert.

Beim Benefizkonzert der Brenz Band im Scala wird das Buch erstmals vorgestellt. 2000 Exemplare wurden ihnen von den Herausgebern Pfisterer, Volkmann und Holzapfel geschenkt. Alle Beteiligten haben auf Gage und Honorar oder Mieten verzichtet. Spenden wurden für die Aufwendungen gesammelt. Dazu übernahmen die Mercedes Benz Bank, die Wirtschaftsprüfer Ebner Stolz, Kolping Bildung und VfB Fairplay unter anderem die Kosten für den Druck bei Ungeheuer und Ulmer. Der Effekt: Die 20 Euro, die das Buch kostet und auf Konzerten verkauft wird, wandern eins zu eins in die Bandkasse.

Von der ersten Note an kocht der sehr gut besuchte Saal im Scala. Rund 400 Besucher wollten weder Benefizkonzert noch Buchpräsentation verpassen. „Che Sera“, „Marina“, „Song of Jamaica“ und viele andere Ohrwürmer gehören zum Standard-Repertoire der Brenz Band. Das Duo Dulcimus lässt den wohlklingenden Charme der alten Dulcimer aufleben, kombiniert mit dem erdigen Rhythmus der Djembe. Sie spielten volkstümliche Weisen aus verschiedenen Ländern vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Martin Oesterle und Andreas Schubert begleiten seit Langem die Auftritte der Brenz Band.

Kurz vor der Halbzeitpause wird das siebenminütige VfB-Video gezeigt. Highlight des Abends: das Finale. Musiker von „Die Fraktion“ sind nur für diesen Auftritt aus Berlin eingeflogen, um gemeinsam „Für immer VfB“ zu singen. Gänsehaut. Das ließ es in der Spendenbüchse nicht nur klimpern, sondern auch rascheln.

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