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Ausstellung
Volker Lehnert zeigt im Kunstverein einige seiner schwarz-weißen und farbigen Lithographien

In der Weite liegt die Kraft: Volker Lehnert und seine kunstvollen Lithographien. Fotos: Holm Wolschendorf
In der Weite liegt die Kraft: Volker Lehnert und seine kunstvollen Lithographien. Fotos: Holm Wolschendorf
In der Weite liegt die Kraft: Volker Lehnert und seine kunstvollen Lithographien. Fotos: Holm Wolschendorf
In der Weite liegt die Kraft: Volker Lehnert und seine kunstvollen Lithographien. Fotos: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der Betrachter könnte in diesen Kunstwerken förmlich versinken: Was auf den ersten, ganz flüchtigen Blick vielleicht wie wildes Gekritzel anmutet, ist auf den zweiten, genaueren ein faszinierendes Zusammenspiel von Formen, Linien und Flächen. Wimmelbilder für Fortgeschrittene gewissermaßen. Der Fokus von Volker Lehnert liegt auf Druckverfahren, und hier hat es dem Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart besonders die Lithographie angetan – jenes Verfahren, bei dem eine Stein- oder Aluminiumplatte so bearbeitet wird, dass die Farbe beim Druck den vorgegebenen Strukturen folgt. Für jede der bis zu zehn Farbebenen wird eine eigene Platte benötigt. Viel Arbeit.

Er sei einer der wenigen, die überhaupt noch damit arbeiteten, betont der gebürtige Saarbrücker, der eine größere Auswahl seiner Werke ab Donnerstag im Kunstverein Ludwigsburg präsentiert. Von diesen wenigen würden zudem nur die wenigsten noch am Ende selbst drucken. „Dabei gehört das für mich zum Gestaltungsprozess zwingend dazu!“ Er möchte das kurz vor Schluss nicht aus der Hand geben: Noch während des Druckens entscheidet er über das Ergebnis, etwa die Zahl der Farben. „Es ist ein sinnlicher Vorgang“, schwärmt der Künstler, „intellektuell, und doch zugleich handwerklich.“

Diese Kunstrichtung soll nicht aussterben, deshalb gibt er seine Begeisterung an so viele Schüler wie möglich weiter. Lithographie sei keine Frage der Nostalgie, nur weil der Lehrberuf seit 1956 nicht mehr existiere, sondern nach wie vor ein zeitgenössisches Ausdrucksmittel, das nicht einfach so zu ersetzen sei. 20 bis 30 Zeichnung flössen oft in eine einzige Grafik ein – sie ist am Ende die krönende Essenz eines langen Prozesses.

Auf Reisen sammelt Lehnert, der in Stuttgart und Witten lebt, Eindrücke, zeichnet und malt, als Ausgangspunkt für die weitere Arbeit im Atelier. Am Ende steht die, wie er es nennt, „grafische Formulierung“: eine Konzentration des sinnlichen Erlebnisses vor Ort in einem Werk. Häufig fließen dabei verschiedene Themen, Orte und Blickwinkel ein. Angetan haben es Lehnert vor allem raue, felsige Landschaften, Architektur – und urbane Graffiti-Arbeiten. Diese verbindet er auf unterschiedlichste Weise: „Ich spiele mit den Eindrücken, die ich überall sammle.“ So taucht hier ein Jesus-Kopf aus Neapel auf, dort die Umrisse einer venezianischen Kirche. Von der kanarischen Insel Fuerteventura wiederum stammen viele seiner kargen Wüstenbilder, in denen schroffe, wilde Strukturen aufeinanderprallen. Dort greift er häufiger auf eine monochrome Gestaltung zurück: So kommt die 15-teilige Serie „Das Geröll“ (2021) ohne Farbe aus, allerdings sorgen die unterschiedlichen verwendeten Schwarztöne für eine „Farbigkeit im Schwarzen“ (Lehnert).

Im großen, lichten Ausstellungsraum des Ludwigsburger Kunstvereins hat der Künstler nun eine so naheliegende wie simple Präsentationsform für seine sehenswerten Arbeiten gewählt: Er hat sie mittels mit Silikon befestigter Magnete an der Wand aufgehängt, ohne Rahmen, ohne alles – das pure Blatt. Deutsches Büttenpapier von der Stärke eines dünnen Kartons, das an den Rändern leicht zerfasert. „Bitte nicht anfassen“ gilt natürlich auch hier, denn die Hängung hängt vor allem mit der Konstruktion des Raumes zusammen: In den weiß getünchten Betonwänden lassen sich schließlich nur schwerlich Verankerungen anbringen, vor allem nicht mehrere Dutzend auf einen Schlag. Und doch ist Lehnert zufrieden. Sein Kommentar: „Es ist lapidar, aber es geht – der Charakter des Blattes, diese Direktheit, das kommt gut an.“ Stellwände sind nicht so sein Ding, auch wenn der Raum in diesem Fall vielleicht mehr Luft als nötig hat. Und der Vergleich mit dem Wimmelbuch? Da sei schon was dran, sagt Lehnert und lächelt. „Man muss in den Bildern spazieren gehen – ich habe eine große Fabulierlust, die einen auch manchmal überfordern kann.“

Info: Die beiden Ausstellungen werden am Donnerstag um 18.30 Uhr im Kunstverein im MIK eröffnet. Bis zu 30 Personen können daran teilnehmen – es wird zudem einen Livestream geben, der auch danach noch abgerufen werden kann. Die Ausstellungen sind bis 20. Januar donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Infos unter www.kunstverein-ludwigsburg.de.