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Geschichte

Von den Anfängen der Tageszeitung

„Die Ludwigsburger Kreiszeitung gehört zur Stadt“, so die Vorsitzende des historischen Vereins, Elfriede Krüger. Den letzten Vortrag des Jahres hielt Dr. Silke Knappenberger-Jans über die lange Geschichte der Lokalzeitung.

Dr. Silke Knappenberger-Jans mit dem von ihr geschriebenen Buch über die 200-jährige Geschichte der Ludwigsburger Kreiszeitung. Foto: Holm Wolschendorf
Dr. Silke Knappenberger-Jans mit dem von ihr geschriebenen Buch über die 200-jährige Geschichte der Ludwigsburger Kreiszeitung. Foto: Holm Wolschendorf

Über anderthalb Jahre forschte die Historikerin im Auftrag des Verlags Ungeheuer und Ulmer. Sie stöberte in den Kellern der Körnerstraße, grub in den Archiven, sichtete Bilder. Ergebnis ist ein 350 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Wertvolles Lesen“, das sie am Donnerstagabend in Auszügen vorstellte. Die LKZ mit ihren Vorgängerblättern sei die älteste noch existierende Zeitung mit Vollredaktion in Württemberg, sagte sie.

Es war Friedrich Nast, der sich schließlich nach zähen Bemühungen gegen viele andere Bewerber um eine Zeitungslizenz beim Herrscher durchsetzte. Am 1. Juli 1818 erschien die erste Ausgabe des Ludwigsburger Wochenblatts. Es war ein so- genanntes Intelligenzblatt, also eine Zeitung für amtliche und private Anzeigen. Vier Seiten stark, hatte es das Format eines kleinen Schulhefts und kam jeden Dienstag heraus. „Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, meint Knappenberger-Jans.

Ludwigsburg war eine aufstrebende Stadt mit Militäreinrichtungen und Gewerbeansiedlungen. Sie war Sitz der Regierung des Neckarkreises und einer Finanzkammer, weshalb lesefähige und bildungsorientierte Beamte mit ihren Familien zuzogen. Nast war Antiquar, aus einer alteingesessenen Ludwigsburger Buchbinderfamilie. Ihn charakterisiert Knappenberger-Jans als tüchtig, umtriebig, wirtschaftlich geschickt und strategisch denkend sowie mit einem Gespür für Marktlücken. Zum Beispiel einer Leihbücherei. „Nasts breite geschäftliche Aufstellung und finanzielle Unabhängigkeit kam der Zeitung sicher zugute, half über anfängliche Durststrecken hinweg und ermöglichte Investitionen“, analysierte Knappenberger-Jans. Außerdem war er gut vernetzt. Sein Sohn Carl Friedrich stand ihm in nichts nach. Er eröffnete eine Buchhandlung und gab Adressbücher heraus. Von Anfang an diente die Zeitung den Verlegern als Medium, um soziale oder gesellschaftliche Belange zu organisieren. Immer mehr wurde sie zur Service- und Informationszentrale von Ludwigsburg. In der Redaktion wurden nicht nur Anzeigen angenommen, sondern auch Auskünfte über Waren und Dienstleistungen erteilt, Theaterkarten wurden verkauft, man war Fundbüro, Wohnungs- und Arbeitsvermittlung. Es wurden Hilfsaktionen und Feste organisiert.

Die Ära der Dynastie Nast reichte bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Es folgten Ferdinand Riehm und Heinrich Theurer. Ab 1872 war Heinrich Ungeheuer neben Louis Greiner Besitzer des Unternehmens. Mit Moriz Ulmer, der 1896 die Hälfte des Unternehmens erwarb und Schwiegersohn von Ungeheuer wurde, beginnt dann die Zeit des Verlags Ungeheuer und Ulmer und der Verlegerfamilie Ulmer, die bis in die Gegenwart reicht.

„Von freier Presse und politischer Berichterstattung war man am Anfang noch weit entfernt“, erklärt Knappenberger-Jans. Es herrschte Zensur. Das vollzog sich im Dritten Reich noch dramatischer. Schritt für Schritt wurde die Verlegerfamilie enteignet. Es wurde erpresst, gedroht, diffamiert und bespitzelt. 1936 gab sie zwangsweise 51 Prozent ihrer Anteile an die Nazis ab. Als Gerhard Ulmer 1938 nach der Pogromnacht öffentlich äußerte, er schäme sich angesichts der Ereignisse Deutscher zu sein, war der entscheidende Vorwand gefunden, ihn 1939 gänzlich und mit massiven persönlichen Angriffen aus dem Verlag zu drängen. Zehn Jahre später wurde die Lizenz von der amerikanischen Militärverwaltung wieder erteilt.

Beeindruckt sei sie gewesen, erzählte Knappenberger-Jans im anschließenden Gespräch mit LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus, dass alle Ausgaben über 200 Jahre lückenlos erhalten sind. Schmunzeln musste sie beim Bild des Zeitungsgründers Nast, der Anzeigen aufnimmt, Informationen sammelt, Zeitungen ausgibt, dazu noch entflogene Kanarienvögel und vergessene Brillen hütet. Nachdenklich machte sie die Verlagsgeschichte im Dritten Reich. „Es ist erschreckend, wie massiv die Verleger bedrängt wurden.“ Das Verlags- und die staatlichen Archive seien ihr wichtige Quelle gewesen und auch der Geschäftsführer Gerhard Ulmer habe Familienschränke durchsucht. Als Parallelen aus der Vergangenheit zur Gegenwart sieht Knappenberger-Jans das Bedürfnis der Leser, solide und zuverlässig informiert zu werden, immer das Neueste zu erfahren. Die Verleger des 19. Jahrhunderts hätten für Meinungsfreiheit und freie Presse gekämpft. Es sei ein hohes Gut, wobei eine offene Debattenkultur mit Respekt für die Gegenmeinung wichtig sei.

Info: Das Buch „Wertvolles Lesen – 200 Jahre Ludwigsburger Kreiszeitung“ ist im Buchhandel und im LKZ-Kundencenter zum Preis von 39,90 Euro erhältlich.

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