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Von den Randalen auf dem Akademiehof ist nicht mehr viel zu sehen

Der Akademiehof stand lange Zeit in einem schlechten Licht. Immer wieder Polizeieinsätze, Prügeleien, Randale. Seit einigen Monaten hat sich das Image des Platzes jedoch deutlich gebessert. Alle Probleme sind aber noch nicht beseitigt.

Eine Gruppe Studenten entspannt unter den Bäumen auf dem Akademiehof. Mehr Sonnenschutz würden sie begrüßen. Fotos: Holm Wolschendorf
Eine Gruppe Studenten entspannt unter den Bäumen auf dem Akademiehof. Mehr Sonnenschutz würden sie begrüßen. Fotos: Holm Wolschendorf
Manche nutzen die Sonne, um zu lernen.
Manche nutzen die Sonne, um zu lernen.

Ludwigsburg. Mittagszeit in Ludwigsburg. Die Sonne knallt auf den Asphalt, die Vögel zwitschern. Eine große Gruppe Studenten der Filmakademie hat es sich im Schatten der Bäume auf dem Holzboden am Akademiehof gemütlich gemacht. Dort verbringen die rund 30 jungen Erwachsenen fast jeden Tag ihre Mittagspause und genießen das Wetter und ihr Essen. Ein paar Meter weiter liegt ein Mann in der Sonne und macht ein Nickerchen, eine Frau liest auf der anderen Seite der Wiese ein Buch., drei Freundinnen lernen daneben. Obwohl viele Menschen die Sonne genießen, ist es zur Mittagszeit ruhig und friedlich.

Was fehlt noch?

Viel mehr braucht man auf dem Akademiehof nicht, zumindest, wenn es nach der großen Studentengruppe geht. An sich sind sie mit dem Platz zufrieden, wichtig fänden sie Stühle oder sogar Liegestühle, auf denen man noch besser entspannen kann. Die Sitzmöglichkeiten seien momentan zu limitiert. Überdachungen würden sie auch sehr begrüßen. Sowohl für regnerische Tage, damit man trotzdem draußen beisammen sitzen kann, als auch als Sonnenschutz. Sonnensegel über den Bäumen oder Schirme würden hier schon helfen, finden sie. Ein Wasserspender oder einen kleinen Kiosk, um sich mit Snacks und Getränken zu versorgen, fänden sie ebenfalls wünschenswert. Verbesserungsbedarf sehen sie hauptsächlich bei der Sauberkeit. „Überall liegen Zigarettenstummel rum." Dabei gibt es sogar einige Mülleimer, die aber scheinbar für manche Raucher zu weit weg sind.

Belebter und vor allem lauter ist der Platz abends. Da treffen sich auf dem Akademiehof Jugendliche und junge Erwachsene freitags und samstags, um Party zu machen. Dabei fließt viel Alkohol. Auch die Studenten kommen am Ende des Tages gerne für ein Feierabendbierchen auf die Wiese. Was ihnen fehlt: Tischtennisplatten, Möglichkeiten für eine Slackline oder Outdoor-Spiele, die man ausleihen kann. Aktuell muss man Spiele noch selbst mitbringen, um sich die Zeit zu vertreiben. Wikinger-Schach, Boccia oder Volleyball kamen schon auf der Wiese zum Einsatz und erfüllten den Platz nach Feierabend mit Leben. Dafür wünschten sie sich eine bessere Beleuchtung, zum Beispiel mit Lichterketten zwischen den Bäumen. Das Flutlicht, dass den Platz auf Knopfdruck taghell erleuchten kann, erfülle diesen Zweck natürlich nicht, meint die Gruppe.

Akademiehof ist alternativlos

Auch wenn sich die Lage in den letzten Monaten gebessert hat, finden sie: „Abends kann es anstrengend werden." Zu viele Menschen, zu wenig Platz, Musik aus unterschiedlichen Genres und Himmelsrichtungen. Das Problem: Der Akademiehof ist quasi alternativlos. Das sehen die Studenten genauso: „Es gibt nichts im Freien, wo man sonst hingehen kann." Einen Platz wie diesen gäbe es kein zweites Mal in Ludwigsburg.

In den vergangenen Jahren wurde der Platz etliche Male von der Polizei geräumt und teils sogar gesperrt. Grund dafür waren Schlägereien, Vandalismus und sexuelle Belästigung, die das Image stark beschädigt haben. Seit Dezember 2021 sind es aber deutlich weniger Vorfälle.

Ein Problem, über das sich nicht nur Hoteliers rund um den Akademiehof beschweren, sind Wildpinkler. Jugendliche verrichten ihr Geschäft lieber schnell im nächsten Busch, bevor sie vor den Toiletten warten müssen. Wie Oberbürgermeister Matthias Knecht kürzlich sagte, halte er das Angebot mit ein paar Toiletten für ausreichend.

Bemühungen der Stadt

Die Stadt will den angeknacksten Ruf der Wiese jetzt aufbessern. Aktionen sind den gesamten Sommer über geplant. Ab Juli öffnet eine Container-Bar, an der sich die Gäste jeden Abend Drinks holen können. Mitgenommen dürfen Getränke aber natürlich weiterhin. Ein Poetry-Slam am 8. Juli soll Spaß für Zuhörer und eine Bühne für Dichter, Comedians und andere „Slammer" bieten. Ein Mitternachtskino zeigt an mehreren Tagen Ende August von der Filmakademie ausgewählte Streifen.

Der Akademiehof ist definitiv nicht mehr der laute und von randalierenden Teenagern verschmutze Platz, als der er bekannt wurde. Er ist tagsüber ein schöner Platz zum Entspannen, bleibt aber weiterhin ein Ort zum Feiern am Abend. Dabei sind noch nicht alle Probleme gelöst. Mehr Sitzmöglichkeiten und mehr Schatten fordern die Besucher. Der Akademiehof ist auf dem besten Weg sein zweifelhaftes Image abzulegen.

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