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Open-Air-Kino

Von Grasdackeln und Glotzböbbeln

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Dominik Kuhn alias Dodokay bekannt, als er begann, Filmausschnitte und Kameraauftritte von Politikern auf Schwäbisch zu synchronisieren. Am Freitagabend lief im Open-Air-Kino in der Karlskaserne sein erster abendfüllender Kinofilm.

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Der Komiker Dominik Kuhn vor der Premiere in der Karlskaserne beim Interview.Foto: Wolschendorf

Ludwigsburg. Er habe schon lange davon geträumt, einen Kinofilm zu synchronisieren, sagt Dodokay, der am Freitagabend selbst in die Karlskaserne gekommen ist. Wie so oft scheiterte dieses Vorhaben allerdings am nötigen Kleingeld. „Die Rechte sind unglaublich teuer“, erzählt der Comedian einem Moderator, der ihn eine Stunde vor Beginn der Vorführung interviewt. Schließlich aber konnte er sein Vorhaben doch in die Tat umsetzen, als er auf dem Stuttgarter Schlossplatz mit Alice Brauner, der Tochter des legendären Filmproduzenten Atze Brauner, ins Gespräch kam. Sie kannte Dodokays Arbeit und hatte Gefallen an den kurzen Clips gefunden, die der Comedian auf diversen Internetportalen hochlädt.

Brauner machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Ihr Vater hat mehrere 100 Filme produziert. Sie gewährte Dodokay freien Zugriff auf das gewaltige Archiv, er durfte sich einen Film aussuchen. Die Wahl fiel schließlich auf „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, das letzte Werk des legendären Regisseurs Fritz Lang („Metropolis“, „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“). In dem Streifen von 1960 legt der unvergessene Gert Fröbe als Kommissar Jochen Kras einem wahnhaften Arzt, der sich als legitimen Erbe des Superschurken Dr. Mabuse betrachtet, das Handwerk.

Gert Fröbe sei einfach cool, meint Dodokay, der Film habe eine tolle Bildwelt. „Und die schwätzen 90 Minuten lang.“ Atze Brauner habe ja auch zahlreiche Winnetou-Filme produziert. Diese seien für seine Zwecke aber gänzlich ungeeignet. „Da reitet Winnetou zehn Minuten durch Yugoslawien und sagt kein Wort, damit kann ich nicht viel anfangen.“ Also entschied er sich statt Indianerromantik für den berühmt-berüchtigten Mabuse. Das Original hat Dodokay in „Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“ umbenannt. Beim 26. Sommernachts-Open-Air-Kino war der Film als Preview zu sehen, am 30. August kommt die Produktion offiziell in die Kinos.

Stuttgart, 1960: Die Schwaben haben eine bahnbrechende Erfindung gemacht – das sogenannte Internet. Im Hotel „Zum güldenen Grasdackel“ auf der schwäbischen Alb befindet sich die geheime Schaltzentrale, die wie der Heilige Gral gehütet wird. Doch es kommt zu Anschlägen und Sabotageakten. Die Hinweise, dass es ein Verbrechersyndikat auf das Internet abgesehen hat, verdichten sich. Was anfangs nur vage Vermutungen sind, wird schon bald zur schrecklichen Gewissheit: Erzschurke Mabuse selbst will sich die moderne Technologie unter den Nagel reißen.

Um die Sache aufzuklären, kommandieren die Schwaben ihren besten Mann aus der Landeshauptstadt Stuttgart ab: Kommissar Krass reist auf die Alb, wo er Mabuse dingfest machen soll. Im „Güldenen Grasdackel“ trifft er auf allerlei zwielichtige Gestalten wie den schmierigen Start-up-Unternehmer Mark Sackerberg, der sich um die latent suizidgefährdete Hotelbewohnerin Sabine Hirrlinger kümmert. Sackerberg will eine Internetplattform aufbauen, auf der sich junge Schwaben vernetzen können. Allerdings fehlt noch ein griffiger Name. „Fleißbook wär ganz gut“, berichtet Sackerberg dem Kommissar von seinen hochtrabenden Plänen.

Dodokays Synchronisierungen, mit denen er sonst dreiminütige Filmschnipsel unterlegt, funktioniert auch im schwäbischen „Bloggbaschta“-Format erstaunlich gut. Die Gags sind mitunter flach, aber wirkungsvoll. Wer sich mit oberflächlichem, aber kurzweiligem Kinovergnügen zufrieden gibt, kommt voll auf seine Kosten. Den Vorwurf der Leichenfledderei weist Dodokay übrigens von sich. „Ich könnte mit vorstellen, dass Fritz Lang meine Mabuse-Version gefallen hätte.“

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