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Gastronomie

Vorfreude, aber auch Zukunftssorgen

Dass es endlich konkreter wird, was die Wiedereröffnung angeht, freut die Ludwigsburger Gastronomen. Trotzdem machen sie sich auch Gedanken um die Zukunft. Können sie die Auflagen der Landesregierung umsetzen? Und ab wann wird ein normaler Betrieb wieder möglich sein?

Bald könnte es auf dem Ludwigsburger Marktplatz wieder voller werden. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Bald könnte es auf dem Ludwigsburger Marktplatz wieder voller werden. Foto: Holm Wolschendorf

Auf konkrete Aussagen, wann sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können, haben die Gastronomen aus ihrer Sicht viel zu lange gewartet. Am Mittwoch war noch die Rede davon, dass es sicher vor Pfingsten der Fall sein wird. Gestern sprach die baden-württembergische Landesregierung nun davon, sie plane eine schrittweise Öffnung ab 18. Mai (siehe Text rechts unten). Andere Bundesländer öffnen bereits früher, wieder andere haben noch keine Aussagen gemacht.

„Am Anfang haben die Bundesländer noch an einem Strang gezogen“, sagt Aristofanis Chatzidis, Inhaber des Brückenhauses zwischen Hoheneck und Neckarweihingen. „Jetzt geht es nur noch ums politische Profilieren.“ Das wirke „wie ein Kasperletheater“. Den Flickenteppich, der durch die unterschiedlichen Entscheidungen der Bundesländer entsteht, bemängelt auch Christian Köhle vom Goldenen Pflug in Pflugfelden. Das sei schwer nachvollziehbar.

Die Politik müsse auch beachten, dass das Hochfahren länger dauere als das Runterfahren der Gastronomie, so Chatzidis. Schließlich müsse erst geklärt werden, ob die Brauerei des Vertrauens derzeit noch ausreichend Bier braue oder ob im Großmarkt alles vorhanden sei. „Wenn ich alles gleich bekomme, kann ich innerhalb von zwei Tagen öffnen“, sagt er. Doch dass er alles bekommt, bezweifelt er. Auch das Plexiglas, das er als Schutz vor seinem Außengrill installiert hat, sei schwer zu bekommen gewesen. „Das muss man inzwischen wie früher in der DDR besorgen“, sagt er. Im Baumarkt sei es ausverkauft, stattdessen müsse man darauf hoffen, dass man über private Kontakte an Plexiglas komme.

Beim Café Bønne in der Eberhardstraße hat man sich zum Teil bereits auf eine Wiederöffnung vorbereitet. „Nicht verderbbare Ware wie Mehl, Zucker und Hefe haben wir schon im Voraus bestellt“, erklärt Manuel Sengenberger. Auch Christian Köhle hat vorausgedacht und bereits Desinfektionsmittelspender und Masken bestellt. „Wir müssen noch die Küche vorbereiten und die Karte machen, dann wären wir in vier, fünf Tagen einsatzbereit“, sagt er.

Viele Gastronomen bieten derzeit Speisen zur Lieferung oder Abholung an und freuen sich über die Solidarität ihrer Gäste. „Manche kommen jeden Tag zu uns und holen sich Kaffee“, so Manuel Sengenberger. Doch auf den Umsatz von vor der Krise kommt dadurch niemand. „Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Francesco Moro, der das Restaurant La Signora Moro auf dem Marktplatz leitet. Beim Goldenen Pflug läuft das Abholgeschäft gut. „Das wird neben Restaurant und Hotel unser drittes Standbein werden müssen“, sagt Köhle. Sie werden erst mal weiter den Abhol- und Lieferservice anbieten – besonders für Risikogruppen und vorsichtige Gäste. „Wenn wir jetzt nur auf die In-Haus-Gäste hoffen, dann gibt das einen Umsatzeinbruch im Vergleich zur jetzigen Situation“, ist er sich sicher. Denn durch das Abstandhalten falle mindestens die Hälfte der Plätze weg. „Wenn von 100 Plätzen nur noch 30 nutzbar sind, dann ist das weit entfernt von einer guten Auslastung“, sagt Köhle.

Zuerst war gestern im Gespräch, dass erst einmal nur die Außengastronomie öffnen darf. „Das wäre fatal für alle, die nicht die Möglichkeit haben, außen zu bewirten“, sagt Francesco Moro. Auf dem Marktplatz habe er da aber kein Problem. Er macht sich auch Gedanken über die Auflagen, die bisher noch nicht verkündigt wurden. „Müssen wir Gastronomen jetzt viel Geld investieren, um die Auflagen zu erfüllen?“, fragt er sich. Die Gastronomie werde in der Luft hängen gelassen, so Sengenberger. Er wünscht sich mehr Informationen zu den Auflagen. Auch Aristofanis Chatzidis würde sich schon jetzt gerne auf die Auflagen vorbereiten. „Aber wenn’s drauf ankommt, hüpfen wir auch auf einem Bein“, sagt er.

Christian Köhle geht davon aus, dass die Gastronomie mindestens ein Jahr braucht, um wieder stabil zu werden. Das macht er auch daran fest, dass vorerst noch keine Familienfeiern möglich sein werden. „Wenn die Fläche zu klein ist, um ausreichend Abstand zu halten, muss man diese Feste absagen, solange die Kontaktbeschränkungen gelten.“

Als Hotelier hofft Köhle außerdem, dass die Öffnung der Gastronomie auch ein Signal an Geschäftsreisende ist, dass sie wieder mehr reisen. Denn die Zimmer im Golden Pflug sind größtenteils leer. „Wenn Firmen jetzt erkennen, dass auch Videokonferenzen gehen, dann fallen uns in Zukunft sicher noch mehr Gäste weg“, vermutet Köhle. 85 Prozent seiner Gäste seien Geschäftsreisende. Und auch andere Gäste werden in diesem Jahr eher weniger kommen, obwohl auch Hotels ab dem 29. Mai wohl wieder für alle öffnen dürfen. „Wir profitieren normalerweise von den Großveranstaltungen wie der Venezianischen Messe, Basketballspielen und den KSK Music Open“, so Köhle. Doch die fallen in diesem Jahr zum großen Teil aus.

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