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venezianische Messe

Vorhang auf für magische Fantasiewelt

Rund 1200 Teilnehmer bei der Künstlerprozession – Tausende Zuschauer im Blühenden Barock und auf dem Marktplatz

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Ludwigsburg. Gigantisch und fantastisch zugleich war die Künstlerprozession zum Auftakt der Venezianischen Messe gestern Abend. Nur Superlative reichen aus, um die wunderschönen Bilder und Szenen zu beschreiben, die sich den Tausenden Zuschauern im Blühenden Barock, entlang der Straßen und auf dem Marktplatz boten. Die rund 1200 Kostümträger sorgten im Jubiläumsjahr für einen Teilnehmerrekord. Rainer Kittel, Künstlerischer Leiter der Venezianischen Messe, konnte mehr als zufrieden sein. Wohl auch mit der Wahl des Blühenden Barock als Start für den prächtigen Umzug. „Eine Mischung aus Routine und etwas Neuem, das hat Spaß gemacht“, sagte er.

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Venezianische Messe 2018

Fliegende Pferde, Stelzenläufer, Musiker und natürlich die unzähligen kostümierten Frauen, Männer und Kinder – von barock über schrill bis zu mystisch – machten diesen Umzug zu einem unvergesslichen Erlebnis. Während sich die Zuschauer nicht satt sehen konnten an diesem Festival der Fantasie und der Farben, hielten etliche Hobbyfotografen ihre Impressionen in Bildern fest. Schon vor dem Start, als sich die Teilnehmer im Südgarten erst noch formierten, bildeten sich um die besonders originell kostümierten Teilnehmer bereits Menschentrauben. Die Abendsonne setzte die farbenfrohen Kostüme ins richtige Licht, das Schloss bildete die perfekte Kulisse.

Ausnahmsweise ohne Boot führte das Gondelpaar Jeschi Paul und Massimiliano D’Antonio singend den Zug im Schlossgarten an. Erst später stiegen sie in ihr gewohntes Gefährt um, das so typisch für die Lagunenstadt Venedig ist. Applaus brandete immer dann auf, wenn Teilnehmer in besonders aufwendigen oder originellen Kostümen vorbeischritten, die Zuschauer am Wegesrand mit einem strahlenden Lächeln bedachten, Schabernack mit ihnen trieben oder es Konfetti regnen ließen. Gruppen, die ein bestimmtes Thema aufgriffen, fielen besonders ins Auge. Mama, Papa und Kind ganz in Schwarz mit Krokodilmasken auf dem Kopf gehörten ebenso dazu wie die Ludwigsburger Gruppe Arcobaleno, die sich selbst als Regenbogen des Venezianischen Karnevals bezeichnet. Barocke Ladys mit oder ohne Maske – zumeist in männlicher Begleitung – hoben huldvoll ihre Hände.

Die Aufmerksamkeit auf sich zogen die trommelnden und Tücher schwenkenden Stelzenläufer aus der Ludwigsburger Partnerstadt Jevpatorija. Doch auch andere Künstlergruppen reihten sich in den Umzug ein, wie die Artisten der Tukkersconnexion in ihren fahrenden Fischen.

Mit der Route vom Schloss zum Marktplatz knüpften die Veranstalter im Jubiläumsjahr an eine lange Tradition an: Auch Herzog Carl Eugen, der die Venezianische Messe vor 250 Jahren nach Ludwigsburg brachte, hat diesen Weg in Begleitung seines Hofstaates zurückgelegt, um auf dem Marktplatz ausgiebig zu feiern. Dieser hatte sich auch in diesem Jahr wieder in eine italienische Piazza verwandelt. Auf den Bühnen und Spielflächen geben sich an diesem Wochenende rund 30 Künstlergruppen die Klinke in die Hand.

Oberbürgermeister Werner Spec hieß dort nach der Künstlerprozession die Gäste willkommen. Im Jubiläumsjahr darf der Blick zurück nicht fehlen. Vor 250 Jahren sei die Venezianische Messe erstmals von Herzog Carl Eugen veranstaltet worden, so Spec. Genau 25 Jahre sei es her, dass diese Tradition wiederbelebt wurde. Spec nutzte seine Rede für einen Appell gegen Rechtspopulismus und warb für den europäischen Gedanken.

Dass dieses Event völkerverbindend ist, zeigt der Blick auf die Besucherliste: Die Fans der Venezianischen Messe sind aus ganz Deutschland, vielen europäischen Ländern, den USA, Kanada und schließlich auch aus Jevpatorija angereist.